Ratgeber

Neue Regionalklassen 2027Hier wird Autofahren jetzt teurer

09.09.2026, 10:42 Uhr
image
Insbesondere Berlin ist für Autofahrer ein teures Pflaster. (Foto: dpa)

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat die Neuberechnung der Regionalklassen veröffentlicht. Das kann Auswirkungen auf die Höhe der Kfz-Versicherung haben. Durch die aktuelle Auswertung ändern sich die Regionalklassen in der Kfz-Haftpflichtversicherung für Millionen Autofahrer.

Grundsätzlich gilt: Je besser die Einstufung in der Regionalklasse, desto günstiger fällt in der Regel der Beitrag zur Kfz-Versicherung aus. Denn die Regionalklassen spiegeln die Schaden- und Unfallbilanz der 413 deutschen Zulassungsbezirke wider. Sie werden einmal im Jahr vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berechnet; die aktuelle Auswertung wurde nun veröffentlicht.

Entscheidend ist nicht, wo ein Schaden entstanden ist, sondern in welchem Zulassungsbezirk der Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat. Zudem werden noch weitere Parameter für die Berechnung herangezogen - zum Beispiel Änderungen bei den Typklassen des Automodells oder allgemeine Preisanpassungen des Versicherers, sodass sich durch Veränderung bei der Regionalklasse allein keine Aussage über die Entwicklung des gesamten Beitrags treffen lassen, so der GDV.

"Für 5,2 Millionen Autofahrende aus 63 Zulassungsbezirken verbessert sich die Regionalklasse, für 4,8 Millionen aus 46 Bezirken steigt sie. Wo ein Auto zugelassen ist, macht für die Schadenbilanz einen erheblichen Unterschied. Besonders Großstädte schneiden häufig schlechter ab als ländliche Regionen", sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Zwar sind die Berechnungen für die Zulassungsbezirke in Deutschland durch den GDV und die Einteilung in Regionalklassen für die Versicherungsunternehmen unverbindlich, dennoch sind sie ein Anhaltspunkt bei der Berechnung neuer Tarife. Für die große Mehrheit ändert sich nichts. In 304 Zulassungsbezirken mit mehr als 32 Millionen Autofahrenden bleibt die Regionalklasse in der Kfz-Haftpflichtversicherung unverändert.

Schadensbilanz in Offenbach, Gelsenkirchen und Berlin besonders hoch

Die schlechteste Schadenbilanz hat erneut Offenbach. Dort liegen die Schäden fast 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, gefolgt von Gelsenkirchen und Berlin. Die beste Schadenbilanz weist der brandenburgische Landkreis Elbe-Elster auf. Dort liegen die Schäden rund 33 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Bei den Kaskoversicherungen fallen die Veränderungen durch die aktuelle GDV-Regionalstatistik gering aus. Rund 33 Millionen Autofahrende behalten die aktuellen Regionalklassen. Für rund 2,4 Millionen Voll- oder Teilkaskoversicherte ergeben sich höhere und ebenfalls für rund 2,4 Millionen Versicherte niedrigere Einstufungen.

Die Regionalklasse errechnet sich aus der Schadenbilanz eines Zulassungsbezirks. Für den persönlichen Versicherungsbeitrag ist sie allerdings nur einer von mehreren Faktoren. Dazu zählen unter anderem auch das Fahrzeug (Typklasse), die jährliche Fahrleistung oder die Entwicklung der Reparaturkosten.

In einer Modellrechnung des Vergleichsportals Verivox zahlt der 45-jährige Golf-Fahrer aus Berlin 61 Prozent mehr für die Teilkasko-Versicherung als ein gleichaltriger Golf-Fahrer aus Emden. Für die Vollkasko zahlt der Berliner 54 Prozent mehr, die Haftpflichtversicherung ist um 47 Prozent teurer. Die Hauptstadt hat die höchstmöglichen Haftpflicht- und Teilkasko-Regionalklassen. Emden gehört hingegen zu den Regionen, die hier jeweils in eine der niedrigsten Klassen eingestuft sind.

"In Städten ist die Unfallquote wegen des dichten Verkehrs höher als in dünner besiedelten Regionen. Das führt zu höheren Regionalklassen für die Kfz-Haftpflicht", sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. "In Berlin ist zudem die Diebstahlquote hoch, was sich in einer hohen Teilkaskoklasse niederschlägt."

Bis zu 41 Prozent Plus übern Gartenzaun

Die Hauptstadt ist wegen der hohen Regionalklassen auch deutlich teurer als das unmittelbare Umland, wie ein Vergleich zwischen Berlin-Nikolassee und dem angrenzenden Kleinmachnow in Brandenburg zeigt. Die Anwohner teilen sich zwar mitunter denselben Gartenzaun, haben jedoch nicht dieselben Kosten für die Kfz-Versicherung.

So zahlt der Golf-Fahrer in Berlin wegen höherer Regionalklassen 41 Prozent mehr für die Vollkaskoversicherung als in Kleinmachnow. Für die Teilkasko sind es in der Hauptstadt 39 Prozent mehr, für die Haftpflichtversicherung 28 Prozent.

"Die meisten Versicherer verzeichnen wieder Gewinne und die Zeiten der starken Preiserhöhungen liegen hinter uns", sagt Ziller. "In die Wechselsaison gehen die Unternehmen mit ganz unterschiedlichen Strategien. Einige sind nach wie vor kostensensitiv, andere wollen mit günstigen Angeboten Neukunden gewinnen." Das Sparpotenzial zwischen günstigen und mittleren Tarifen liegt aktuell bei 33 Prozent.

Der GDV veröffentlicht einmal jährlich für alle KFZ-Zulassungsbezirke die sogenannten Regionalklassen für Haftpflicht-, Teilkasko- und Vollkaskoversicherungen. In welche Klasse der jeweilige Bezirk eingeordnet ist, kann über dieversicherer.de abgefragt werden. Dabei basiert die Einstufung nicht nur auf den Schadensmeldungen des vergangenen Jahres, sondern wird über einen längeren Zeitraum ermittelt. Aus diesem Grund erfolgen Umstufungen von einem Jahr auf das andere meist nur um eine Klasse. Daraus resultierende Mehrbeiträge oder Ersparnisse für die einzelnen Autofahrer liegen deshalb in der Regel unter 10 Prozent.

Quelle: ntv.de, awi

StraßenverkehrVersicherungenDeutschlandKfz-VersicherungAutofahrer