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Tenhagens Tipps Platzt die Immobilienblase?

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(Foto: imago/Ikon Images)

In den letzten Jahren kannten die Preise für Wohnungen und Häuser nur eine Richtung. Doch die Unwetterwarnungen für den Immobilienmarkt nehmen zu. Sollte man also nun seine Finger vom Betongold lassen? Finanztip-Chef Tenhagen weiß, was es zu beachten gilt.

n-tv.de: Trotz zunehmender Warnungen: Gibt es denn überhaupt eine Immobilienblase?

Hermann-Josef Tenhagen: Was es gibt, ist, dass die Preise für Immobilien, wenn man sie denn kauft, deutlich stärker gestiegen sind als die Mieten. Wer jetzt kaufen möchte, kann die Immobilie deshalb häufig nicht über Mieteinnahmen refinanzieren und muss darauf setzen, dass die Preise weiter steigen. Die Bundesregierung will die Möglichkeit für Mietpreisbremsen bis 2025 verlängern. Das oder der diskutierte Mietendeckel macht die Sache in vielen Fällen nicht einfacher.

Beispielsweise sind in Berlin die Mieten im Schnitt seit 2010 um 50 Prozent gestiegen. Der Kaufpreis aber um 110 Prozent. Viel schneller steigende Immobilienpreise gibt es auch anderswo. Egal ob in Dresden, Hamburg oder Dortmund.

Ab wann ist denn die Immobilie zu teuer?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Als Geldanlage - also zum Vermieten - würde ich nicht mehr als die Netto-Kaltmieten für 25 Jahre bezahlen. Anders sieht die Sache aus, wenn es sich um die Wunschimmobilie handelt, die ich selber bewohnen möchte, und ich auch noch über das nötige Kleingeld verfüge.

Gibt es denn in absehbarer Zeit den großen Knall am Immobilienmarkt?

Dass die Preise in den nächsten Jahren signifikant fallen, sehe ich derzeit nicht. Eher, dass die Zinsen dann doch irgendwann wieder steigen. Was dann bei Leuten, die ihre Finanzierung genau durchrechnen müssen, dazu führen kann, dass dann doch nicht mehr ganz so viel für die Wohnung bezahlt werden kann. Mit anderen Worten, die Zahl der potentiellen Käufer für teure Wohnungen wird kleiner. Menschen, die spekulieren oder ihr Geld aus irgendwelchen Staaten hier versuchen in Sicherheit zu bringen und nicht entsprechend kontrolliert werden, für die gilt das natürlich nicht.

Das sind dann aber eher mittelfristige Entwicklungen?

Genau. Meiner Meinung nach werden die Preise in den nächsten ein, zwei, drei Jahren nicht um 20 Prozent fallen, wie das mancherorts prognostiziert wird.

So oder so, es dürfte aber keine schlechte Zeit sein, um seine Immobilie zu verkaufen, oder?

Ja, das ist bestimmt keine schlechte Idee. Allerdings nur dann, wenn man auch eine Idee hat, was man mit dem Geld machen möchte. Ansonsten nicht. Der Immobilienkauf lebt von der Langfristigkeit.

Was spricht denn noch dafür, eine Immobilie zu kaufen?

Es gibt zwei Kernargumente: 1. Es handelt sich um den Balkon meiner Träume und ich habe das Geld, und 2.: Ich bekomme noch eine vergleichsweise günstige Immobilie mit Zukunftsperspektive. Für Berlin bedeutet das zum Beispiel dann Eberswalde (Brandenburg) oder Frankfurt/Oder (auch Brandenburg). Hiervon ist die Hauptstadt mit dem Regionalexpress in einer halben bis dreiviertel Stunde zu erreichen. Man sollte dann aber schon ein vernünftiges Grundstück haben und nicht allzu weit vom Bahnhof wohnen. Außerdem sollte auch ein relevanter Mietmarkt vorhanden sein. Beispielsweise durch die Anwesenheit einer Fachhochschule oder Hochschule. Das erhöht die Sicherheit, dass es auch in Zukunft eine entsprechend gute Verkehrsanbindung gibt.

Und was spricht dagegen?

Wer das Geld nicht hat, braucht sich darüber keine Gedanken zu machen. Und es besteht natürlich auch ein Klumpenrisiko, wenn der Großteil des Ersparten in eine Anlageform fließt. Wenn sich die Preise dann negativ entwickeln, sind die heutigen Käufer Neese. Zumindest wenn sie spekuliert haben.

Wie hoch darf die monatliche Belastung maximal sein?

Ich muss mir mein Haushaltsbudget anschauen. Die meisten reden hier von 30 Prozent. Wenn jemand sehr viel Geld verdient, kann er aber natürlich auch mehr Geld ausgegeben. Für Menschen die nur über ein sehr geringes Einkommen verfügen, beziehungsweise auch kein Vermögen besitzen, erübrigt sich die Sache ohnehin. Hier gehen meist schon mehr als 30 Prozent des Einkommens für die Miete drauf.

Als Student habe ich jedenfalls regelmäßig mehr ausgeben müssen. Und das schon im letzten Jahrhundert! Dem Vernehmen nach soll die Sache bei Studierenden der Jetztzeit nicht besser geworden sein.

Mit Herman-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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