Ratgeber
Donnerstag, 23. April 2009

Eine Wissenschaft für sich: Schuheputzen kann man lernen

Von außen sieht das Stammhaus von Ed Meier in München aus wie ein gehobener Schuhladen. Wer eintritt, merkt aber schnell: hinter dem Schaufenster verbirgt sich eine andere Welt - gediegene Upperclass, eine Atmosphäre zwischen bayerischer Tradition und britischem Landadel. Das älteste Schuhhaus Deutschlands war seit 1895 Hoflieferant und auch heute findet man hier nur Hochkarätiges: Rahmengenähte Klassiker wie Oxfords, Budapester, Fullbrogues oder Halfbrogues, Blucher, Monks oder Loafer.

Eduard Meier, führt das Familienunternehmen mit viel Herzblut in der 13. Generation. Gute Pflege der Schuhe ist für ihn Ehrensache, schon aus Respekt vor dem Tier, das seine Haut hergibt. "Allerdings haben wir festgestellt, dass die Kenntnis, wie man mit guten Schuhen umgeht, nicht mehr vom Vater auf den Sohn übergeht", sagt Meier. Wissen, das man nicht von zu Hause mitbekommen hat, kann man in Ed Meiers Schuhpflegekurs nachholen.

Schuhe mit Tiefe

Özgür Kara will das ausprobieren. Der Tischlermeister für Maßmöbel möchte seinen ersten "Ed Meiers" die Pflege zukommen lassen, die ihnen gebührt. "Bei solchen Schuhen möchte ich mir vom Fachmann zeigen lassen, wie man Leder veredelt und Tiefe verleiht." Der Fachmann ist Patrick Zwölfer aus dem Stammhaus. Er verteilt die Utensilien am Arbeitstisch: Einen nagelneuen Übungsschuh und ein Putzsäckchen für jeden Kursteilnehmer. Das Lernziel ist hochgesteckt: "Es geht nicht nur um die Reinigung eines Schuhs, sondern um Königsdisziplin im Schuheputzen: die Hochglanzpolitur", erklärt Zwölfer.

Bei einem richtig polierten Schuh hat man das Gefühl, wie durch eine Glasschicht zwei oder drei Zentimeter tief ins Leder zu blicken. Am Anfang lehrt der Meister Ed Meier persönlich. Er weist die Lernwilligen in das Grundsätzliche ein, in die Geheimnisse seiner Zunft und den Aufbau eines werthaltigen Schuhs. Dann geht's ans Praktische. Herr Zwölfer legt los und erklärt erstmal die richtige Lappenhaltung. Wenn der Lappen um Zeige- Mittel- und Ringfingergewickelt ist, folgt der nächste Schritt: Eincremen mit EM2, einem Terpentinhartwachs. Satt auftragen, in mehreren Schichten, mit Hingabe und sanftem Druck. Idealerweise ist der Schuh dabei ohne Schnürsenkel auf einen Spanner aufgezogen.

Vollbad gegen Salz

Wenn das teure Stück im Winter Salzränder abgekriegt hat, muss man allerdings Vorarbeit leisten, erklärt Patrick Zwölfer und taucht den versalzenen Vorführschuh in einen Bottich mit klarem Wasser. Ungläubiges Erstaunen bei den Schuhputzern, aber Zwölfer meint: "Den Schuh zu richtig zu waschen ist die einzige Chance gegen Salz."

Auch die Kursteilnehmer arbeiten jetzt mit Wasser, allerdings sehr viel sparsamer. Es geht an die Königsdisziplin: Die Hochglanzpolitur. Tropfenweise wird das Wasser aufgetragen und im Wechsel mit dünnen Schichten EM2 sanft eingerieben. Der Glanz kommt dann von allein - wenn man es richtig macht. Özgür Kara muss noch zu Hause weiterüben: "Zu fest gerieben", stellt er fest, als er seinen Schuh mit dem hochglänzenden Musterexemplar vergleicht.

Dafür lernt er zum Schluss noch, wie er eventuelle Kratzer aus seinen Edelschuhen entfernen kann. Bei wertvollen Patienten ist eben nichts unmöglich. Ein letztes Streicheln, ein letzter sanfter Bürstenstrich und dann das Fazit. Alles in allem waren die Teilnehmer zufrieden: viel Input für 95 Euro.

Quelle: n-tv.de