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Indexfonds in der Kritik Wie gefährlich sind ETF?

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(Foto: imago/Xinhua)

Indexfonds boomen. Denn sie gelten als bequem, rentabel und preiswert. Doch mit zunehmender Beliebtheit werden auch kritische Stimmen laut. Ein Vorwurf: ETF können Crashs verstärken. Finanztest ist dem nachgegangen.

Die Deutschen sind noch immer Börsenmuffel: Viele meinen, Aktien seien riskant und gehörten deshalb nur in die Hände von Spekulanten oder Profis. Eine Möglichkeit, um selbst an der Börse zu investieren, ohne aber schwierige und lästige Anlageentscheidungen treffen zu müssen, stellen Fonds dar. Aktiv gemanagte Produkte sind allerdings teuer und schlimmer noch, sie erwirtschaften meist über kurz oder lang auch nicht mehr Rendite als der jeweilige Index.

Mittlerweile investieren deshalb viele Privatanleger, die sich den Chancen des Aktienmarktes nicht verschließen möchten, gleich in güns­tige und bequeme Fonds, die meist einen Index nach­bilden. Was zur Folge hat, dass diese Exchange Traded Funds (ETF) boomen.

Trotz wachsender Beliebtheit liegt der ETF-Marktanteil noch unter 10 Prozent des gesamten Fondsvermögens in ­Europa. Doch mit der gesteigerten Nachfrage werden auch kritische Stimmen lauter, welche passive Indexfonds als Sicherheitsrisiko für die Märkte sehen. Finanztest ist dem nachgegangen und kann besorgte Anleger weitgehend beruhigen.

Wird dem Herdentrieb Vorschub geleistet?

Beispielsweise bei dem Vorwurf, ETF können dadurch Crashs verstärken, dass bei Börsenturbulenzen viele ETF-Anleger auf einmal ihre Anteile verkaufen würden und dadurch viele Aktien auf den Markt kämen, was die Kurse weiter einbrechen ließe. So ist "es ein Irrglaube, dass ETF Aktien kaufen, wenn die Kurse steigen, und Aktien verkaufen, wenn die Kurse fallen", stellt Arne Scheehl vom ETF-Anbieter Comstage gegenüber Finanztest klar­. "ETF kaufen nur Aktien, wenn Anleger neues Geld einzahlen, und verkaufen nur, wenn Anleger ihre Anteile zurück­geben." Halten sich Käufe und Verkäufe die Waage, wirkt sich das nicht auf die Kurse aus. Verkaufen mehr Anleger, als kaufen wollen, verstärkt sich ein eventueller Abwärts­trend an der Börse. Das ist allerdings nicht nur bei ETF, sondern auch bei gemanagten Fonds der Fall.

Damit, ob Indexfonds den Herdentrieb Vorschub leisten, haben sich unter anderem die Bundesbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) auseinandergesetzt. Erstere kommt zu dem Ergebnis, dass "überwiegend ­passiv ausgestalteten Anla­gestrategien prozyklisches Verhalten der Anleger" befördern könnten, und zwar sowohl bei starkem Kurs­verfall als auch bei Kurs­anstiegen. Der IWF hat hingegen keine Anzeichen dafür gefunden, dass ETF eine stärkere Wirkung auf Kurs­stürze haben als gemanagte Fonds. Und auch die deutsche Finanz­aufsicht Bafin konstatiert: "Wir haben derzeit keine eindeutigen Hinweise darauf, dass es durch ETF zu einer erhöhten Kurs­reaktion oder Preis­verzerrung bei Aktien­kursen gekommen ist."­

Auch dem Vorwurf, dass ETF die Preisfindung störe, sind die Tester nachgegangen. Richtig ist: Wenn niemand mehr aktiv handelt, gibt keine richtigen Kurse mehr, der Markt könnte nicht ­mehr richtig funktionieren­. "Die Wahr­scheinlich­keit, dass das passiert, ist null", sagt allerdings Eric Wiegand, ETF-Spezialist der Fonds­gesell­schaft DWS. Eine gewisse Auswirkung auf die Preise ist aber wohl nicht auszuschließen. Die Bank für Interna­tionalen Zahlungs­ausgleich (BIZ), die Noten­bank der Noten­banken, hat amerikanische Aktien untersucht. Sie hat fest­gestellt, dass sich die Aktien, nachdem sie in den Index S&P 500 aufgenommen wurden, ähnlicher entwickelten als zuvor. Allerdings müssen nicht ETF Ursache für das Phänomen sein. Auch aktiv gemanagte Fonds legen oft ein besonderes Augen­merk auf die Werte, die in einem Index stecken, und investieren hier verstärkt.

Abschließend ist Finanztest auch der Frage nachgegangen, ob ETF, welche die Aktien aus dem Index nicht kaufen, sondern ihn per Swap, also als Tausch­geschäft, abbilden, schlechter sind als ­physisch replizierende Fonds. Die Experten sehen hier in etwa Chancengleichheit bei den Vor- und Nachteilen. So sorgt bei Swap-ETF der Swap dafür, dass sich der ETF so wie der Index entwickelt. Das ist oft güns­tiger und genauer als der Direktkauf der Index­titel. Physisch replizierende Fonds kaufen zwar die Titel aus dem Index, verleihen aber einen Teil davon wieder - etwa an Hedgefonds, die damit auf fallende Kurse spekulieren. Das bringt zusätzliche Erträge. Swap- oder Leih­partner könnten wiederum ausfallen. Die Anbieter müssen diese Risiken aber absichern. Dazu gibt es Regeln der Aufsichts­behörden.   

Quelle: n-tv.de, awi

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