Zinsen für Festgeld steigenSpareinlagen über EZB-Leitzins, aber meist unterhalb der Inflation

In diesem Monat steht erneut ein EZB-Zinsentscheid an. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Währungshüter die Leitzinsen erhöhen. Was sich schon jetzt bei den Zinsen fürs Festgeld zeigt.
Parken Banken und Sparkassen Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB), erhalten sie derzeit dafür noch 2,25 Prozent Zinsen. Auch die Zinsen für festverzinsliche Sparanlagen für Verbraucher sind seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich gestiegen. Bundesweit verfügbare Angebote mit zwei Jahren Laufzeit bringen im Schnitt aktuell 2,53 Prozent. Das entspricht einem Zinsanstieg um 0,46 Prozentpunkte seit Kriegsbeginn.
Die Zinsen kurzfristiger Anlagen mit einem Jahr und längerfristiger mit zehn Jahren Laufzeit sind ähnlich stark angestiegen. Über alle Laufzeiten liegen die durchschnittlichen Festgeldzinsen mittlerweile deutlich oberhalb des aktuellen Einlagezinssatzes der Europäischen Zentralbank (EZB). Das zeigt eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox. Langfristige Festgeldanlagen mit zehn Jahren Laufzeit verzeichneten einen Zinsanstieg von 2,51 auf 2,94 Prozent, was ebenfalls einem Plus von 0,43 Prozentpunkten entspricht.
Das bedeutet, dass die Banken Festgeldanlegern im Schnitt höhere Zinsen bieten, als sie selbst einstreichen, wenn sie Spargelder ihrer Kunden bei der EZB parken. Das gab es zuletzt unmittelbar nach dem Ende der Nullzins-Ära im zweiten Halbjahr 2022.
Die Zinsen für festverzinsliche Spareinlagen orientieren sich aber nicht nur an der Geldpolitik der Notenbank. Sie werden darüber hinaus stark von den Zinsen am Kapitalmarkt beeinflusst, die unmittelbar nach Ausbruch des Iran-Kriegs ebenfalls einen Sprung nach oben gemacht haben und seitdem weiter gestiegen sind. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe etwa hat im August mit zwischenzeitlich bis zu 3,26 Prozent den höchsten Stand seit gut 15 Jahren erklommen. Auch die Zinssätze im Interbankenmarkt – also die Zinsen, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen – sind deutlich gestiegen: So kletterte der Zwölfmonats-Euribor seit Anfang März von 2,23 auf 2,99 Prozent (Stand: 25. August).
Darüber hinaus begünstigt auch die Entwicklung der Verbraucherpreise höhere Zinsen. Dadurch ist die Inflation im Euroraum deutlich über die angestrebte Marke von gut 2 Prozent geklettert. In Deutschland lag die Teuerungsrate im August bei 2,9 Prozent.
Zinserhöhungen im September erwartet
"Die hohe Inflation setzt die Währungshüter unter Zugzwang. Nach dem bereits erfolgten Zinsschritt im Juni rechnen viele Marktteilnehmer damit, dass die EZB die Leitzinsen im September erneut anheben wird. Das preisen die Banken in ihren Festgeldkonditionen bereits ein", erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.
Wichtiger als der nominelle Zinssatz ist für Sparer aber der Realzins - also die tatsächliche Wertentwicklung ihrer Anlagen unter Berücksichtigung der inflationsbedingten Teuerung. Bei der aktuellen Inflationsrate von aktuell 2,9 Prozent in Deutschland bringen durchschnittliche Festgelder unabhängig von der Laufzeit aber meist eine negative Realrendite.
Im Gegensatz zum Festgeld sind die Zinsen beim Tagesgeld in der Breite des Marktes in den letzten Monaten nur leicht gestiegen. Die durchschnittlichen Bestandskundenzinsen bundesweit verfügbarer Angebote liegen aktuell bei 1,39 Prozent und damit lediglich 0,09 Prozentpunkte über ihrem Niveau von Anfang März.
Die Sparkassen zahlen durchschnittlich 0,42 Prozent aufs Tagesgeld. Bei den regionalen Genossenschaftsbanken, also insbesondere den örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken, liegen die Zinsen bei 0,48 Prozent. Bei den Sparkassen ging es damit seit März um 0,05 Prozentpunkte nach oben und bei den Genossenschaftsbanken um 0,06 Prozentpunkte.
4,25 Prozent sind drin - vorübergehend
Wer Angebote vergleicht, kann sich aber deutlich höhere Zinsen sichern. Während sich die durchschnittlichen Bestandskundenzinsen nur langsam von der Stelle bewegen, läuft die Zins-Rally bei den Neukundenangeboten mit befristeten Sonderkonditionen weiter auf Hochtouren.
Den marktweit höchsten Tagesgeldzins bietet mit 4,25 Prozent derzeit die Digitalbank Revolut. Der hohe Aktionszins wird bis zu 4 Monate lang gewährt, das Angebot ist allerdings an mehrere Bedingungen geknüpft: Um es in Anspruch nehmen zu können, müssen neue Kunden zusätzlich zum Tagesgeld auch ein Revolut-Girokonto abschließen und die zugehörige Karte regelmäßig nutzen. Zudem ist der hohe Aktionszins auf Guthaben bis maximal 25.000 Euro beschränkt.
Weniger Bedingungen gibt es bei dem Neukundenangebot von Chase, dem deutschen Ableger der amerikanischen Großbank J.P. Morgan. Hier bekommen Neukunden vier Monate lang 4 Prozent Zinsen. Das ist aktuell der zweithöchste Zins im Markt und er wird auch für höhere Guthaben bis zu 1 Million Euro gewährt. Bei Chase benötigen Sparer kein zusätzliches Girokonto, um sich die hohen Zinsen zu sichern.
Sparer, die nicht regelmäßig wechseln wollen, achten beim Zinsvergleich am besten auf gute Standardkonditionen.