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Ballast in der Geldbörse Muss man den Kassenbon jetzt annehmen?

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Bei größeren Anschaffungen hat es Sinn, den Kassenzettel aufzubewahren. Aber muss man dies jetzt auch tun?

(Foto: imago/Westend61)

Bisher galt hierzulande keine Belegpflicht für getätigte Einkäufe. Sprich, der Kaufbeleg muss nicht unnötig das Portemonnaie des Kunden belasten. Doch ab 2020 tritt die Kassensicherungsverordnung in Kraft. Muss der Kassenzettel zum neuen Jahr also immer angenommen und aufbewahrt werden?

Steuerhinterziehung ist eine schlimme Sache, schließlich gehen dem Staat dadurch Milliarden durch die Lappen. In Ländern wie Österreich, Italien oder Slowenien kennt man auch das Problem. Doch hier ist das Leben einfach. Zumindest dann, wenn man es auf die Frage reduziert, ob man den Kassenbon nach dem Einkauf aufheben soll oder entsorgen kann. Denn hier gilt die Belegpflicht. Das heißt, in den drei Ländern muss der Bon aufgehoben und auf Verlangen der jeweiligen Finanzbehörde auch vorgezeigt werden. Das soll verhindern, dass Geschäfte Einnahmen der Steuer verschweigen. Der Kunde wird sozusagen zur Mithilfe gegen Steuerhinterziehung verdonnert.

Und hierzulande? Ändert sich auch was. Musste man sich bisher um derartige Bürgerpflichten keine Gedanken machen, tritt ab dem 1. Januar 2020 die Beleg-Ausgabepflicht in Kraft. Die ist Teil der Kassensicherungsverordnung, welche dafür Sorge tragen soll, elektronische Kassen auf ein fälschungssicheres System umzustellen, welches jeden Tastendruck aufzeichnet - und immer automatisch einen Kassenzettel erstellt und auch zur Verfügung stellt. Aufgrund der eindeutigen Zuordnung eines Belegs zu einem elektronischen Aufzeichnungssystem, welches den Bon erstellt hat, können die Angaben auf dem ausgegebenen Beleg jederzeit - also auch bei kurzfristigen Kassenprüfungen - überprüft werden, wie das Bundesfinanzministerium n-tv.de auf Anfrage mitteilt. Wieso das alleinige technische Erfassen im Kassensystem nicht ausreichend ist und stattdessen auch ein Kassenbon ausgehändigt werden muss, bleibt unklar.

Zwei Millionen Kilometer zusätzliche Länge an Kassenbons

Aber immerhin teilt das Finanzministerium mit, dass es keine Belegannahmepflicht für den Kunden gibt, eine aktive Mithilfe zur Bekämpfung von Steuerhinterziehungen wird Verbrauchern auch in Zukunft nicht abverlangt. Der Kassenbon kann also einfach auf dem Verkaufstresen liegen gelassen werden - um anschließend in den Müll zu wandern. Was angesichts der angeheizten Klimadiskussion für viel Kritik sorgt. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet schon mal vor, dass durch die neue Verordnung zwei Millionen Kilometer zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr im Einzelhandel produziert werden müssen. Zudem verweist der Verband auf die hohen Kosten für die technische Umstellung der Kassen. Hier rechnet der HDE mit 300 bis 500 Euro pro Kasse.

Das Bundesfinanzministerium beruhigt indes, denn nach der Abgabenordnung kann von einer Belegausgabepflicht in Einzelfällen abgesehen werden, wenn Waren an eine Vielzahl von nicht bekannten Personen verkauft werden und die Belegausgabepflicht für den einzelnen Steuerpflichtigen eine sachliche oder persönliche Härte darstellt. Inwiefern hiervon Bäckereien, Cafés, Kioske oder Marktstände betroffen sind, gilt es im Einzelfall zu prüfen. Allein die entstehenden Kosten können allerdings nicht zur Befreiung von der Belegausgabepflicht führen, da dies keine sachliche Härte darstellt. Wer partout keine elektronische Kasse führen möchte, muss dann in Zukunft jede Transaktion manuell erfassen, so dass sie für das Finanzamt nachvollziehbar ist.

Gesundheitsgefahr für Verkäufer

Beschäftigte an der Ladenkasse treiben hingegen andere Sorgen um: die um ihre Gesundheit. Denn in der speziellen Außenbeschichtung von Kassenzetteln befindet sich Bisphenol. Dies kann unter anderem die Schilddrüse, den Zyklus und sogar die Fruchtbarkeit beeinflussen. Die Substanz wird über die Haut aufgenommen. Besonders schädlich ist sie für jene, die täglich damit zu tun haben - wie Kassierer.

Das Ministerium weist auch in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Belegausgabepflicht bewusst technologieneutral ausgestaltet wurde. Es bleibt den Kasseninhabern unbenommen, Belege beispielsweise per Mail oder auf das Smartphone auszugeben. Immerhin.

So oder so, schon jetzt erhalten Kunden meist ungefragt nach Abschluss eines Einkaufs einen Kassenbon - der auch brav von vielen entgegengenommen wird. Um dann nicht selten über Wochen oder Monate das Portemonnaie zu verstopfen oder sich, in der Einkaufstasche vergessen, Auflösungserscheinungen hingibt.

Gewissenhaftere Zeitgenossen nutzen den Beleg hingegen noch an der Kasse - spätestens aber daheim - zum Kontrollieren, ob auch wirklich alle Waren korrekt erfasst und richtig abgerechnet wurden und wie viel Mehrwertsteuer sie auf entsprechende Artikel bezahlt haben. Auch so kann man seine Zeit verbringen. Aber ab und an passt der bezahlte Preis ja tatsächlich nicht zur Ware oder die Anzahl ist nicht korrekt angegeben. Hier gibt der Kassenbon dann wertvolle Hinweise und dient zudem als Beweis über die Fehlbuchung. Außerdem kann er selbstverständlich der Entlastung dienen, sollte man nach einem Einkauf des Diebstahls verdächtigt werden.

Zeuge kann helfen

Und darüber hinaus? Kann der Bon weg, wenn alles stimmt? Ja, eigentlich schon. Denn der Kassenbeleg ist keine Voraussetzung für einen Gewährleistungsanspruch des Kunden, zum Beispiel beim Umtausch mangelhafter Ware. Er erleichtert aber natürlich den Beweis darüber, dass das entsprechende Produkt auch wirklich in dem Geschäft gekauft wurde, welches nun für den Mangel zur Verantwortung gezogen werden soll.

An Stelle des Kassenzettels reicht aber auch die Kartenabrechnung aus, um Waren korrekt zu reklamieren. Wurde bar bezahlt, kann auch ein Zeuge aushelfen, der den Kauf bestätigen kann.

Tauscht ein Händler eine Ware hingegen freiwillig um oder erstattet den Kaufpreis zurück (etwa wenn die erworbene Ware missfällt), wozu er ansonsten nicht verpflichtet ist, kann er dann aber auch das Vorzeigen des Kassenbons verlangen und so an seine Kulanz koppeln.

Spätestens nach Ablauf der Gewährleistungs- oder Umtauschpflicht kann der Bon dann eigentlich entsorgt werden. Bei wertvollen Gegenständen kann es hingegen sinnvoll sein, den Zettel noch länger aufzubewahren. So kann er beispielsweise nach einem Einbruch als Beleg die Schadensregulierung durch die Versicherung erleichtern.

Quelle: n-tv.de

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