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Baugeld bleibt billig Wer jetzt ein Forward-Darlehen braucht

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Die paradiesischen Zustände für Baufinanzierer bleiben bis auf Weiteres erhalten und die Hypothekenzinsen niedrig.

Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Das gilt zumindest für alle, die eine Immobilie besitzen und eine Anschlussfinanzierung brauchen. Sie profitieren weiter von niedrigen Zinsen, sollten aber nichts dem Zufall überlassen.

Der Daueraufschwung in Deutschland geht zu Ende, die Weltwirtschaft schwächelt. Wirtschaftsinstitute, die etwas auf sich halten, korrigieren reihenweise ihre Konjunkturprognosen nach unten. Dazu passt auch die neue (alte) Linie der Europäischen Zentralbank (EZB): Nachdem es eine ganze Weile danach aussah, als würden die europäischen Währungshüter ihre Politik der Negativ- beziehungsweise Nullzinsen beenden, ist davon nun nicht mehr die Rede. Im Gegenteil. Vor 2020, so die klare Ansage, sind Zinsveränderungen erst einmal nicht zu erwarten. Entsprechend pendelt die Rendite der Bundesanleihe sich bereits seit Wochen bei plus minus null Prozent ein. Und das bedeutet auch: Die paradiesischen Zustände für Baufinanzierer bleiben bis auf Weiteres erhalten und die Hypothekenzinsen niedrig.

Auch Hausbesitzer, die in den kommenden 12 bis 18 Monaten eine Anschlussfinanzierung benötigen, können sich erst einmal entspannen. Für einen überstürzten Abschluss gibt es keinen Grund. Durchaus empfehlenswert ist es aber, den Zinsmarkt intensiv zu beobachten, um rechtzeitig auf etwaige Veränderungen reagieren zu können.

Entspannte Wachsamkeit

Ein wichtiger Indikator für anstehende Zinserhöhungen ist die Entwicklung der täglichen Rendite der Bundesanleihe. Seit vielen Jahren steigt sie immer einige Tage vor den Baugeldzinsen (siehe aktuelle Zinsentwicklung). So lange hier alles ruhig ist, können Kunden sich entspannt also zurücklehnen - zumindest, wenn sie auch für die Anschlussfinanzierung bei ihrer Ursprungsbank bleiben wollen. Das allerdings ist nicht immer die beste Variante.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Wer sich bei der Anschlussfinanzierung optimale Konditionen sichern will, sollte die Zeit bis zur Zinswende daher nutzen und sich auch bei anderen Banken, Versicherungen und Vermittlern Angebote besorgen. Der Grund: Eine fremde Bank führt stets auch eine neue Objektbewertung durch - zurzeit kommt sie damit zu einem wesentlich besseren Verhältnis von Kreditbetrag zu Objektwert als die Hausbank, die meist einfach die Bewertung bei Abschluss des Ursprungsdarlehens verwendet.

Allerdings hat ein Bankwechsel nicht nur Vorteile: Kreditnehmer, die 55 Jahre oder älter sind, müssen damit rechnen, dass die fremde Bank nicht nur das Objekt, sondern auch das langfristige Einkommen der Kreditnehmer neu bewertet. Wer keine besonders üppige Rente erwartet, aber auch im Ruhestand noch tilgen muss, sollte daher doch bei der Hausbank bleiben.

Forward-Darlehen für Vorsichtige

Hausbesitzer, die auf absehbare Zeit eine Anschlussfinanzierung benötigen, aber keine Zeit (oder keine Lust) haben, den Zinsmarkt konstant zu beobachten, können sich die aktuellen Konditionen auch jetzt schon festschreiben lassen - zu sagenhaften Konditionen.

In der Datenbank der FMH-Finanzberatung verzichten zehn Banken für die kommenden zwölf Monate auf einen Forward-Aufschlag, weitere zehn Anbieter verlangen maximal 0,12 Prozent.

Wer ein Forward-Darlehen mit 18 Monate Vorlaufzeit abschließen will, muss im Mittel allerdings 0,26 Prozentpunkte Aufschlag zahlen. Wenn man bedenkt, dass laut FMH-Index die Differenz zwischen dem höchsten und niedrigsten Zins im gesamten Jahr 2018 gerade einmal 0,25 Prozentpunkte betrug, könnte ein Forward-Abschluss für 18 Monate und länger vielleicht etwas verfrüht sein.

Vorsicht ist aber auch geboten, wenn eine Bank bei der Anschlussfinanzierung vollständig auf Bereitstellungszinsen verzichtet. Solche Verträge sind keine klassischen Forward-Darlehen: Die Zinsbindung beginnt hier mit dem Vertragsabschluss und nicht mit dem Ablösetag des Ursprungsdarlehens. Damit läuft die eigentliche Finanzierungszeit womöglich nur neun oder achteinhalb Jahre und nicht wie gewünscht und erwartet ein ganzes Jahrzehnt.

Risiken und Nebenwirkungen

Dennoch: Die aktuell extrem niedrigen Forward-Aufschläge führen dazu, dass sich ein solches Darlehen schon dann lohnt, wenn in den kommenden zwölf Monaten nur eine minimale Zinserhöhung von bis zu 0,12 Prozent stattfindet. Doch selbst wenn sich die Zinsen im kommenden Jahr überhaupt nicht verändern sollten, hielte sich der Schaden von Forward-Finanzierern in Grenzen. Wenn man für 200.000 Euro Darlehen 0,12 Prozentpunkte Aufschlag umsonst gezahlt hat, verliert man innerhalb von zehn Jahren 2000 Euro Das ist zwar ärgerlich, für Menschen, die schwache Nerven haben oder sich nicht ständig mit Finanzierungsfragen herumschlagen wollen, kann sich das Investment aber dennoch lohnen.

Wer auf der Suche nach den besten Forward-Darlehen ist, kann den Forward-Vergleich der FMH nutzen, der auch gleich eine überschlägige aktuelle Objektwertberechnung kostenlos integriert hat.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: n-tv.de

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