Ratgeber

Bootsurlaub unkompliziert So werden Sie zum Freizeitkapitän

In der Marina am Hafendorf Müritz liegen die Hausboote im Wasser. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild

Ein Sportbootführerschein muss gar nicht unbedingt sein.

(Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild)

Es muss ja nicht gleich ein eigenes Schiff sein: Wer im Urlaub mal Kapitän sein möchte, kommt ziemlich unkompliziert an diese Chance - mit einem gemieteten Boot und oft sogar ohne Bootsführerschein.

Leinen los und ablegen: Mit Corona-Verspätung hat die Urlaubssaison 2021 auf dem Wasser begonnen, unter Segeln und mit Motorkraft. "Von null auf hundert" sei es in den Marinas und Jachthäfen losgegangen, sagt Detlev Marz, Erster stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Charterboot in Rechlin an der Müritz.

Der Drang zum Wasser sei jetzt besonders groß, sagt Marz: "Man schaut sich ja nach anderen Urlaubsformen um, wenn man nicht in ferne Länder reisen kann." Urlaub auf und mit einem Boot ist dabei keineswegs nur etwas für Reiche, die sich ihre eigene Jacht leisten können. Sportboote lassen sich an vielen Flüssen und Seen auch mieten - und zwar relativ unkompliziert, wenn man ein paar Grundregeln kennt.

Es gibt zwar einige regionale Abweichungen, aber grundsätzlich darf in Deutschland jeder über 16-Jährige ein Motorboot mit höchstens 15 PS Motorleistung fahren. Das sind im Regelfall kleine Boote. Längere Touren damit sind zwar nicht unmöglich, praktisch aber eher unbequem.

Führerscheine für Binnengewässer und die See

Wer ein größeres Boot fahren möchte, auf dem auch eine mehrköpfige Familie wirklich Spaß haben kann, braucht dafür grundsätzlich - aber nicht immer - den Sportbootführerschein Binnen. Bis zu 20 Meter darf das Boot dann lang sein, auf dem Rhein bis zu 15 Meter. Es gibt für die Prüfungsvorbereitung Schulen, die man ähnlich wie für den Autoführerschein besuchen kann, sowie Online-Angebote, mit denen sich der theoretische Teil sehr kostengünstig bewältigen lässt.

Wer auf der Elbe ab Hamburg in Richtung Nordsee oder auf der Ostsee unterwegs sein will, braucht hingegen den Sportbootführerschein See, für den man in der Lage sein muss, mit Kursdreieck und Zirkel einen Kurs zu berechnen. Das hört sich schlimmer an, als es wirklich ist.

Charterbescheinigung reicht vielerorts aus

Doch ein Sportbootführerschein muss gar nicht unbedingt sein. Denn auf etwa 700 Kilometern der deutschen Binnengewässer darf man auch nach einer dreistündigen Einweisung mit der sogenannten Charterbescheinigung als Führerscheinersatz lostuckern.

Dies gilt praktischerweise für das Zentrum des Wasserurlaubs in Deutschland: In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg kommt man auf weiten Teilen von Müritz, Havel, Spree und Elde ohne Führerschein gut herum. Wer sich an die Regeln hält, vor allem an die Betonnung und andere Seezeichen, kann auch als Neuling ohne Angst unterwegs sein.

Interesse an privaten Booten nimmt zu

Etwa 450.000 Boote, die Hälfte davon Segelboote, gibt es laut einer Schätzung des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW) derzeit in Deutschland. "Und die Zahlen nehmen stark zu. Insbesondere der Einsteigerbereich mit kleineren Booten ist sehr stark", sagt BVWW-Geschäftsführer Karsten Stahlhut. Bootsverkäufe liefen derzeit "hervorragend". Das Problem sei der Nachschub, weil etwa Lieferketten für Motoren und andere Teile aus Asien unterbrochen seien. "Wir haben mittlerweile Werften mit einer Vorlaufzeit von zwei Jahren."

"Der Trend nimmt nach wie vor zu", sagt auch Detlev Marz vom Arbeitskreis Charterboot. Und natürlich hoffe die Branche, dass der Bootsurlaub vor allem in Deutschland stattfinde.

Alternativen im Ausland

Doch auch andere Länder haben schöne Gewässer. In Frankreich zum Beispiel locken viele Kanäle und Flüsse. Der Canal du Midi im Süden des Landes gilt als eine Spitzendestination dafür, aber auch im Elsass, in Burgund, auf Garonne, Marne und Seine sind jedes Jahr mehr als 15.000 Bootsurlauber, darunter viele Deutsche, auf dem Wasser.

Auch die Niederlande sind mit Kanälen voller Brücken und Schleusen gesegnet. In Großbritannien lassen sich vor allem die sehr langen und schmalen Narrowboats mieten, die sehr viel geräumiger und manövrierfähiger sind als sie auf den ersten Blick aussehen.

Auf die Größe kommt es an

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Worauf sollte man beim Mieten achten? Natürlich auf den Preis, der aber je nach Boot und vor allem je nach Saison variiert. Es gibt häufig für Frühbucher alle möglichen Rabatte. "Der häufigste Fehler ist die Wahl eines zu kleinen Bootes", ist die Erfahrung von Marz. Vermieter geben gerne die theoretisch maximale Zahl von Schlafplätzen an Bord an - dann aber wird es sehr schnell sehr eng. Deswegen lohnt ein Blick auf den Grundriss und die Kajütenaufteilung eines Bootes.

Hilfreich sind Boote mit einem Bugstrahlruder: Dieses erleichtert das Drehen des Bootes deutlich und ist sehr nützlich beim Anlegen. Auch ein Landanschluss für die Stromversorgung an Liegeplätzen ist gut. Schließlich sollten Bootsmieter auf einen offenen, meist zusätzlichen Steuerstand im Freien und genug Platz auf dem Deck zum Sitzen oder Liegen achten. Dann muss nur noch das Wetter halbwegs gut sein.

Quelle: ntv.de, Dieter Ebeling, dpa

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