Ratgeber

Rath around the world Zwei Top-Hotels für anspruchsvolle Japan-Reisende

11.10.2026, 08:12 Uhr imageVon Carsten K. Rath
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Mitten im historischen Kyoto: Das Capella fügt sich mit niedriger Architektur zwischen Tempeldächern, Gärten und alten Stadtstrukturen harmonisch ins Bild.

Zwei Städte, zwei spektakuläre neue Luxushotels und zwei völlig unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie sich Japan heute erleben lässt: In Kyoto begegnet unser Autor jahrhundertealten Ritualen, in Osaka einer verblüffend modernen Interpretation von Gastlichkeit.

20.45 Uhr. Ich bin in meinem Zimmer im "Capella Kyoto" und möchte eigentlich meine Ruhe. Statt "Bitte nicht stören" drücke ich versehentlich den Housekeeping-Knopf. Drei Minuten später klopft es an der Tür. Eine Mitarbeiterin steht davor und fragt freundlich, welchen Service sie mir anbieten dürfe.

Ich brauche keinen. Aber ich habe gerade etwas bekommen, das sich kaum bestellen lässt: einen ziemlich perfekten Beweis dafür, wie aufmerksam dieses Hotel arbeitet.

Eine Schule für das alte Kyoto

Meine Erwartungen sind hoch. "Capella" kenne ich aus Bangkok, für mich eines der besten Hotels der Welt, geführt von John Blanco, einem wahren Hotelmagier. Nun hat die Gruppe ihr erstes Haus in Japan eröffnet - ausgerechnet in Kyoto, einer Stadt, in der jeder Versuch, japanische Kultur dekorativ zu inszenieren, schnell banal wirken könnte.

Das "Capella" liegt in Miyagawa-chō, einem der historischen Geiko- und Maiko-Viertel Kyotos. Auf dem Grundstück befand sich früher eine Grundschule. Heute stehen hier 89 Zimmer und Suiten in einer Architektur, die sich an der traditionellen Machiya orientiert.

Der Gedanke gefällt mir: Früher lernten hier Kinder. Heute lerne ich hier Kyoto kennen.

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Tradition als Erlebnis: Bei den "Capella Moments" begegnen Gäste Geiko, Kyotos Geishas, und ihren Schülerinnen, den Maiko. (Foto: Hidden Cliffs)

Luxus bedeutet Zugang

Morgens meditiere ich am Wasserfall, gegen Abend treten Geiko, Kyotos Geishas, und ihre jungen Schülerinnen, die Maiko, in der Hotellobby auf. Danach verschwinden sie nicht einfach hinter einem Vorhang. Es entstehen Gespräche, Fragen, Begegnungen. Das ist für mich eine besonders intelligente Form von Luxus. Denn in einer Stadt wie Kyoto besteht Exklusivität aus Zugang: zu Menschen, Traditionen und Orten, die sich einem Besucher sonst nicht ohne Weiteres öffnen.

Für unser Ranking "the 101 best" sehe ich jedes Jahr viele außergewöhnliche Hotels. Die spannendsten darunter besitzen etwas, das sich kaum planen lässt: eine eigene Energie. Im "Capella" entsteht sie aus der Verbindung zwischen Hotel und Nachbarschaft.

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Japanische Ästhetik ohne Folklore: Holz, Shoji-Elemente und warme Naturtöne prägen die großzügigen Zimmer des Capella Kyoto. (Foto: Hidden Cliffs)

Fünf Sterne im Brillenputztuch

Und dann sind da diese herrlich kleinen Dinge. Abends warten Tee oder Süßigkeiten in meinem Zimmer, begleitet von liebevoll gestalteten Karten, die von Kyoto und japanischen Traditionen erzählen. Sogar ein Brillenputztuch wird zum kleinen Zeichen der Aufmerksamkeit. Es ist diese Sorgfalt, die mich durch das Haus begleitet: Ich entdecke sie in der kunstvoll gearbeiteten Treppe, die hinunter ins Spa führt, und finde sie am Morgen am Frühstücksbuffet wieder, wo alles mit einer beinahe beiläufigen Präzision seinen Platz hat.

Kulinarisch reicht das Spektrum von der französischen Brasserie "Lanterne" über japanische Kappo-Küche im "Yoi" bis zum "SoNoMa by SingleThread". Letzteres schlägt schon im Namen die Brücke nach Kalifornien: Kyle und Katina Connaughton betreiben in Sonoma ihr mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnetes "SingleThread". Doch selbst solche Namen erzählen nur einen Teil der Geschichte.

Denn das vielleicht größte Kunststück dieses Hotels besteht darin, dass es Kyoto nicht zur Kulisse macht. Es bringt mich mit den Menschen zusammen, die seine Traditionen lebendig halten. Wenn aus dem Auftritt der Geiko und Maiko ein Gespräch wird, kann ich nachfragen und erfahre mehr, als mir eine noch so schöne Inszenierung erzählen könnte. Wenig später, nur eine kurze Zugfahrt von 35 Minuten entfernt, erlebe ich in Osaka eine völlig andere Vorstellung vom modernen Japan: Dort wird experimentiert.

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Privater Rückzugsort: Sechs Onsen-Suiten besitzen ein eigenes Thermalbad - japanische Badekultur in sehr intimer Atmosphäre. (Foto: Hidden Cliffs)

Hier wird Zukunft gestaltet

Der Wechsel ins "Patina Osaka" fühlt sich wie ein Szenenwechsel an. Vor meinen Fenstern steht mit Osaka Castle eines der großen historischen Wahrzeichen Japans. Im Hotel selbst scheint dagegen jemand eine klare Vorstellung davon zu haben, wie das Luxushotel der Zukunft aussehen könnte.

Das passt zu dieser Stadt. Osaka war über Jahrhunderte Handelsmetropole und wirtschaftliches Zentrum, heute wirkt sie auf mich unmittelbarer, lauter und lebenslustiger als Kyoto. Ein Kenner der Stadt nennt sie im Gespräch sogar das "Berlin Japans". Ich verstehe, was er meint. Osaka besitzt Ecken und Kanten, einen eigenen Dialekt und eine bemerkenswerte Lust am Essen. Die Stadt trägt zu Recht den Beinamen "Küche Japans".

Wer diese Energie erleben möchte, fährt abends nach Dotonbori. Leuchtreklamen, riesige dreidimensionale Werbefiguren, Restaurants und Menschenmassen machen das Viertel zum Gegenentwurf des stilleren Kyoto. Schon im 17. Jahrhundert entwickelte sich die Gegend zum Vergnügungsviertel mit Theatern und Teehäusern; heute ist sie eines der Zentren für Essen und Unterhaltung.

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Vergangenheit trifft Gegenwart: Das moderne "Patina Osaka" erhebt sich direkt gegenüber den mächtigen Mauern des historischen Osaka Castle. (Foto: Patina Osaka)

Harmonie aus hundert Entscheidungen

Zurück im "Patina". Das 20-stöckige Haus mit 221 Zimmern und Suiten ist das erste Stadthotel der Marke. Selten habe ich ein Hotel erlebt, dessen Gestaltung so konsequent zu Ende gedacht ist. Besteck, Geschirr, Servietten, Uniformen, Blumen, Stoffe, Farben: Alles scheint miteinander zu sprechen. Das Einzelne fällt kaum auf. Zusammen entsteht eine Harmonie, die ich in dieser Konsequenz selten erlebt habe.

72 Jahreszeiten statt 4

Im Restaurant P72 wird daraus eine kulinarische Philosophie. Hoteldirektorin Ellen Franke erklärt mir die Idee dahinter: Der Name spielt auf die 72 Mikrojahreszeiten des traditionellen japanischen Kalenders an. Rund 70 Prozent der Küche sind pflanzenbasiert, vieles stammt aus der Region. Kräuter wachsen gleich neben der Terrasse.

Lebensmittelreste werden fermentiert, konserviert und weiterverarbeitet. An der Bar bekomme ich Fermentiertes dort, wo sonst vielleicht Nüsse stehen würden. Nachhaltigkeit wird hier erfreulich selten erklärt. Ich esse sie einfach.

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Osaka als Panorama: Warme Naturmaterialien und klare Linien prägen die Patina Suite - Osaka Castle inklusive. (Foto: Patina Osaka)

Vom Plattenspieler in die Kältekammer

Das "Patina" will mich satt und vor allem neugierig machen. Im Listening Room höre ich Schallplatten über eine Anlage des New Yorker Sounddesigners Devon Turnbull alias OJAS. Auf der obersten Etage wird Musikhören zum bewussten Erlebnis; morgens gibt es dort sogar "Morning Soundscapes" mit Blick auf Osaka Castle.

Ein paar Etagen weiter landet mein Körper im Zukunftslabor. 1400 Quadratmeter widmet das "Patina" dem Wellbeing. Cryotherapie, Infrarot und weitere Healthtech-Anwendungen ergänzen Pool, Fitness und klassische Behandlungen.

Das klingt nach Biohacking. Trotzdem wirkt das Haus erstaunlich wenig technisch. Vielleicht liegt darin seine eigentliche Qualität: Innovation darf hier Spaß machen.

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72 Mikrojahreszeiten inspirieren das P72: Regionale Produkte, Fermentation und eine überwiegend pflanzenbasierte Küche prägen das Konzept. (Foto: Patina Osaka)

Tee mit einer Burg

Meine liebste Szene spielt allerdings weder in der Kältekammer noch vor dem Plattenspieler. Ich sitze beim Afternoon Tea im "Nijiri". Vor den Fenstern thront Osaka Castle, dahinter breitet sich die Millionenstadt aus. Eine Tee-Sommeliere zelebriert unterschiedliche Sorten, jeder Tee wird frisch aufgegossen. Dazu stehen kleine Kunstwerke aus Pfirsich und Shine Muscat auf meinem Tisch, Earl-Grey-Scones und überraschend herzhafte Kreationen. Das Haus serviert hier bewusst japanische Bio-Tees aus Kansai und Shizuoka.

Afternoon Tea kenne ich aus England. Doch selten habe ich erlebt, mit welcher Begeisterung Japan dieses Ritual aufnimmt und zu etwas Eigenem macht. Im "Patina" sind die Termine nach Auskunft meiner Gastgeber so begehrt, dass eine frühzeitige Reservierung ratsam ist.

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Schwimmen mit Logenblick: Selbst vom Pool des großzügigen Wellnessbereichs liegt Osaka Castle eindrucksvoll im Blickfeld. (Foto: Patina Osaka)

Vier Tüten Eis für eine Schokolade

Auf dem Heimweg schließt sich der Kreis meiner Japanreise. Ich habe teure japanische Schokolade im Gepäck, die unbedingt gekühlt werden muss. Im Bordkühlschrank darf Flugbegleiterin Paulina sie aus Vorschriftsgründen nicht lagern. Also kommt sie mit vier Tüten Eis zurück, baut meiner Schokolade einen kleinen Kühlschrank und verstaut das Paket sicher. Später macht sie mich auf die Nordlichter aufmerksam. Weil meine Fotos misslingen, schickt sie mir ihre eigenen per AirDrop.

Ich schlafe fast den gesamten Flug. Nach der Landung in Helsinki bin ich schnell durch Pass- und Sicherheitskontrolle. Um fünf Uhr öffnet die Finnair-Lounge. Ich dusche, frühstücke und fliege weiter nach Düsseldorf. Um 8.10 Uhr lande ich: frisch geduscht, ausgeschlafen und "ready to do business". Aus Tokio kommend.

Raths Reise-Rating:

1. Ganz großes Kino

2. Wenn's nur immer so wäre

3. Hohes Niveau, mit ein paar wenigen Schwächen

4. So lala, nicht oh, là, là

5. Besser als im Hostel

6. Ausdrückliche Reisewarnung

" Capella Kyoto & Patina Osaka"

Resort Name: Capella Kyoto & Patina Osaka

Land: Japan

Region: Kyoto und Osaka, Kansai. Das Capella liegt im historischen Geiko- und Maiko-Viertel Miyagawa-chō; das Patina direkt gegenüber von Osaka Castle.

Beste Reisezeit: Frühjahr und Herbst. Besonders reizvoll sind Ende März/Anfang April zur Kirschblüte sowie der November mit der Herbstfärbung. Kyoto ist in diesen Zeiten allerdings besonders gut besucht.

Zielflughafen: Kansai International Airport (KIX). Für Osaka liegt alternativ der Inlandsflughafen Itami (ITM) deutlich näher.

Transfer: Vom Kansai Airport zum Patina Osaka rund 50 bis 55 Minuten mit dem Auto; das Hotel organisiert auf Wunsch einen privaten Transfer. Für Kyoto bietet auch Capella individuelle Flughafentransfers an.

Preis pro Aufenthalt: Stark saisonabhängig. Das Capella Kyoto gehört mit Zimmerpreisen, die aktuell bei rund 2000 Euro pro Nacht liegen können, zur absoluten Luxuskategorie. Im Patina Osaka starten Übernachtungen je nach Termin deutlich darunter; spezielle Mehrtagesangebote bieten aktuell bis zu 20 Prozent Ermäßigung.

Health & Wellness: Im Capella Kyoto bietet das Auriga Spa private Onsen, Sauna, Fitness und Yoga. Das Patina setzt auf 1.400 Quadratmetern zusätzlich auf HealthTech mit Cryotherapie, hyperbarer Sauerstoff- und Wasserstofftherapie sowie LED-Anwendungen.

Besondere Empfehlung: In Kyoto unbedingt Zeit für die "Capella Moments" mit Geiko, Maiko und lokalen Kunsthandwerkern einplanen. In Osaka den Afternoon Tea im Nijiri reservieren - mit japanischen Tees und spektakulärem Blick auf Osaka Castle.

Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Hotel-Rankings im deutschsprachigen Raum die-101-besten.com ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für ntv schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.

Rath ist zudem Autor der Bücher "Die 101 besten Hotels Deutschlands". Mit seinem Ranking kam er im Jahr 2024 erstmals in die Schweiz. Bestellen Sie das Buch gerne per E-Mail an board@i-sle.ch oder online unter:

https://die-101-besten.de/interesse-am-buchband-die-101-besten-hotels-deutschlands-2026/

Jetzt neu: PODCAST – "Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101" von Carsten K. Rath, der bei den besten Hoteliers hinter die Kulissen blickt. Zu hören unter anderem bei Apple und Spotify.

Quelle: ntv.de

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