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Keine Entschädigung bei Flugausfall? Tuifly beruft sich auf höhere Gewalt

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Viele Tuifly-Flieger bleiben am Boden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Fluggäste von Tuifly müssen derzeit ihre Reiseplanung genau im Auge haben, denn viele Flüge fallen aus. Von Entschädigungen für seine Kunden will das Unternehmen aber nichts wissen. Denn für die Krankmeldungen sei es nicht verantwortlich.

Bei den Verspätungen und Ausfällen der Tuifly durch Crew-Engpässe will der Konzern keine Entschädigungen an seine Kunden zahlen. Die aktuellen Probleme seinen auf "höhere Gewalt" zurückzuführen. "Entschädigungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüche der Kunden entstehen daraus nicht", teilte die Tui Deutschland mit. Die Sprecherin sagte: "Die massenhaften und äußerst kurzfristigen Krankmeldungen sind ein außergewöhnlicher und nicht vermeidbarer Umstand im Sinne von höherer Gewalt." Aus diesem Grund hätten auch die betroffenen Reise- und Luftbeförderungsverträge gekündigt werden müssen.

Experten sehen das allerdings anders. Flugpassagiere müssten es nicht hinnehmen, wenn es aufgrund von Engpässen bei der Crew zu Annullierungen und starken Verspätungen kommt, erklärte der Reiserechtler Paul Degott. In solchen Fällen stehe ihnen nach EU-Recht eine Ausgleichszahlung zu. "Interne Probleme wie bei Tuifly und Air Berlin sind keine außergewöhnlichen Umstände oder höhere Gewalt", sagte Degott. Nur in solchen Fällen wäre eine Fluggesellschaft von der Zahlungspflicht befreit. 

Eine Ausnahme ist allerdings ein Streik - dieser zählt als außergewöhnlicher Umstand, eine Entschädigung wird in diesem Fall nicht fällig. Bei Annullierungen und Verzögerungen von mehr als drei Stunden steht Passagieren laut EU-Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung zu. Ihre Höhe liegt je nach Flugdistanz zwischen 250 und 600 Euro.

Diese hatten bereits am Montag und Dienstag zu zahlreichen Verspätungen geführt, Flugausfälle konnte Tuifly aber vermeiden. Das Unternehmen riet Kunden, auf der Internetseite den aktuellen Status ihres Flugs zu überprüfen. Außerdem stehe die Servicehotline 0800-9006090 zur Verfügung. "Die extrem kurzfristigen Krankmeldungen machen es Tuifly leider unmöglich, alle betroffenen Kunden frühzeitig zu informieren und ihnen alternative Reisemöglichkeiten anzubieten."

Quelle: n-tv.de, mbo/sgu/dpa/AFP