Ratgeber

Kein Job für Konfessionslose Kirchlicher Arbeitgeber muss entschädigen

Kirchliche Einrichtungen stellen in Deutschland rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze, etwa in Kindergärten, Krankenhäusern oder Bildungseinrichtungen. Von vielen dieser Jobs ist der nicht-christliche Teil der Bevölkerung von vornherein ausgeschlossen. Zu Recht?

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Ob Lehrer, Heimleiter oder Putzkraft - wer für einen kirchlichen Arbeitgeber arbeiten will, muss in der Regel auch in der Kirche sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Katholisch, evangelisch oder konfessionslos – was für die meisten Menschen im Alltag keine große Rolle spielt, kann bei der Jobsuche plötzlich wichtig werden. Dann nämlich, wenn man sich bei einem kirchlichen Arbeitgeber bewirbt. Der darf seine Mitarbeiter nach Konfession auswählen – das gilt aber nicht in jedem Fall. Das Arbeitsgericht Berlin hat nun einer  nicht berücksichtigten Bewerberin eine Entschädigung zugesprochen. Sie sei wegen ihrer fehlenden konfessionellen Bindung benachteiligt worden (Az.  54 Ca 6322/13).

Die Frau hatte sich bei einem Werk der evangelischen Kirche in Deutschland um die Stelle einer Referentin beworben. Aufgabe wäre es gewesen, einen unabhängigen Bericht zur Umsetzung der Antirassismuskonvention der Vereinten Nationen durch Deutschland erstellen. In der Stellenausschreibung wurden entsprechend den kirchlichen Bestimmungen die Mitgliedschaft in einer evangelischen oder der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen angehörenden Kirche vorausgesetzt, sowie die Identifikation mit dem diakonischen Auftrag.

Die Klägerin ist nicht Mitglied einer Kirche, sah sich aber inhaltlich qualifiziert und bewarb sich trotzdem. Ohne Erfolg - sie wurde gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Daraufhin klagte sie wegen einer Benachteiligung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Zu Recht, fand das Arbeitsgericht Berlin. Die Frau sei wegen ihrer Konfessionslosigkeit abgelehnt worden. Der potentielle Arbeitgeber müsse ihr deshalb ein Monatsgehalt als Entschädigung zahlen.

Konfession für Job unwichtig

Zwar gibt es in Deutschland ein kirchliches Selbstbestimmungsrecht. Auf das berufen sich kirchliche Arbeitgeber auch, wenn sie Mitarbeiter nach ihrer Konfession auswählen. Laut Auffassung des Gerichts ist die Selektion nach Konfession aber nur legitim, wenn es sich um eine "wesentliche, rechtmäßige und gerechtfertigte berufliche Anforderung" handele. Bei der ausgeschriebenen Referententätigkeit könne das nicht festgestellt werden, so die Urteilsbegründung. Das Thema "Antirassismus" sei zwar auch nach "religiösen und diakonischen Wertvorstellungen" von Bedeutung, eine Religionszugehörigkeit sei für die Referentenstelle aber nicht erfroderlich.

Ob die Frau nun tatsächlich eine Entschädigung bekommt, ist noch ungewiss. Das Arbeitsgericht hat die Revision zugelassen. Das kirchliche Arbeitsrecht ist immer wieder Gegenstand rechtlicher  Auseinandersetzungen. Im vergangenen Jahr etwa hat das Bundesarbeitsgericht der Caritas Recht gegeben, die einen Sonderpädagogen in einem Betreuungszentrum entlassen hatte. Der Mann war nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen aus der Kirche ausgetreten, was die Caritas als "schwerwiegenden Loyalitätsverstoß" wertete.

Mit rund 1,3 Millionen Angestellten sind die Kirchen die größten nichtstaatlichen Arbeitgeber in Deutschland. 

Quelle: ntv.de, ino