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Im ersten Turnier gleich unter Druck: Neu-Bundestrainer Christian Prokop.
Im ersten Turnier gleich unter Druck: Neu-Bundestrainer Christian Prokop.(Foto: dpa)
Freitag, 12. Januar 2018

Modus, Favoriten, TV-Empfang: Das müssen Sie über die Handball-EM wissen

Als Titelverteidiger mit Titelambitionen gehen die deutschen Handballer in die EM in Kroatien. Die startet mit zwei Krachern. Wo die Partien live zu sehen sind, wer den Bad Boys den Titel streitig machen kann, wie gespielt wird - hier erfahren Sie es.

Was steht an?

Die 13. Handball-Europameisterschaft, in Kroatien. Eröffnet wird sie von den Gruppen A und B. Ab 18.15 stehen an diesem Freitag zunächst der Skandinavien-Kracher zwischen Schweden und Island sowie das Duell Weißrussland gegen Österreich an. Um 20.30 Uhr erlebt die EM dann ihren ersten Stimmungshöhepunkt, wenn Gastgeber Kroatien gegen Serbien antritt. Parallel spielt Frankreich gegen Norwegen. Die deutsche Mannschaft steigt mit der Partie gegen Montenegro am Samstag (ab 17.15 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in das Turnier ein, das nach 2000 zum zweiten Mal in Kroatien stattfindet. Größte bisherige Erfolge der Auswahl des Deutschen Handballbundes sind die EM-Titel 2004 und 2016, zudem gab es eine Silbermedaille 2002 und Bronze 1998. Rekord-Europameister ist Schweden mit vier Titeln.

In welchem Modus wird gespielt?

Die Vorrunde wird in vier Vierergruppen ausgetragen. Deutschland trifft in der Gruppe C in Zagreb neben Montenegro auf den WM-Dritten Slowenien (15. Januar) und Mazedonien (17. Januar). Die ersten drei Mannschaften jeder Gruppe ziehen in die Hauptrunde ein, in der es dann zwei Sechsergruppen gibt. Für das deutsche Team kommen in der zweiten Turnierphase Spanien, Dänemark, Tschechien und Ungarn infrage. Die beiden bestplatzierten Mannschaften der beiden Hauptrundengruppen erreichen das Halbfinale, die Drittplatzierten spielen den fünften Platz aus. Das EM-Finale steigt am 28. Januar in Zagreb. Übrigens: Ab 2020 werden 24 statt 16 Teams am Start sein, Gastgeber sind erstmals drei Nationen: Österreich, Schweden und Norwegen.

Wer sind die Favoriten?

Deutschland, sagte Bundestrainer Christian Prokop im Interview mit n-tv.de. Aber nicht allein. Zu Prokops Favoritenkreis zählen "Weltmeister Frankreich, Vize-Weltmeister Norwegen, Olympiasieger Dänemark, unser Vorrundengegner Slowenien, Gastgeber Kroatien und die immer starken Spanier". Bei einer EM ist die Leistungsdichte immens, am Ende dürfte die Tagesform entscheidend sein. Auch die Kraftreserven spielen eine große Rolle. Denn wenn es am Schlusstag um die Medaillen geht, haben die Teams bereits sieben Spiele in den Knochen.

Was spricht für Deutschland?

Bilderserie

Der extrem ausgeglichen stark besetzte Kader, bei dessen Nominierung sich Prokop harsche Kritik einfing und ins Risiko ging. Im Gegensatz zum Überraschungs-Coup vor zwei Jahren unter Dagur Sigurdsson, als vier Leistungsträger verletzt fehlten, kann der Bundestrainer diesmal aus dem Vollen schöpfen. Vor allem der Verzicht auf die Europameister Finn Lemke und Fabian Wiede überrascht dennoch - und könnte Prokop auf die Füße fallen, warnte Ex-Welthandballer Daniel Stephan gegenüber n-tv.de. Aber, ein weiterer Trumpf ist: Nach dem schmachvollen Achtelfinal-Aus bei der WM vor Jahresfrist in Frankreich gegen Katar brennt das deutsche Team auf Wiedergutmachung. Die Vorrundengruppe ist zwar anspruchsvoll, sollte aber trotz der voraussichtlich lautstarken Unterstützung der heißblütigen gegnerischen Anhänger kein Problem darstellen. In der Hauptrunde gilt es dann Dänemark und/oder Spanien hinter sich zu lassen, um das Halbfinale zu erreichen. Dann ist alles möglich.

Steht das Team unter (Erfolgs-)Druck?

Ja. Auch wenn es von Verbandsseite niemand so recht sagen mag: Alles andere als die Halbfinal-Teilnahme wäre eine Enttäuschung. Nach den schwachen Resultaten der Frauen bei der Heim-WM (Achtelfinale) und dem unvorhergesehen Absturz bei der Männer-WM braucht der DHB dringend ein gutes Ergebnis. Ein erneutes vorzeitiges Scheitern wäre auch mit Blick auf die WM 2019 im eigenen Land ein Tiefschlag.

Alle Augen auf ...?

Christian Prokop! Das Turnier gilt nicht erst seit der viel diskutierten Kader-Nominierung als Reifeprüfung für den Nachfolger von Dagur Sigurdsson, schließlich ist es für ihn das erste Großereignis in neuer Rolle. Fachlich ist der Perfektionist Prokop über jeden Zweifel erhaben, doch nun muss der Wunschtrainer der DHB-Oberen auf großer Bühne liefern. Neben Prokop gilt das Interesse der deutschen Fans auch dem neuen dänischen Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen, der mit den Rhein-Neckar Löwen nach zwei Meisterschaften auch in dieser Saison wieder souverän die Bundesliga anführt, und dem langjährigen Flensburg-Coach Ljubomir Vranjes. Der Schwede betreut erstmals die ungarische Nationalmannschaft. Und dass die Superstars Nikola Karabatic (Frankreich), Mikkel Hansen (Dänemark) und Domagoj Duvnjak (Kroatien) das Turnier prägen werden, braucht nicht groß erwähnt zu werden.

Ist die EM im Fernsehen zu sehen?

Ja. Wie bei Europameisterschaften üblich, übertragen die Öffentlich-Rechtlichen alle deutschen Spiele im Wechsel. Den Anfang macht am Samstag (17.15 Uhr) das ZDF mit der Partie gegen Montenegro. Ein mögliches deutsches Halbfinale am 26. Januar zeigt die ARD, das Finale mit deutscher Beteiligung wäre im Zweiten zu sehen. Die EM-Spiele ohne deutsche Beteiligung werden von der Online-Plattform Handball-Deutschland.tv übertragen. Dort gibt es auch alle 47 Matches kurz nach Schluss auf Abruf.

Was noch zu sagen wäre

"Ich bin nicht der Freund, mit Parolen von großen Zielen Schlagzeilen zu produzieren. Ich möchte, dass wir das mit Leistung machen. Entsprechend sollten wir noch ein bisschen demütig sein." Bundestrainer Christian Prokop vor seinem ersten Turnier.

Quelle: n-tv.de