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IOC will Dienstag reagieren Wada bestätigt russisches Doping-System

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Wada-Chefermittler Richard McLaren und sein Team haben Belege für staatlich gelenktes Staatsdoping in Russland vorgelegt.

(Foto: AP)

Während der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi hat es staatlich gelenktes Doping heimischer Athleten gegeben. Dafür legen Ermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur Belege vor. Die schweren Manipulationen sollen vom Sportministerium überwacht worden sein.

Der mit Spannung erwartete McLaren-Report hat ein systematisches und von höchsten politischen Kreisen gedecktes Doping-System in Russland während der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi bestätigt. Das gab Sonderermittler Richard McLaren bei der Vorstellung des von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) initiierten Berichts bekannt. Der Chefermittler hatte unter anderem Aussagen des russischen Kronzeugen Gregori Rodtschenkow, ehemaliger Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, untersucht.

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Für staatlich gelenktes Doping gibt's laut Wada gravierende Belege.

(Foto: AP)

Der jetzt in Toronto vorgelegte 97-seitige Untersuchungsbericht (zum Download als pdf) führe zahlreiche gravierende Belege für die Verwicklung von staatlichen Stellen in den Sportbetrug auf, sagte Chefermittler Richard McLaren. Darin sei unter anderem das russische Sportministerium verwickelt, das die Manipulationen laut McLaren überwacht habe. So seien im Moskauer Anti-Dopinglabor über Jahre hinweg positive Proben verschwunden, um gedopte russische Athleten zu schützen.

Einzigartiges Vertuschungsverfahren

Während der Winterspiele in Sotschi seien zudem systematisch Dopingproben manipuliert und positive Tests russischer Athleten vertuscht worden. Der Report hielt fest, dass in die Planung dieses einzigartigen Betrugsverfahrens mit Hilfe eines Labors in Sotschi unter anderem das Sportministerium, der Geheimdienst FSB, das Trainingszentrum der russischen Top-Athleten (CSP) und das Moskauer Labor eingebunden waren. Eine vorher ausgewählte Gruppe russischer Athleten, die in Sotschi am Start waren, wurden demnach durch die Vertuschung von Proben geschützt und konnte demnach gedopt an den Start gehen. Bei allen Fläschchen mit den Proben wurden Manipulationen festgestellt. Alle Deckel waren entfernt und später wieder angebracht worden, was aber zunächst unbemerkt geblieben war.

Für den Wada-Bericht seien tausende Daten und Dokumente ausgewertet worden. Auch gelöschte Dateien wurden wiederhergestellt, sagte McLaren, der zu Beginn noch einmal betont hatte, dass die Untersuchung unabhängig und transparent abgelaufen sei. Vom staatlich gelenkten Dopingsystem in Russland, so erklärte der Sonderermittler, hätten mindestens 30 verschiedene Sportarten profitiert.

Nada fordert Russland-Ausschluss

Eine Empfehlung der Wada-Ermittler für Sanktionen gegen russische Sportler, Verbände oder gar einen Komplettausschluss gab es allerdings zunächst nicht. Eine Entscheidung über eine mögliche Sperre muss nun das IOC treffen. McLaren oder die Wada haben keinerlei Entscheidungsbefugnis. Schon einen Tag vor der Veröffentlichung hatten die Anti-Doping-Agenturen aus den USA und Kanada den Ausschluss Russlands gefordert, sollte der Bericht Belege für von Moskau gesteuertes Doping geben. Diese liegen jetzt vor.

Die deutsche Nationale-Anti-Doping-Agentur (Nada) schlägt in die gleiche Kerbe und erklärt direkt nach der McLaren-Veröffentlichung durch ihre Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann: "Die Nada fordert das Internationale Olympische Komitee auf, dafür zu sorgen, dass russische Sportlerinnen und Sportler nicht zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zugelassen werden. Der Schutz der ehrlich agierenden Athletinnen und Athleten muss oberste Priorität haben, sonst werden alle Anstrengungen hierzu ad absurdum geführt."

Mit Entsetzen hat auch IOC-Präsident Thomas Bach auf die Ergebnisse des Reports reagiert und erste Entscheidungen für Dienstag angekündigt. "Die Ergebnisse des Berichts zeigen einen erschreckenden und  beispiellosen Angriff auf die Integrität des Sports und der Olympischen Spiele", wurde Bach in einer Stellungnahme zitiert: "Daher wird das IOC nicht zögern, die härtesten Sanktionen gegen jede beteiligte Person oder Organisation zu treffen." Das IOC werde die komplexen und detaillierten Anschuldigungen insbesondere gegen das russische Sportministerium prüfen. In einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz werde das IOC-Exekutivboard am Dienstag beraten, um erste Entscheidungen zu treffen, die auch "vorläufige Maßnahmen und Sanktionen" mit Blick auf Rio 2016 beinhalten könnten.

Quelle: n-tv.de, tnp/dpa/sid

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