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Einmalig, aber unentschuldigt Rechtfertigt Fehltag den Sofort-Rauswurf?

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Grundsätzlich müssen Arbeitnehmer dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit "unverzüglich" mitteilen. Sonst droht Ärger.

(Foto: imago/Ikon Images)

Wer unentschuldigt fehlt, muss mit Konsequenzen rechnen. Vor einer fristlosen Kündigung müssen Arbeitgeber in der Regel aber andere Schritte einleiten. Egal, wie lange das Arbeitsverhältnis besteht.

Fehlt ein Arbeitnehmer an einem Tag seines Arbeitsverhältnisses unentschuldigt, rechtfertigt das keine fristlose Kündigung. In der Regel sind erst eine Arbeitsaufforderung und eine Abmahnung erforderlich. Das gilt auch dann, wenn das Arbeitsverhältnis erst seit zwei Tagen besteht. Auf ein entsprechendes Urteil (Az.: 1 Sa 72/20) des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein in Kiel verweist der Bund-Verlag.

Die Arbeitnehmerin im verhandelten Fall befand sich in der Probezeit. Schon nach wenigen Tagen kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit einer 1-Wochen-Frist. Die Arbeitnehmerin fehlte nach Erhalt der Kündigung einen Tag unentschuldigt, für zwei weitere Fehltage legte sie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor. Der Arbeitgeber kündigte der Frau in der Zwischenzeit fristlos.

Ein einziger Fehltag rechtfertigt keine fristlose Kündigung

Laut Gericht sind beide Kündigungen unwirksam. Grundsätzlich gilt zwar, dass das Fernbleiben von der Arbeit, wenn es den Grad der beharrlichen Arbeitsverweigerung erreicht, einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung eines Arbeitsverhältnisses darstellt. Ein einziger Fehltag rechtfertigt aber keine fristlose Kündigung, wenn nicht zuvor eine Abmahnung ausgesprochen wurde.

Zudem war dem Urteil zufolge die vertragliche Vereinbarung über eine Kündigungsfrist von einer Woche in der Probezeit unwirksam. Nur die Tarifvertragsparteien können die Kündigungsfrist in der Probezeit verkürzen, eine Absprache für einen einzelnen Vertrag ist nicht gültig. Die Kündigungsfrist für das Arbeitsverhältnis beträgt entsprechend zwei Wochen.

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Grundsätzlich müssen Arbeitnehmer dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit "unverzüglich" mitteilen. Die Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung muss spätestens nach dem dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitgeber sein. Abgesehen davon darf der Arbeitgeber aktuell von der gesetzlichen Regelung abweichen und von Arbeitnehmern schon ab dem ersten Tag eine Bescheinigung verlangen oder im Arbeitsvertrag eine andere Frist festlegen. Hier muss sich der Arbeitnehmer erkundigen, was für ihn gilt.

Die Last der Einhaltung von Fristen soll für die erkrankten Arbeitnehmer zukünftig komplett entfallen, dank dem geplanten Anti-Bürokratie-Gesetz (BEG III). Stattdessen sendet der behandelnde Arzt zukünftig einen Datensatz an die Krankenkassen. Und die leitet die digitale Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung an den Arbeitgeber weiter.

Quelle: ntv.de, awi/dpa