Ratgeber
Die Auswahl schrumpft. Es gibt immer weniger Versicherer, die klassische Riester-Rentenverträge mit Garantiezins anbieten.
Die Auswahl schrumpft. Es gibt immer weniger Versicherer, die klassische Riester-Rentenverträge mit Garantiezins anbieten.(Foto: picture alliance / Jens Schieren)
Mittwoch, 03. Januar 2018

Kritik von Verbraucherschützern: Riestern ist häufig viel zu teuer

Die Riester-Rente soll die Lücke bei der gesetzlichen Rente stopfen. Doch die Kosten für klassische Rentenversicherungen oder fondsgebundene Modelle sind häufig zu hoch, kritisieren Verbraucherschützer. Vorbild könnte in Zukunft Schweden sein.

Die Kosten für die Riester-Rente fallen aus Sicht von Verbraucherschützern in den meisten Fällen zu umfangreich aus. Von wenigen Ausnahmen abgesehen würden Produkte angeboten, "die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen", kritisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Die Experten hatten insgesamt 18 Produkte - klassische Rentenversicherungen und fondsgebundene Modelle - mit unterschiedlichen Laufzeiten unter die Lupe genommen.

Video

Das Ergebnis: Die Effektivkosten - Wertminderung durch Kosten - waren in den meisten Fällen höher als Wert, der sich aus den Annahmen des Alterssicherungsberichts der Bundesregierung ergibt. Das geht aus einer Analyse des vzbv hervor. "Im Extremfall sind die Kosten um das Fünffache höher", hieß es darin. Günstiger waren je nach Laufzeit nur bis zu maximal zwei Angebote für das staatlich geförderte Zusatzplus im Alter. Die Verbraucherschützer werteten die Produktinformationsblätter verschiedener Anbieter aus.

Verzinsung der eingezahlten Beiträge

"Wir sind bei der Vielzahl der Produkte angesichts der Kosten weit davon entfernt, ausreichend Kapital für die private Absicherung neben der gesetzlichen aufzubauen", kritisierte die Leiterin des vzbv-Finanzmarktteams, Dorothea Mohn. Insbesondere wegen der Vertriebskosten sei es offenbar nicht möglich, kosteneffiziente Produkte anzubieten. Das Bundesarbeitsministerium wies darauf hin, dass es sich im Alterssicherungsbericht um modellhafte Berechnungen handele und nicht um Prognosen. Es gehe darum, "das Spektrum künftiger Veränderungen, die letztlich bei jedem Einzelfall individuell verschieden sind, auf wesentliche Erkenntnisse zu verdichten".

In dem Modell wird grundsätzlich von einer Verzinsung der eingezahlten Beiträge (Eigenbeiträge plus Zulagen) von 4,0 Prozent ausgegangen. Als Verwaltungskosten werden 10 Prozent der eingezahlten Beiträge angesetzt. Daraus leiteten die Verbraucherschützer die Effektivkosten ab und verglichen sie mit den Angaben in den Produktinformationsblättern. Verbraucherschützerin Mohn schlug vor, einen Vorsorgefonds einzuführen, der sich am schwedischen Modell orientiert und ohne eigene Gewinninteressen die Kapitalanlage organisiert.

In dem Land gibt es einen staatlich organisierten Aktienfonds und einen Rentenfonds für die private Altersvorsorge. Die Anlage der Gelder übernehmen nach Ausschreibungen private Investoren. Die Beschäftigten zahlen automatisch ein, es sei denn, sie widersprechen ausdrücklich. Dadurch ist der Aufwand für den Vertrieb geringer. "Die Kosten liegen daher insgesamt deutlich unter denen der Riester-Produkte", sagte Mohn.

Die Auswahl schrumpft

Die Stiftung Warentest gab jüngst nur zwei klassischen Riester-Rentenversicherungen beim Thema "Rentenzusagen und Kosten" die Note "gut" (HanseMerkur "Rietser Care" und Huk 24 "Riester-Rente"). Einschließlich weiterer Kriterien wie Anlageerfolg oder Flexibilität kam keines der neun getesteten Produkte über ein "befriedigend" hinaus (Finanztest 10/2017). Dennoch könne sich Riestern lohnen. "Hier gibt es staatliche Zulagen und Steuerersparnisse, die alleine schon für eine gewisse Rendite sorgen", argumentierten die Tester.

Das Problem: Die Auswahl schrumpft. Es gibt immer weniger Versicherer, die klassische Riester-Rentenverträge mit Garantiezins anbieten. Dabei sei dieses Modell ein Garant für eine planbare Altersvorsorge, wie Stiftung Warentest betonte. Vor fünf Jahren waren den Angaben zufolge noch 29 Riester-Klassiker im Test.

Quelle: n-tv.de