Ratgeber

Arbeitsmarkt Neue Chancen für Ältere

Qualifikation ist das A und O: Damit ältere Arbeitnehmer fit für den Job bleiben, müssen sie sich Zeit ihres Arbeitslebens fortbilden. Doch in Deutschland steckt die finanzielle Förderung noch in den Kinderschuhen.

Lars Lüke investiert in einen Zukunftsmarkt: den für ältere Arbeitssuchende. "Die demografische Entwicklung führt zwangsläufig dazu, dass man sich auf die Älteren fokussieren muss", sagt Lüke. Vor rund einem Jahr gründete er das Jobportal "expertia.de", das sich ausschließlich an Menschen ab 50 wendet. Doch die Jobvermittlungen laufen erst langsam an. "Es ist ein mühseliges Geschäft, weil sich das Umdenken in den Unternehmen noch nicht durchgesetzt hat."

Initiative 50plus

"Die Initiative 50plus war ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Cornelia Sproß vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Mit dieser Initiative vom Bundesarbeitsministerium werden in ganz Deutschland Projekte gefördert, die ältere Arbeitslose vermitteln. Die Aachener Initiative "krass" (Konzept zur Reintegration älterer Arbeitsloser in Schlüsselbranchen) ist eines davon. Das Alter sei derzeit kein Hindernisgrund, so Marlies Kolley-Mohnen von "krass".

Diese Einschätzung unterstützt Alexander Wilhelm von der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA): "Bei der Auswahl der Bewerber steht die Qualifikation im Mittelpunkt." Einige Branchen setzen nach Aussagen des IAB sogar bewusst auf ältere Beschäftigte. "Banken oder Versicherungen haben die Erfahrung gemacht, dass ältere Kunden Probleme haben, wenn ein junger Mitarbeiter ihnen gegenüber sitzt und sie berät", sagt Sproß. Ähnliches zeige sich auch im Verkauf, etwa in Möbelhäusern.

Viele erhalten keine Bewerbung

Ein Großteil der Unternehmen erhält aber gar keine Bewerbungen Älterer. Arbeitsmarktforscherin Cornelia Sproß erklärt das so: "Es gibt teilweise Befürchtungen von Älteren, dass sich die Bewerbung auf eine Stellenanzeige gar nicht lohnt." Dabei ist das Know-how der Generation mit 30 Jahren Berufserfahrung und mehr in Zeiten steigenden Fachkräftemangels gefragt. Viele Arbeitgeber schreiben ihnen außerdem eher Eigenschaften wie Loyalität und Arbeitsethos zu.

"Durch den wachsenden Fachkräftemangel wissen die Unternehmen das Know-how älterer Arbeitnehmer wieder stärker zu schätzen", sagt Oliver Heikaus vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Dieses Wissen sowie die langjährige Berufserfahrung sollten im Vordergrund der Bewerbung stehen, raten die Arbeitsmarktexperten. Zudem achten viele Arbeitgeber auf die "Persönlichkeit" des Bewerbers. Mit Qualitäten wie Zuverlässigkeit können Ältere dann punkten.

Mehr Flexibilität gefragt

Oliver Heikaus vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag fordert allerdings mehr Flexibilität von über 50-Jährigen: "Ältere Bewerber sollten den Unternehmen zeigen, dass sie mobil und offen für Neues sind und dass Weiterbildung für sie kein Fremdwort ist." Zudem können ältere Jobsuchende nicht automatisch ein hohes Gehalt erwarten. "Senioritätsprivilegien verschlechtern die Beschäftigungschancen Älterer", sagt Heikaus.

Quelle: ntv.de