Ratgeber
Eigentümer sind dafür verantwortlich, dass ihr Wald erhalten bleibt.
Eigentümer sind dafür verantwortlich, dass ihr Wald erhalten bleibt.(Foto: imago)
Sonntag, 05. November 2017

Was zu beachten ist : Wenn der Wald ruft

Von Axel Witte

Gründe dafür, einen Wald zu betreten, gibt es einige: die gute Luft, die üppige Natur, die Ruhe, der Pilzbestand oder einfach nur, um therapeutisch einen Baum zu umarmen. Doch wie sieht es mit den Rechten und Pflichten für Besucher und Besitzer aus?

Ein Spaziergang durch den Wald kann heilen. Vom Stress, vom Großstadtlärm oder auch einfach nur von zu viel Mensch. Die eigene Existenz mit eingeschlossen. Denn Natur ist in der Lage, das Dasein zu relativieren und so für Ruhe unter der Schädeldecke zu sorgen. Gut, dass es in Deutschland so viel Wald gibt - 32 Prozent der Landfläche sind hierzulande derart bedeckt, was insgesamt 11,1 Millionen Hektar Wald entspricht. Pro Bundesbürger stehen 0,13 Hektar zur Verfügung. 44 Prozent der Waldfläche in Deutschland sind in Privatbesitz.

Was aber nicht weiter schlimm ist, denn ohne guten Grund darf dem gemeinen Bürger das Betreten des Waldes nicht untersagt werden und kein Zaun den Zugang versperren. Das regeln das Bundeswaldgesetz und die entsprechenden Landeswaldgesetze. Dieses Recht kann nur in Einzelfällen eingeschränkt werden, beispielsweise zum Schutz neuer Bestände oder aber auch, wenn das Naturschutzrecht die Anwesenheit menschlicher Besucher untersagt. Dies kann bei Naturschutzgebieten der Fall sein.

Bloß kein Feuer

Ansonsten gilt für erholungssuchende Besucher, dass sie, wie auch sonst im Leben, mit fremdem Eigentum pfleglich umzugehen haben und sich auch nicht am Eigentum anderer vergreifen dürfen. Wer sich also schon jetzt auf die Suche nach einem Weihnachtsbaum macht, sollte dies nicht im Wald tun. Es sei denn, es ist der eigene. Auch abgebrochene Äste und Zweige gehören dem Baumeigentümer und dürfen nicht einfach im heimischen Kamin landen. Pilzesammler brauchen sich hingegen keine Sorgen zu machen, zumindest solange für den Wald kein Betretungsverbot gilt und die Menge den Eigenbedarf nicht überschreitet. Auch das Stöckchen für den Hund oder der zum Schwert umfunktionierte Zweig für den Nachwuchs dürfte kaum für Ärger sorgen.      

Anders, als wenn jemand auf die Idee kommen sollte, zum Grillen in den Wald zu gehen. In Deutschland ist offenes Feuer wegen der Brandgefahr in Wäldern während des Sommers generell verboten - ausgenommen sind nur ausgewiesene Plätze. Wer das Verbot ignoriert und ein Feuer verursacht, zündelt mit seiner finanziellen Existenz. Denn geht der Brand auf grobe Fahrlässigkeit zurück, kann der Verursacher für den Löscheinsatz der Feuerwehr persönlich haftbar gemacht werden. Dies gilt auch, wenn im Wald geraucht wird.

Davon ausgehend, dass sich der Waldbesucher anständig benimmt, nun zu der Frage, inwieweit der Eigentümer in der Pflicht ist, seinen Grund und Boden für Fremde besonders sicher zu gestalten. Die Antwort lautet: Nein, dies ist nicht erforderlich. Er muss vielmehr vor allem den Erhalt aller wichtigen Waldfunktionen gewährleisten und hat damit bei der Gestaltung oder aber eben Nichtgestaltung weitestgehend freie Hand. Wer meint, seinen Wald in einen Fußball- oder Parkplatz verwandeln zu können, sollte sich dazu allerdings unbedingt eine Genehmigung bei der zuständigen Behörde besorgen. Und die dürfte schwer zu bekommen sein.   

Gutes tun verpflichtet

Vor typischen Gefahren und damit verbundenen Schäden, die von einem Wald für andere ausgehen können, braucht sich der Eigentümer zumindest nicht zu sorgen, denn für sie besteht keine Haftung. Stichwort umfallende Bäume, herabfallende Äste, unleidliche Wildschweine oder heimtückische Zecken. Der Waldbesitzer muss weder durch Schilder auf etwaige Gefahren aufmerksam machen noch den Bestand seiner Bäume auf Standhaftigkeit überprüfen. Wird fremder Wald betreten, geschieht dies immer auf eigene Gefahr. 

Es sei denn, der Eigentümer möchte seinen Gästen etwas Gutes tun und stellt deshalb beispielsweise eine Bank auf oder richtet sogar einen Trimm-dich-Pfad ein. Kommt es hier zu einem Unfall, kann die Verkehrssicherungspflicht des Waldbesitzers greifen, da es sich um eine Wald-atypische-Gefährdung handelt. Werden Bank oder Pfad nicht ausreichend auf ihre Stabilität und sonstige Sicherheit kontrolliert und gesichert, kann der Waldbesitzer haftbar gemacht werden. 

Gleiches gilt, wenn er selbst Hand an seinen Baumbestand legt und er damit für das Umfallen von Bäumen oder herabfallende Äste verantwortlich ist. Auch dann müsste er für daraus resultierende Schäden am Besucher geradestehen. Tobt hingegen ein Sturm durchs Land und sorgt für Verwüstung und Schaden, hat der Eigentümer meist nichts zu fürchten. 

Acht geben muss der Eigentümer aber dann, wenn sein Wald an Straßen, öffentlichen Wegen oder Eisenbahnlinien grenzt. Denn die Randbestände sollten dringend auf ihre Stabilität untersucht werden. Stürzt ein kranker, morscher oder beschädigter Baum auf die Fahrbahn, greift an dieser Stelle dann doch die Verkehrssicherungspflicht. Gleiches gilt im übrigen für Schädlingsbefall, der bei nicht sachgemäßer Beseitigung angrenzende Wälder heimsuchen könnte.    

Quelle: n-tv.de

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