Fußball-WM 2019

Mit Teetässchen-Jubel ins Finale US-Star Morgan lindert Rapinoes Leiden

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US-Superstar Alex Morgan feiert ihr Tor im WM-Halbfinale mit Tee-Jubel.

(Foto: REUTERS)

Die größte Überraschung des Halbfinales bei der Fußball-WM zwischen England und den USA gibt es schon vor dem Anpfiff: Die bislang glänzend aufgelegte Megan Rapinoe sitzt nur auf der US-Bank. Für den Sieg sorgen deswegen diesmal andere - unter anderem ein Geburtstagskind.

Während die englischen Fans kurz vor dem Anpfiff im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft im Stadion von Lyon lautstark die Nationalhymne "God save the Queen" mitsangen, machte sich unter den Fans des US-amerikanischen Nationalteams Nervosität und allgemeine Verwunderung breit. Was war mit Megan Rapinoe? Die 33-Jährige stand nicht auf dem Rasen. Sollte sie etwa übermütig für ein fest eingeplantes Finale geschont werden? Hatte, wie manche witzelten, US-Präsident Donald Trump nach seinem Zwist mit ihr ein Machtwort gesprochen und auf den Verband eingewirkt? Vor dem Spiel wollte sich niemand im US-Team dazu äußern.

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Verfolgte die Party nur von außen: die angeschlagene Megan Rapinoe.

(Foto: imago images / Bildbyran)

Erst danach sagte Trainerin Jill Ellis: "Megan hat sich am Oberschenkel verletzt, sie war nicht in der Lage zu spielen." Rapinoe selbst erklärte, sie leide schon seit dem hochklassigen Viertelfinale gegen Frankreich, bei dem sie beide Tore schoss, unter Schmerzen. Sie sei aber optimistisch, im Finale am Sonntag (17 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) wieder spielen zu können. "Ich habe versucht, all die Energie, die ich hatte, dem Team auf dem Platz zu geben."

Besonders viel von dieser Mitgift hatte offenbar Superstar Alex Morgan abbekommen. An ihrem 30. Geburtstag beschenkte sie sich selbst: Dank ihres Treffers zum 2:1 in der 31. Minute steht ihr Team im Finale und kann gegen Schweden oder die Niederlande versuchen, den Titel von 2015 zu verteidigen. Als Belohnung wurde sie zur "Spielerin des Spiels" gewählt. Nach ihren gleich fünf Toren aus dem Auftaktspiel gegen Thailand legte sie erstmals im Turnier nach und führt gemeinsam mit der Engländerin Ellen White, die den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte (19.), die Torschützenliste an.

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Morgan feierte ihr Tor mit besten Grüßen an den Gegner: Sie hielt ihre Hand so, als führte sie eine Tasse Tee zum Mund. Nicht die feine englische Art, doch ihrem Team und den Fans war das freilich egal. Das All-American-Girl wurde nicht nur bejubelt, nein, das Stadion schien nach ihrem Treffer beinahe zu explodieren. Und Tausende der insgesamt 53.512 Zuschauer stimmten anschließend ein "Happy Birthday" für Morgan an. Fast 20.000 US-Amerikaner sollen für das Halbfinale nach Lyon gereist sein.

"Es war eine Schlacht"

Extra-Applaus hatte sich aber auch Torfrau Alyssa Naeher verdient. Ihre Teamkameradinnen rannten nach dem Abpfiff auf sie zu, flogen ihr in die Arme und bildeten eine Jubeltraube um sie. Mit dabei: eine nun wieder glücklich lächelnde Rapinoe.

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Naeher hatte in der 84. Minute einen Elfmeter von Englands Kapitänin Steph Houghton entschärft und ihre Elf damit vor einer drohenden Verlängerung gerettet. Auf Strafstoß wurde erst nach langen Minuten des Wartens und der ewigen Wiederholung der Szene zwischen Becky Sauerbrunn und White im Strafraum entschieden - das Foul hatte sich schließlich schon in der 79. Minute ereignet. Nach dem Spiel zerrte ihre Ersatzfrau Adrianna Franch die 31-Jährige zu den frenetisch jubelnden Fans, die sich hinter einem Tribünentor versammelt hatten. Sie deutete immer wieder mit den Fingern auf Naeher und zeigte so: Feiert sie, dank ihr haben wir das Finale erreicht. Das betonte auch Geburtstagskind Morgan: "Sie hat der Welt gezeigt, warum sie die Nummer eins ist."

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Die Nummer eins - so wie die US-Amerikanerinnen als Team. Ellis Elf führt die Fifa-Weltrangliste an und machte gegen England deutlich, warum das so ist. Zum dritten Mal in Folge erreichte das Team ein WM-Endspiel. Dank druckvollem Offensivspiel, feinen Passstaffetten und einer hoch stehenden Abwehr, die sich kaum überrumpeln ließ. Allerdings nur kaum, denn sie wurde von den Engländerinnen an ihre Grenzen gebracht. Diese waren annähernd ebenbürtig und sorgten so für ein packendes und enges Spiel, in dem mehrfach fast der Ausgleich gefallen wäre. Das vermeintliche 2:2 aus der 68. Minute durch Ellen White wurde nach Videobeweis aberkannt, der Elfmeter ging nicht rein. "Es war eine Schlacht bis zum Schluss, es war ein großartiges Spiel", sagte so auch US-Mittelfeldspielerin Rose Lavelle. Morgan sagte: "Wir haben heute alles gesehen: Videobeweis, Elfmeter, einen Platzverweis. Es war alles drin, eine unglaubliche Nacht."

Schlussendlich stehen die US-Fußballerinnen verdient im Finale. Im gesamten Turnier schossen sie stets den ersten Treffer vor der zwölften Minute und gewannen alle ihre Spiele. Wer nun der Gegner sein wird, das ist Ellis komplett egal. Klar sei das heute Abend vor dem zweiten Halbfinale zwischen Schweden und den Niederlanden (ab 21 Uhr bei ARD und im Liveticker auf n-tv.de) aber: "Es wird ein tolles Spiel werden." Das wünscht sie sich sicherlich auch für das Finale.

Quelle: n-tv.de

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