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Anteil über 50 Prozent Staat größter Preistreiber beim Strom

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Strom wird bei der Höhe der Mehrwertsteuer immer noch nicht als lebensnotwendiges Gut eingestuft.

(Foto: imago images/McPHOTO)

Dass die Preise unaufhörlich steigen, hat sich herumgesprochen. Auch, dass ein Anbieterwechsel sparen hilft. Doch wenn es um sinkende Energiekosten geht, führt am Staat kein Weg vorbei. Denn staatliche Abgaben machen einen Großteil des Strompreises aus.

Nirgendwo sonst auf dem Globus muss so viel Geld für die Energieversorgung berappt werden wie hierzulande. Verbraucher können mit einem Stromanbieterwechsel etwas gegensteuern. Immerhin sollen sich derart satte 1,2 Milliarden Euro sparen lassen. Abgesehen davon, treiben die saftig gestiegenen Energiekosten auch die Inflation.

So wundert es nicht, dass Politiker jeglicher Couleur sich für sinkende Strompreise starkmachen. Gerne unerwähnt bleibt aber, dass der deutsche Staat der größte Preistreiber ist und bleibt, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt.

Staatliche Abgaben machen Großteil des Strompreises aus

Demnach zahlen private Haushalte über 20 Milliarden Euro für Steuern, Abgaben und Umlagen auf Strom. Das entspricht einer Abgabenquote von 53 Prozent. Damit ist der Staatsanteil seit 2006 um 13 Prozentpunkte angestiegen. 2021 werden sich die privaten Stromkosten auf rund 38,6 Milliarden Euro belaufen. Geschätzt 9,3 Milliarden Euro (24 Prozent) entfallen dabei auf die Netznutzung, 8,8 Milliarden Euro (23 Prozent) bleiben den Stromversorgern für Beschaffung, Marge und Vertrieb. Die restlichen 20,5 Milliarden Euro machen staatlich veranlasste Preisbestandteile aus. 2006 lag dieser Kostenblock noch bei 40 Prozent, 2011 bei 46 Prozent und seit 2014 über der 50-Prozent-Marke.

Acht verschiedene Steuern und Umlagen lasten derzeit auf Strom. Als da wären: Mehrwertsteuer, EEG-Umlage, Konzessionsabgabe, Stromsteuer, KWKG-Umlage, Paragraf 19-NEV-Umlage, Offshore-Netzumlage und die Umlage für abschaltbare Lasten. Damit ist Elektrizität eines der am stärksten besteuerten Güter in Deutschland, so Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Beispiel EEG-Umlage

Für die Ökostromumlage, mit der der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert wird, werden aktuell 6,5 Cent je Kilowattstunde fällig. Für eine dreiköpfige Familie bedeutet das bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden eine jährliche Belastung von 309 Euro brutto.

Beispiel Mehrwertsteuer

Die Mehrwertsteuer macht mit einem Anteil von 16 Prozent (19 Prozent auf den Nettopreis) einen wesentlichen Posten auf der Stromrechnung aus. Aus Verbrauchersicht besonders Übel, wird die auch auf sämtliche Umlagen und Abgaben aufgeschlagen - und Strom damit de facto doppelt besteuert. Eine dreiköpfige Familie (Stromverbrauch 4000 Kilowattstunden) wird so mit 194 Euro pro Jahr zur Kasse gebeten. Würde Strom als lebensnotwendiges Gut eingestuft und damit unter den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent fallen, entspräche das immerhin im genannten Beispiel einer jährlichen Entlastung von 123 Euro.

Beispiel Stromsteuer

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Die Stromsteuer für private Verbraucher macht mit 2,05 Cent je Kilowattstunde rund 7 Prozent der Stromrechnung aus. Für einen Dreipersonenhaushalt entstehen Kosten von 98 Euro brutto pro Jahr. Auf nationaler Ebene kann die Stromsteuer aufgrund von EU-Regeln zwar nicht gänzlich abgeschafft werden. Die Europäische Union sieht einen Mindestsatz von 1 Cent/kWh für die Stromsteuer vor. Eine entsprechende Senkung würde Haushalte mit dem genannten Verbrauch aber immer noch um 50 Euro brutto im Jahr entlasten.

Wie aber zudem auch die Stromversorger ihre Marge auf Kosten der Kunden optimieren, lesen Sie hier.

Quelle: ntv.de, awi

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