Wie werde ich...

Wie werde ich ...? Fliesenleger

Fliesenleger müssen nicht nur zupacken können - auch räumliches Vorstellungsvermögen ist in dem Beruf gefragt.

Der Beruf belastet Rücken und Knie extrem.

(Foto: dpa)

Sportlich muss er sein. Robust und flexibel. Gemeint ist nicht ein neues Automodell, sondern der ideale Fliesenleger. Er sollte handwerkliches Geschick mitbringen - und Köpfchen haben: Räumliches Vorstellungsvermögen und Präzision sind wichtig.

Vor allem aber sollte ein Fliesenleger "Gas geben können", sagt Thomas Grünendahl von der Handwerkskammer Düsseldorf. "Das ist einer der schwersten Bauberufe", meint er. Grünendahl ist selbst Fliesenlegermeister.

Bevor Wände, Böden und Fassaden verkleidet werden, müssen die Plattenbeläge an Ort und Stelle gebracht werden. Werden zum Beispiel die Bäder eines Bürogebäudes gefliest, können dabei gut drei Tonnen zusammenkommen. Mitunter wird am ersten Tag auf einer Baustelle nur Material getragen. Die tägliche Arbeit geht auf die Gelenke, vor allem Rücken und Knie werden belastet.

Fantasie und Faible für Gestaltung

Nach dem Schleppen kommt das Planen. "Schon wenn der Fliesenleger den Raum betritt, muss er ihn sich fertig vorstellen können", erklärt Grünendahl. Dazu gehören eine Portion Fantasie und ein Faible für Farben und Formen und deren Gestaltung. Auch technisches und mathematisches Verständnis für Flächen-, Winkel- und Verschnittberechnungen sind wichtig, sagt Klaus Niedermeier, Ausbildungsberater der Handwerkskammer München.

Daneben spielt die Kundenberatung bei der Wahl der geeigneten Platten eine zentrale Rolle. Hierfür müsse der Fliesenleger eine gute Materialkenntnis besitzen und sich in der Produktvielfalt auskennen, erklärt Markus Ramrath von der Fachgruppe Fliesen des Baugewerbeverbandes Nordrhein.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn arbeiten Fliesenleger im Schnitt 40 Stunden pro Woche. Sie werden in Neubauten eingesetzt, aber auch beim Sanieren und Modernisieren von Wohnungen, Gewerbeimmobilien und Industriebauten. Der gesamttarifliche Stundenlohn für einen Gesellen beträgt 16,74 Euro. Meist wird aber nach der Anzahl verlegter Fliesen bezahlt. "Der Lohn wird tatsächlich noch erwirtschaftet", erklärt Grünendahl.

Akkordarbeit bringt mehr Lohn

Ein Geselle im Meisterbetrieb kommt Ramrath zufolge auf durchschnittlich 1500 Euro netto im Monat. Wer sein Handwerk perfekt beherrscht und im Akkord arbeitet, kann aber sehr viel mehr verdienen. Zahlt der Betrieb dem Gesellen etwa 15 Euro für den verlegten Quadratmeter und schafft dieser an 21 Arbeitstagen je 20 Quadratmeter, verdient er 6300 Euro pro Monat, rechnet der Fliesenlegermeister vor. "Wer gut ist, verdient auch gut", lautet seine Devise für das Berufsleben.

Ein Hauptschulabschluss mit einer Drei in Deutsch und Mathe gilt als Voraussetzung für die dreijährige Ausbildung. Seit dem 1. April 2010 beträgt das Lehrlingsgehalt im ersten Jahr 614, im zweiten 943 und im dritten 1191 Euro pro Monat.

Meisterbrief nicht erforderlich

Fliesenleger kann sich auch ohne Ausbildung mittlerweile jeder nennen. Seit dem Jahr 2004 muss der Inhaber eines Fachbetriebes für das Fliesengewerbe Niedermeier zufolge keinen Meisterbrief mehr besitzen. Für die Branche ist das kein Segen, denn seitdem wird der Berufszweig von unqualifizierten Arbeitskräften überschwemmt.

Wer beruflich vorankommen will, kann nach dem Gesellenbrief einen Meisterlehrgang im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk absolvieren. Alternativ ist eine Fortbildung als Techniker oder Polier möglich.

Quelle: n-tv.de, dpa