Ratgeber

Verkauf von Lebensversicherungen Raus aus den Policen?

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Verbraucherschützer zeigen sich anlässlich der Verkäufe von Lebensversicherungen besorgt.

imago/Christian Ohde

Lebensversicherungen gelten schon seit Jahren nicht mehr uneingeschränkt als sicher und sinnvoll - erst in dieser Woche warnte ein langjähriger Versicherungsmanager gar vor einem "Crash" der Lebensversicherungen. Verbraucherschützer bleiben vorerst ruhig.

"Raus aus den Policen!", empfahl Ex-Lebensversicherungsmanager Sven Enger im Magazin "Stern". Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft widerspricht vehement: Die deutschen Lebensversicherer könnten nicht nur heute, sondern auch in Zukunft alle Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden erfüllen.

Doch längst wird in der Branche diskutiert, Versicherungsbestände an Abwicklungsfirmen zu verkaufen und sich somit teurer Altverpflichtungen entledigen. Solche Abwicklungsfirmen führen die Verträge weiter - Verbraucherschützer befürchten jedoch eine Schlechterstellung der Versicherten.

Welche Versicherungen planen einen Verkauf?

Die größte Versicherung, die einen solchen sogenannten Run-Off in Betracht zieht, ist der italienische Konzern Generali: Er stellt das Neugeschäft der Generali Leben AG ein und erwägt den Verkauf der Lebensversicherungsverträge.

Auch die Ergo stellt das Neugeschäft von Ergo Leben und Ergo Pensionskasse ein, die Verträge der beiden Gesellschaften sollen aber erst einmal nicht verkauft werden. Medienberichten zufolge erwägt auch die Axa den Verkauf zahlreicher Lebensversicherungsverträge.

Verschiedene Abwicklungsplattformen verwalten heute schon mehr als eine Million solcher Verträge: Die Frankfurter-Leben-Gruppe verwaltet etwa rund 420.000 Verträge, die zuvor bei den Basler Versicherungen und der Arag angesiedelt waren.

Wie viele Versicherte sind betroffen?

Zusätzlich zu denen, deren Verträge bereits abgewickelt wurden, könnte es künftig mehrere Millionen Versicherte treffen: Bei Generali ist ein Verkauf von vier Millionen Verträgen möglich, Ergo Leben und Ergo Pensionskasse verwalten bislang sechs Millionen Verträge. Insgesamt gab es 2016 in Deutschland nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fast 90 Millionen Lebensversicherungsverträge.

Was sollen Versicherte tun?

Wehren können sich Betroffene gegen einen solchen Run-Off nicht. Erstmal heißt es ohnehin abwarten, raten Verbraucherschützer. Grundsätzlich könne an Garantien nicht gerüttelt werden. Die Verträge müssen also etwa mit dem gleichen Garantiezins zu Ende geführt werden, zu dem sie abgeschlossen wurden. Bei vor 20 Jahren abgeschlossenen Verträgen gab es zum Beispiel noch vier Prozent - im vergangenen Jahr lag der Garantiezins bei gerade einmal 0,9 Prozent.

Für manche Verbraucher mag die Nachricht eines möglichen Run-Offs bewirken, dass sie ihren vor Jahrzehnten abgeschlossenen Vertrag nochmal hervorkramen und überprüfen - und dabei feststellen, dass sie ihn ohnehin kündigen wollen, weil sie etwa Geld benötigen.

Es ist auch möglich, seinen Vertrag selbst auf dem Zweitmarkt zu verkaufen. "Der Vorteil für den Kunden ist, dass er direkt eine höhere Auszahlung bekommt und ein Rest-Todesfallschutz erhalten bleibt", erklärt Max Ahlers, Geschäftsführer der Policen-Direkt-Gruppe, die deutsche Lebensversicherungen ankauft. Der Markt dafür sei jedoch noch klein, da Versicherer ihren Kunden diese Möglichkeit in der Regel nicht aufzeigen würden.

Grundsätzlich sollte jeder, der Zweifel hat, sich unabhängig beraten lassen und dann entscheiden, was er mit seinem Vertrag macht, rät der Bund der Versicherten (BdV).

Wer kontrolliert die Aufkäufer?

Nach Bekanntwerden der Entscheidung von Generali befürchtete BdV-Chef Axel Kleinlein, Käufer der Verträge würde den Versicherten "möglichst viele Überschüsse" vorenthalten und "in die eigene Tasche" stecken. Die gesetzlich geregelte Überschussbeteiligung ist die laufende Verzinsung für klassische Lebens- und Rentenversicherungen. Anfang des Jahrtausends lag sie noch bei mehr als sieben Prozent, bis 2017 schrumpfte sie auf knapp 2,5 Prozent.

Dass die Unternehmen, die Bestände aufkaufen, genug Geld für die Leistungsverpflichtungen haben und keine unlauteren Ziele verfolgen, muss die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gewährleisten - dass das passiert, nimmt zumindest der GDV an. Verbraucherschützer zeigen sich dennoch besorgt. Für die Behörde sei schwierig, zusätzlich zu ihren aktuellen Aufgaben zu überwachen, ob die Abwicklungsfirmen "den Kunden so behandeln, wie er das verdient hat", sagt eine BdV-Sprecherin. "Wir hoffen, dass die Aufsichtsbehörde die Aufkäufer im Auge behält."

Quelle: n-tv.de, awi/AFP

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