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Montag, 08. Mai 2017

Wer ist der Vater?: Samenspender ist dem Kind zu nennen

Nicht immer klappt die Fortpflanzung auf natürlichem Weg - dann kann manchmal eine Samenspende helfen. Der so gezeugte Nachwuchs hat Anspruch darauf, zu erfahren, wer der Spender ist. Auch wenn er noch minderjährig ist und Anonymität vereinbart wurde.

Wo komme ich her? Die Frage nach den leiblichen Eltern muss eindeutig beantwortet werden können. Dies ist ein Grundrecht von Menschen in Deutschland und vor allem dann von besonderen Interesse, wenn der Mensch per Samenspende gezeugt wurde. Dies hat der Bundesgerichtshof bereits 2015 entschieden.

Ist der Kinderwunsch besonders drängend, werden bisweilen aber Vereinbarungen getroffen, die es der Samenbank ermöglicht, die Identität des Spenders nicht nennen zu müssen. So auch in einem vor dem Amtsgericht (AG) Berlin-Wedding verhandelten Fall (Az.: 13 C 259/16).

Hier hatten die Eltern eines im Jahre 2008 per Samenspende gezeugten Kindes per notarieller Vereinbarung zuvor gegenüber dem natürlichen Vater und dem behandelnden Arzt darauf verzichtet, dass ihnen die Identität des Spenders preisgegeben wird. Jahre später überlegten sie es sich aber anders und erhoben im eigenen Namenund als gesetzliche Vertreter des Kindes Klage gegen die Samenbank, um alle relevanten Daten wie Namen, Geburtsdatum, Personalausweisnummer und Anschrift zum Zeitpunkt der Samenspende zu erfahren.   

Das AG Wedding wies das Anliegen der Eltern ob der notariellen Vereinbarung ab, nicht jedoch die hilfsweise erhobene Klage des Kindes in eigenem Namen. Demnach besteht eine Sonderverbindung zwischen dem Kind und der beklagten Samenbank, aus welcher sich der Auskunftsanspruch ableitet. 

Außerdem sei davon auszugehen, dass ein Kind ein konkretes Bedürfnis hat, Informationen über die Identität des Spenders zu erhalten - und dafür ist kein Mindestalter erforderlich. Vielmehr könnten die Eltern im Rahmen ihres Elternrechts in eigener Verantwortung entscheiden, wann und unter welchen Umständen sie das Kind von seiner Herkunft in Kenntnis setzen möchten, befand das Gericht.

Ferner überwiegt das verfassungsrechtlich geschützte Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung den Interessen der Samenbank und des Spenders. 

Quelle: n-tv.de

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