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Mittwoch, 10. Januar 2018

Tenhagens Tipps: Wenn sich die BU-Police massiv verteuert

Eine bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht leicht zu ergattern. Umso ärgerlicher ist es, wenn sich der Kontrakt dann im Laufe der Zeit unerwartet deutlich verteuert. Wieso das so ist und was Versicherte dann tun können, erklärt Finanztip-Chef Tenhagen.

Eine bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht leicht zu ergattern. Umso ärgerlicher ist es, wenn sich der Kontrakt dann im Laufe der Zeit unerwartet deutlich verteuert. Wieso das so ist und was Versicherte dann tun können, erklärt Finanztip-Chef Tenhagen.

n-tv.de: Die WWK-Versicherungsgruppe erhöht die Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung drastisch. Was ist da los?

Hermann-Josef Tenhagen: Offenbar sind die bei der WWK zu der Ansicht gelangt, dass sie mit dem Geld, das sie bisher von ihren Kunden eingenommen haben, nicht auskommen. Wenn man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, muss ohnehin eine hohe Summe bezahlt werden. Hier sind 1000 oder 1500 Euro im Jahr keine Seltenheit. In den jungen Jahren des Versicherten wird aber ein Großteil der Summe zurückgelegt, damit dann, wenn die Leute älter werden und häufiger berufsunfähig werden, Geld zur Verfügung steht. Der durchschnittliche Arbeitnehmer, der heute berufsunfähig wird, ist nach Angaben der Versicherer 47 Jahre alt.

Okay, aber darf die WWK jetzt einfach mehr Geld verlangen?

Ja. Da gibt es sozusagen einen besonderen Trick. Normalerweise muss eine Versicherung, die bei einem laufenden Vertrag die Beiträge erhöhen möchte, durch diverse Verfahren diese Erhöhung begründen. Bei der BU-Versicherung sind die Anbieter aber dazu übergegangen, dass sie einen sogenannten Bruttopreis haben – dies ist der benötigte Preis den sie eigentlich mal ausgerechnet haben. Die Versicherer sagen ihren Kunden aber, dass sie ihnen einen günstigeren Nettobeitrag anbieten können, da sie die Beiträge gut anlegen und so Rücklagen bilden können, durch den die Belastungen stabil bleiben. Sie behalten sich aber in ihren Verträgen vor, auch den sogenannten Bruttopreis fordern zu können. Zum Beispiel für den Fall, dass das mit dem erfolgreichen Anlegen nicht so klappt. Dieser Bruttopreis liegt dann deutlich höher.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Wie groß ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettopreis?

Bei den wirklich guten Verträgen liegt der Bruttopreis, wenn der Nettopreis 1000 Euro ist, nicht höher als 1500 Euro. Bei der WWK ist die Differenz bei einigen Verträgen aber besonders ausgeprägt, hier liegt sie mitunter bei 1000 Euro und mehr. Aktuell hat die WWK bei einigen Versicherten bis auf 1400 Euro erhöht. Erlaubt ist so eine Erhöhung bis zum im Vertrag genannten Bruttopreis. Soll es noch darüber hinausgehen, wird es für die Versicherungen schwieriger. Dies muss dann via diverser Gutachten über eine besonders schlechte Lage gesondert begründet werden.

Machen das andere Konzerne auch so?

Im letzten Jahr haben wir bei Finanztip auch Erhöhungen bei der HanseMerkur gesehen. Im Prinzip steht dieser Weg aber allen Versicherern offen.

Betrifft dies auch andere Versicherungen?

Brutto- und Nettobeiträge gibt es auch bei Risikolebensversicherungen.

Können sich Kunden dagegen wehren?

Nein. Gegebenenfalls nur durch eine Kündigung. Aber wer so eine Erhöhung erhalten hat, sollte keinesfalls sofort kündigen. Erst muss geschaut werden, ob bei einem anderen Anbieter ein besserer Kontrakt überhaupt zu ergattern ist. Und erst wenn die neue Police unterschrieben ist, sollte der alte Vertrag gekündigt werden. Denn grundsätzlich ist es ohnehin schwierig, überhaupt eine BU-Versicherung zu bekommen. Sind die Leute nun auch noch ein paar Jahre älter und hat sich mittlerweile die eine oder andere Allergie eingeschlichen oder Freund oder Freundin sind weggelaufen und deshalb wurden ein paar Sitzungen beim Psychotherapeuten fällig, wird es sehr schwer, einen neuen Vertrag zu erhalten.

Natürlich kann der Kunde bei einer Erhöhung auch seine vertraglich zugesicherten Leistungen zurückschrauben, um so seinen Beitrag zu drücken. Was aber nur eine theoretische Option darstellen sollte. Denn schließlich wurde der Vertrag ja deshalb über eine bestimmte Höhe abgeschlossen, da man den Betrag "X" ja auch tatsächlich im Schadensfall braucht.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de