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Bereits nach einer Laufleistung von 3300 Kilometern wird auch ein Porsche nicht mehr als Neuwagen angesehen.
Bereits nach einer Laufleistung von 3300 Kilometern wird auch ein Porsche nicht mehr als Neuwagen angesehen.(Foto: dpa-tmn)
Montag, 25. Juni 2018

Schadensregulierung für Porsche: Wann wird der Neuwagen zum Gebrauchten?

Das Neuwagen bereits nach den ersten Kilometern beträchtlich an Wert verlieren, ist bekannt. Nach 15.000 Kilometern beträgt dieser bereits rund ein Viertel des Kaufpreises. Doch ab welcher Fahrleistung wird das Auto bei einem Unfall für die Versicherung zum Gebrauchtwagen?

Bereits wenn das neue Auto vom Hof des Händlers rollt, setzt der Wertverlust ein. Nach drei Jahren hat sich der Wert vieler Fahrzeuge bereits halbiert. Aber abgesehen davon, dass die meisten Wagen somit als Geldanlage ausscheiden, ist für Fahrzeughalter damit auch die Frage verbunden, ab wann der Neuwagen für die Versicherung im Falle eines Unfalls bei der Schadensregulierung zum Gebrauchten wird?

Genau mit dieser Frage musste sich das Oberlandesgericht (OLG) Hamm auseinandersetzen und befand, dass dass ein circa sechs Wochen zum Straßenverkehr zugelassenes Fahrzeug mit einer Laufleistung von etwa 3300 Kilometern nicht mehr als Neuwagen angesehen werden kann.

In dem verhandelten Fall waren ein Fiat Punto und ein Porsche Macan im Straßenverkehr aneindergeraten. Zwischen den Parteien stand dabei außer Frage, dass die Versicherung des Fiats zu 100 Prozent für den Unfallschaden aufzukommen hat. Der von der Klägerin für 92.400 Euro erworbene Porsche war knapp sechs Wochen zuvor erstmals zugelassen worden und hatte zum Unfallzeitpunkt eine Laufleistung von 3291 km. 

Streit um 12.000 Euro

Auf der Grundlage eines Schadensgutachtens regulierte die Versicherung des Schadensverursachers den Fahrzeugschaden ausgehend von einem - bezogen auf den Zeitpunkt des Unfalls - Netto-Wiederbeschaffungswert in Höhe von rund 80.000 Euro und einem Netto-Restwert in Höhe von circa 55.000 Euro mit einem Betrag von 25.000 Euro.

Der Porsche-Fahrer veräußerte das Unfallwagen zu dem im Gutachten ermittelten Netto-Restwert und erwarb einen neuen PKW gleichen Typs zu einem Kaufpreis von 92.800 Euro. Mit seiner Klage forderte er die Differenz zwischen dem von der Versicherung zugrunde gelegten Wiederbeschaffungswert und dem von ihr für den Unfallwagen ausgegebenen Kaufpreis von rund 12.000 Euro. Denn er war der Meinung, dass der Schadensersatzanspruch auf Neuwagenbasis hätte abgerechnet werden können. 

Das OLG befand, dass dem Kläger zu Recht die Schadensregulierung auf Neuwagenbasis versagt wurde. Denn nach höchstrichterlichen Rechtsprechung kommt nur dann ein Anspruch auf die verlangte Leistung in Betracht, wenn der Neuwagen nicht mehr als 1000 Kilometer Strecke zurückgelegt hat und die Erstzulassung nicht länger als einen Monat vergangen ist. Da beide Werte im Streitfall überschritten waren, habe der Kläger zu Recht nur die Mittel zur Beschaffung eines mit dem beschädigten Fahrzeug vergleichbaren unfallfreien Fahrzeugs erhalten, befand das Gericht.    

Quelle: n-tv.de