Ratgeber
Dienstag, 21. Juli 2015

Fonds im Test: Immobilien für kleines Geld

Offene Immobilienfonds sollen vor allem für Stabilität und Rendite im Depot sorgen. Insbesondere Anleger mit wenig Geld erhalten durch sie die Möglichkeit, in die viel beschworenen Sachwerte zu investieren. Ob das sinnvoll ist, hat "Finanztest" geprüft.

Alles wieder solide bei Offenen Immobilienfonds.
Alles wieder solide bei Offenen Immobilienfonds.

Nicht jeder verfügt über ausreichend Mittel für eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus. Offene Immobilienfonds (OIF) bieten hier die Möglichkeit, für kleines Geld in Immobilien zu investieren. Das verspricht Anlegern Sicherheit und Stabilität.

Doch mit der Finanzkrise 2008 begannen die Schwierigkeiten für die bis dahin vor allem bei sicherheitsorientierten Anlegern beliebten Fonds. Weil vor allem Großanleger massiv Geld abzogen, welches sie zuvor in den Immobilienportfolios geparkt hatten, gerieten einige der ansonsten solide wirtschaftenden Fonds in Schwierigkeiten.

Als Konsequenz daraus wurden viele Fonds geschlossen und befinden sich derzeit in Auflösung. Doch mittlerweile sind Offene Immobilienfonds wieder gefragt und als solide Anlage zur Depotbeimischung geeignet, wie Finanztest urteilt. Die 13 Fonds, in die private Anleger weiterhin investieren können, haben in den letzten fünf Jahren durchschnittliche jährliche Renditen zwischen 2 und 3 Prozent erwirtschaftet. Dass diese insgesamt hinter den Erwartungen der Anleger zurückblieben, liegt vor allem daran, dass die Fonds einen Teil der eingesammelten Gelder am Zinsmarkt anlegen müssen, um in der Lage zu sein, Anleger auszuzahlen. Bei dem derzeitigen Zinsniveau sinkt damit der Ertrag deutlich.

Sachwerte und Geldwerte

Damit die Fonds den Spagat schaffen, eine eigentlich langfristige Geldanlage in Immobilien kurzfristig verfügbar zu halten, gelten seit 2013 neue Regeln. So können Anleger, die ihre Anteile vor dem 22. Juli des selben Jahres gekauft haben, pro Kalenderhalbjahr nur noch Anteile im Wert von 30.000 Euro ohne Weiteres täglich zurückgeben. Anleger, die Anteile mit einem höheren Wert als der Freibetrag zurückgeben möchten, müssen 12 Monate vorher kündigen. Wurden die Anteile nach dem 22. Juli 2013 erworben, müssen alle Anteile mindestens zwei Jahre gehalten worden sein, ehe sie verkauft werden dürfen - einen Freibetrag gibt es nicht mehr.

Ziel der Neuregelungen ist es, die OIF wieder zu einem sicheren und stabilen Produkt vor allem auch für kleine Anleger werden zu lassen. Grundsätzlich wird der Immobilienmarkt von Experten als stabil eingeschätzt. Verbraucherschützer warnen dennoch davor, mögliche Risiken zu ignorieren, denn dadurch, dass die Fonds vor allem in Gewerbeimmobilien investieren, sind sie auch konjunkturabhängig. Grundsätzlich sollten deshalb OIF nur als Depotbeimischungen genutzt werden und das auch nur auf lange Sicht. Ist genügend Anlagekapital vorhanden, sollte dies am besten auf verschiedene Fonds des Segments verteilt werden. Darüber hinaus bemängelt "Finanztest" die Anlegerinformationen zu allen getesteten Fonds.

Spitzenreiter bei der Rendite bei Fonds, die in Gewerbeimmobilien wie Bürohäuser, Hotels, Shoppingcenter oder Lagerhallen investieren, ist laut Finanztest der "Grundbesitz Europa". Er erzielte über fünf Jahre eine Rendite von 3 Prozent p.a.. Der zweitplatzierte Fonds, "Hausinvest", erwirtschaftete im selben Zeitraum 2,7 Prozent Rendite p.a. Die Kosten der Fonds sind bereits bei der Rendite berücksichtigt.

Der einzige untersuchte OIF, der schwerpunkmäßig in Wohnimmobilien investiert, ist der "Wertgrund Wohnselect". Er konnte mit einer Durchschnittsrendite über fünf Jahre von 5 Prozent p.a. überzeugen. Laut der Tester war dies möglich, da der Fonds erfolgreich die Strategie verfolgte, gezielt in Wohnungen mit Mietsteigerungspotenzial zu investieren. 

Quelle: n-tv.de