Ratgeber

Vorm Jahresendgespräch Zehn Tipps für die Gehaltsverhandlung

Feedback-Gespräche gehören in vielen Firmen zum festen Programm im Dezember. Meistens werden dabei auch die Gehälter fürs kommende Jahr ausgehandelt. Wie holt man am meisten raus?

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Wer gut vorbereitet antritt, holt in der Regel mehr heraus.

(Foto: imago/Westend61)

In der Zeit zwischen den Jahren kochen die meisten Firmen nur noch auf Sparflamme, manche machen ganz dicht. Doch bevor es in die Winterpause geht, wartet auf viele Mitarbeiter noch eine mehr oder weniger lästige Pflicht – und damit ist nicht die Weihnachtsfeier gemeint, sondern das Jahresendgespräch. So wie Kinder der Zeugnisausgabe nicht gerade gelassen entgegensehen, nimmt man auch die Leistungsbeurteilung durch die Vorgesetzten nicht auf die leichte Schulter. Zumal die Bewertung ja auch gewisse Folgen hat: Meist folgt dem Feedback eine Gehaltsanpassung. Das Vergleichsportal Gehalt.de hat einige Tipps für erfolgreiches Verhandeln.

1. Mit Fakten glänzen

Vorbereitung ist die halbe Miete. Hat man im ablaufenden Jahr überzeugende Leistungen abgeliefert, sollte man die auch dokumentieren und wenn möglich Zahlen nennen. Teils lassen sich die Erfolge direkt monetarisieren, etwa durch konkrete Umsätze oder Einsparungen. Doch auch in anderen Bereichen kann man mit Zahlen glänzen. Messbar sind beispielsweise eine weniger Arbeitsunfälle, geringere Fluktuationsquoten bei den unterstellten Mitarbeitern, niedrigere Reklamationsquoten oder höhere Kundenzufriedenheit.

2. Selbst Feedback geben

Meckern, Lamentieren oder Besserwisserei sind natürlich fehl am Platz. Wenn man strukturellen Verbesserungsbedarf sieht, kann man das aber auch konstruktiv anmerken. Die Gelegenheit ist günstig, schließlich soll das Evaluationsgespräch im Idealfall beiden Seiten nützen.

3. Mit Misserfolg umgehen

Eine Gehaltserhöhung wirkt motivierend. Wer mehr bekommt, will dem normalerweise auch gerecht werden. Manche Vorgesetzten sehen das ein bisschen anders: Unter dem Motto "erst die Anstrengung, dann das Geld" wird das Gehaltsextra für die Zukunft in Aussicht gestellt – oft unter der Bedingung, dass bis dahin ein bestimmtes Projekt beendet ist. Das erinnert ein bisschen an den Esel, dem man eine Möhre vorhält und stellt gewisse Ansprüche an die Frustrationstoleranz des Mitarbeiters. Der sollte zunächst natürlich professionell bleiben. Bleibt die versprochene Gehaltserhöhung aber aus, wird der Arbeitgeber deutlich an Vertrauen verlieren.

4. Den eigenen Marktwert kennen

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Die meisten Menschen reden nicht gern über Geld. Trotzdem kann man leicht herausfinden, welche Bezahlung angemessen ist.

Was verdienen andere auf ähnlichen Positionen? Was zahlt die Konkurrenz? Wer mit Vorgesetzten über Geld reden will, sollte diese Fragen vorher klären. Inzwischen gibt es diverse Portale, auf denen man sich online informieren kann. Manche werten dafür Stellenanzeigen aus, andere erheben die Daten direkt bei den Arbeitnehmern. Den eigenen Marktwert zu kennen, hilft nicht nur bei Verhandlungen über Gehaltserhöhungen, sondern auch bei anstehenden Bewerbungen.

5. Extras statt mehr Gehalt

Mehr Gehalt ist gerade partout nicht drin? Vielleicht bleibt wenigstens Spielraum für eine einmalige Zahlung. Wenn nicht, sollte man sich nicht scheuen, nach anderen Leistungen zu fragen. Fortbildungen könnten interessant sein, vielleicht aber auch ein Firmenparkplatz oder ein Homeoffice-Tag. Auch zusätzliche Urlaubstage sind kein Tabu.  "In diesem Punkt gibt es keine unangemessenen Fragen", so Gehalt.de.

6. Gehaltsverhandlung in der Probezeit

Während der Probezeit befinden sich beide Parteien in der Kennlernphase. Eine geglückte Einarbeitung ist zunächst das einzige Resultat, das man erwarten kann. Das heißt: Keine Gehaltsverhandlungen während der Probezeit.

7. Nie mit Jobwechsel drohen

Das Gespräch läuft nicht so, wie man sich das wünscht? Nicht schön, aber kein Grund, die beleidigte Leberwurst zu geben. Wer blindwütig mit einem Jobwechsel droht, schießt sich selbst ins Abseits. Was wenn es heißt "Gehen Sie doch?" Wenn die Situation unverändert unbefriedigend bleibt, ist ein Jobwechse natürlich naheliegend. Den bereitet man dann aber besser besonnen vor.  

8. Auf Körpersprache achten

Über die Körpersprache sendet jeder – gewollt oder nicht - Signale, die sich unmittelbar auswerten und nutzen lassen. Wer geübt ist, kann die Reaktionen des Gegenübers während der Gehaltsverhandlung deuten: Eine zurückgelehnte Position mit verschränkten Armen ist ein klares Abwehrsignal. Wer jetzt Forderungen stellt, sollte mit Widerstand rechnen. Umgekehrt ist es positiv, wenn sich der Gesprächspartner nach vorne beugt oder anfängt, Körperhaltungen zu kopieren.

9. Was geht gar nicht?

Kollegen anschwärzen, lästern oder persönliche Details von anderen Mitarbeitern preisgeben, um selbst in einem besseren Licht zu erscheinen? In diese Niederungen sollte man sich nicht herablassen. Wer mit Schlamm wirft, gibt kein gutes Bild ab. Firmen sind in aller Regel an einem guten Betriebsklima interessiert und wer über andere Mitarbeiter herzieht, disqualifiziert sich als guter Teamplayer.

10. Und wenn´s nicht klappt?

Bleibt die Gehaltverhandlung erfolglos, ist das natürlich unerfreulich. Aber man nimmt immer etwas mit. Erfahrungen sammeln, bedeutet Fehler identifizieren, daraus lernen und das nächste Mal besser machen. Irgendwann klappt’s dann doch!

Quelle: n-tv.de, ino