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In Monaco wird er zum Bad Boy Ignoranter Zverev hat Ärger verdient

Alexander Zverev reagiert während des Spiels. Foto: Scott Barbour/AAP/dpa/Archivbild

Zieht zurecht den Ärger auf sich: Alexander Zverev.

(Foto: Scott Barbour/AAP/dpa/Archivbild)

Erst wilde Partys auf der Ego-Adria-Tour von Novak Djokovic, jetzt wieder eine Party, dieses Mal in Monte Carlo. Alexander Zverev katapultiert sich mit verantwortungslosem Verhalten ins Aus und schweigt. Besser so, denn eine Entschuldigung nimmt ihm niemand mehr ab.

Ist es zu viel verlangt in Zeiten einer weltweiten Corona-Pandemie einmal eine Party auszulassen? Für Alexander Zverev offensichtlich ja. Schon seine Teilnahme an der umstrittenen Adria-Tour war moralisch höchst fragwürdig. Auf die massive Kritik folgte eine kleinlaute und reumütige Entschuldigung in den Sozialen Medien. Eine Einsicht von zu kurzer Dauer. Nur sechs Tage später sieht man ihn feiernd, tanzend, lachend auf einer Party in Monte Carlo.

So richtig überraschend ist dieser erneute Fehltritt nicht. Ein gefeierter Anwärter auf die Spitze der Weltrangliste war er mal. Ein verantwortungsloser Tennis-Rüpel ist er jetzt. Ihm wurde nicht viel abverlangt, er hätte einfach nur zu Hause bleiben müssen.

"Das kotzt mich an"

Nicht nur Fans und Medien reagieren entsetzt auf den Fehltritt des jungen Hamburgers. Auch Tennis-Größen wie Chris Evert mischen sich ein und zeigen sich zu Recht fassungslos von dem unkontrollierten und unbedachten Handeln des Weltranglisten-Siebten. "Wie egoistisch kann man sein? Das kotzt mich an", lässt sich Top-Star Nick Kyrgios aus. Still und heimlich wird damit aus dem einstigen Pöbler der Tennis-Szene die neue Stimme der Vernunft. Zverev selbst bleibt die Rolle des Bad Boys, er schweigt zu der Woge der Entrüstung.

Es ist wahrscheinlich das Beste, was er machen kann. Nach seiner letzten scheinheiligen Entschuldigung würde ihm jetzt sowieso niemand mehr glauben. Schließlich hält sich der 23-Jährige anscheinend nicht nur ungerne an Regeln anderer, er missachtet jetzt auch noch seine eigenen. Es ist die Ignoranz vieler Tennis-Profis, die in diesen Tagen fassungslos macht. Nicht nur Zverev, auch der einstige Saubermann und Vorzeige-Profi Novak Djokovic oder Dominik Thiem leben scheinbar in ihrer ganz eigenen Welt mit eigenen Regeln, oder eben keinen. Während von der Corona-Pandemie auf der ganzen Welt Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden, umarmen Tennisspieler sich und die Fans, machen befreit Selfies, spielen Basketball und feiern wilde Partys. Es sind gemessen an der Welt-Elite nur wenige Spieler, doch einer von ihnen ist eben Alexander Zverev.

Zverev fühlt sich oft missverstanden

Es ist nicht das erste Mal, dass er negativ auffällt. Immer wieder zeigt er sich unkontrolliert, zieht mit Wutausbrüchen und Pöbeleien auf dem Platz die Aufmerksamkeit und Kritik auf sich, gibt sich in Pressekonferenzen überheblich. Er fühlt sich meist unverstanden, überkritisiert und gemessen an seinen Erfolgen mit zu wenig Anerkennung geehrt. Doch Entgleisungen wie seinen Vater und Trainer während eines Spieles dazu aufzufordern "die Klappe zu halten und keinen Scheiß zu erzählen" sind beschämend.

Bei ihm scheint der Fokus einfach nicht zu stimmen, weder auf dem Platz, noch zuletzt immer wieder abseits des Platzes. Arbeitet er nicht langsam an seinem Charakter, wird aus ihm nie der immer wieder prophezeite Nachfolger von Federer und Co. Dann bleibt er ein hochtalentierter Spieler, der manchmal gutes Tennis spielt, oft aber auch nicht. So taugt er jedenfalls nicht als Identifikationsfigur für eine neue Generation.

Er muss kein Vorbild sein

Zu einem echten Tennis-Star gehört weit mehr als ein paar Siege, eine brauchbare Vorhand oder eine Menge Talent. Ein Vorbild ist Alexander Zverev nicht und wird es auch nicht mehr werden. Vielleicht will er das auch gar nicht. Will lieber schalten und walten wie ihm ist. Das ist legitim, doch dann darf er nicht weiter um Anerkennung und Respekt lechzen. Sondern muss damit leben können, niemals den Status zu erreichen, der seinem Talent angemessen wäre. Niemals in Deutschland geliebt zu werden wie einst ein Michael Stich oder Boris Becker.

Von der zu Beginn gefeierten Tennis-Hoffnung einer ganzen Nation, einst auf Rang drei der Weltrangliste, ist nicht mehr viel übrig. Und das verdientermaßen und selbstverschuldet. Er scheint der neue Bad Boy der Szene, über den die Welt die Augen verdreht und nur den Kopf schüttelt. Am Ende rückt auch Tennis-Legende Boris Becker von seinem Schützling ab. "Er sollte sich schämen", verkündet Becker bei Twitter. Ja, das sollte er wirklich, doch retten kann er damit auch nichts mehr. Er ist bekanntlich jemand, den schon Kleinigkeiten völlig aus der Bahn werfen. Doch das ist jetzt keine Kleinigkeit mehr, es ist ein Unding.

Quelle: ntv.de