Ratgeber

Hauskauf mit Bausparvertrag Lohnt sich Bausparen noch?

Kosten beim Bausparen

Es spricht erst einmal nicht besonders viel dafür, heute noch einen Bausparvertrag abzuschließen.

(Foto: Felix Kästle/dpa)

Totgesagte leben länger. Das gilt auch für den Bausparvertrag. Vorausschauenden Bauherren kann er durchaus nützen. Leider entspricht die Beratung mancher Gesellschaften noch immer nicht genau den eigenen Allgemeinen Bausparbedingungen. Das kann zu Problemen führen.

Es ist noch gar nicht lange her, da gehörten Hauskauf und Bausparvertrag fast untrennbar zusammen. Spätestens in der Ausbildung hatten die meisten Deutschen mindestens einen Bausparvertrag im Portfolio. Sie sparten damit nicht nur (wenngleich eher mäßig verzinst) Eigenkapital für den Immobilienkauf an, sondern sicherten sich auch ein günstiges Darlehen, um das Großprojekt Eigenheim risikolos verwirklichen zu können.

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(Foto: FMH)

Die dauerhaften Niedrigzinsen haben das System allerdings in den Grundfesten erschüttert und die Vorgaben von einst ins Gegenteil verkehrt. Während die vormals "mäßigen" Anlagezinsen von 2 bis 3 Prozent heute unerreichbare Spitzenkonditionen sind, erweisen sich die damals günstigen Darlehenskonditionen von 2,5 bis 5 Prozent als viel zu teuer: Etliche Banken bieten inzwischen selbst Darlehen mit 15 Jahre Zinsbindung und geringem Barmitteleinsatz schon für unter 1,5 Prozent an.

Was bedeutet das für die Bauherren von morgen?

Fest steht: Wie auch schon vor 20 Jahren wird auch heute niemand einen Bausparvertrag wegen der üppigen Guthabenzinsen abschließen. Die Sätze liegen derzeit zwischen 0,1 und maximal 1 Prozent. Zusätzlich geschmälert werden die Erträge dadurch, dass fast alle Bausparkassen eine Servicegebühr von meist 12 Euro pro Jahr eingeführt haben. Rechnet man dann noch die Abschlussgebühr von einem bis 1,6 Prozent der Bausparsumme ein, müssen Bausparer bis zur Vertragszuteilung inzwischen fast immer Verluste hinnehmen (Mehr zum Thema Bausparen und ihren Bedingungen finden Sie auf der Bausparseite der FMH.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Wenn man bedenkt, dass bis 100.000 Euro Guthaben wohl auch weiterhin keine Strafzinsen für Privatleute anfallen und sich mit ETF-Fonds bei überschaubaren Risiken bis zu fünf Prozent Rendite erzielen lassen, spricht erst einmal nicht besonders viel dafür, heute noch einen Bausparvertrag abzuschließen.

Tot ist das Bausparen damit aber noch lange nicht. Banken und Vermittler empfehlen aktuell gerne, einen Kredit nicht normal zu tilgen, sondern stattdessen einen Bausparvertrag abzuschließen. Diese Empfehlung ist oft, aber nicht immer im Interesse des Kunden. Die FMH bietet Bauherren und Käufern daher eine Gegenüberstellung an, welches Modell besser ist. Die Auswertung kostet 175 Euro.

Trennlinie verläuft bei vier Prozent

Unsere Erfahrung: Das Bausparmodell gewinnt nur, wenn man beim klassischen Bankdarlehen nach dem Ende der Zinsbindung mit vier oder mehr Prozent Zinsen bei der Anschlussfinanzierung weiterrechnet. Unterstellt man hingegen einen Zinssatz von weniger als vier Prozent, verliert das Bausparmodell fast immer. Die Rentabilität des Bausparens hängt damit von der alles entscheidenden Frage ab: Wie werden sich die Zinsen entwickeln?

Aktuell rechnen Volkswirte eher mit extrem niedrigen Zinsen über sehr viele Jahre hinweg. Das spricht nicht unbedingt für die Bausparkassen. Zugegeben: Einige von ihnen bieten auch Darlehen zu einem Zinssatz von einem Prozent an. Diese Kredite aber müssen dann in sechs bis acht Jahren abbezahlt werden. Das entspricht einer Tilgungsquote von 12 bis 16 Prozent pro Jahr und die dürfte für die meisten Kunden kaum zu stemmen sein.

Nicht nur Zinssatz entscheidet

Wir sehen es leider auch relativ oft, dass die Anbieter Versprechungen machen, die sich nicht mit den Allgemeinen Bausparbedingungen (ABB) decken und Probleme verursachen können - etwa, was die Besparung des Bausparguthabens betrifft. Sehr oft wird auch die hohe Flexibilität bei der Bausparrückzahlung beworben. Dabei allerdings lassen die Bausparkassen ein wichtiges Detail unter den Tisch fallen. Denn es ist zwar richtig, dass Kunden ein Bauspardarlehen schneller tilgen dürfen als vorgegeben. Nicht möglich ist es aber, die Quoten zu senken, wenn die eigene Finanzlage zwischendurch mal etwas angespannter ist. Damit sind Bauspardarlehen weniger flexibel als viele Bankkredite, bei denen sich diese Option einbauen lässt.

Das Fazit der FMH lautet daher: Bausparen ist heute sicher nicht mehr untrennbar mit jeder Baufinanzierung verbunden. Es kann sich aber durchaus lohnen, etwa um Rücklagen für eine spätere Renovierung anzusparen.

Bausparverträge helfen bei Planung von Renovierungen

Aktuell gehen die meisten Renovierungskunden zu ihrer Hausbank und nehmen einen Ratenkredit mit um die fünf Prozent Zinsen auf. So entstehen überhöhte Kosten, die sich mit vorausschauender Planung vermeiden lassen. Wer zum Beispiel davon ausgeht, dass er in den nächsten zehn Jahre 40.000 Euro in ein neues Dach oder eine neue Heizung investieren muss, sollte besser einen Bausparvertrag abschließen und regelmäßig mit 160 Euro besparen.

Nehmen wir an, eine Familie in Bayern will ihr Dach neu decken und eine Solaranlage installieren lassen. Um dieses Vorhaben umzusetzen, kann sie entweder einen Kredit aufnehmen oder auf einen Bausparvertrag bei der BHW beziehungsweise der LBS Bayern zurückgreifen. Beide Bausparkassen sagen zu, dass bei einer monatlichen Rücklage von 160 Euro in weniger als zehn Jahren der Bausparvertrag soweit angespart ist, dass 40.000 Euro für die Renovierung zur Verfügung stehen. Und die Tilgungsrate von 240 Euro ist auch schon bekannt. Überraschungen sind damit ausgeschlossen - egal wie sich der Zinsmarkt entwickelt.

Zum Vergleich: Ein Ratenkredit über 25.000 Euro würde bei einer Laufzeit von zehn Jahren pro Monat 275 Euro kosten - nach aktuellem Stand.

Tipp: Wer den Bausparvergleich der FMH nutzen will, sollte die Berechnungen mit einer Anspardauer von 11 Jahren vornehmen, weil das Tool dann die meisten Treffer anzeigt. Wichtig ist zudem, dass die FMH für die Berechnung keine Hochrechnungen der Bausparkassen verwendet, sondern nur die Vorgaben bezüglich Besparung und Rückzahlung laut den Allgemeinen Bausparbedingungen (ABB).

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: n-tv.de

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