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Fluch des bekannten Nachnamens Wie Mick Schumacher seinen Weg findet

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Schumacher, Mick Schumacher.

(Foto: imago/Eibner)

Sie heißen Scholl, Zidane, Beckham oder Schumacher. Die Söhne bekannter Sportler stehen von der Jugend an im Fokus. Der Druck ist groß. So groß, dass manch einer lieber mit dem Sport aufhört, als ewig mit dem Vater verglichen zu werden.

Er hat eine feine Technik, einen starken Schuss und eine gute Spielübersicht. Lediglich die Unbekümmertheit andere Top-Talente fehlte ihm. Kein Wunder, wenn man beim FC Bayern spielt und den Nachnamen Scholl trägt. Seitdem Lucas Scholl im Jahre 2014 erstmals bei den Profis mittrainieren durfte, stand er im Fokus. "Dieser ganze Hype um mich, das war einfach zu viel", sagte der 20-Jährige in der "Bild"-Zeitung. "Ich war ja noch ein Kind, war noch nicht so weit. Wenn du morgens die Zeitung aufschlägst und liest plötzlich deinen Namen. Das war krass."

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Wacker in Nordhausen: Lucas Scholl.

(Foto: imago/Picture Point)

Jetzt spielt er beim FSV Wacker Nordhausen in der Regionalliga Nordost, fast fünf Autostunden vom Trainingsgelände der Bayern entfernt. Er wird weiterhin im Mittelpunkt stehen. Aber vielleicht einen Hauch weniger als in München. Lucas Scholl teilt das Schicksal mit vielen anderen Talenten, die ebenfalls einen berühmten Vater haben. Wer mit Nachnamen Zidane, Schumacher oder Beckham heißt, steht von der Jugend an im Scheinwerferlicht. Die Sprösslinge haben nicht die Möglichkeit, langsam mit ihrer Aufgabe zu wachsen. "Die Maßstäbe werden in der Öffentlichkeit einfach zu hoch angesetzt", sagt der Sportpsychologe Thorsten Loch. "Die Menschen haben noch das hohe Level des Vaters im Kopf. Dass der Sohn noch ein unfertiger Nachwuchssportler ist, wird häufig vergessen. Die Menschen vergleichen den Sohn von Zinedine Zidane als 18-Jährigen mit dem Vater, als dieser bereits 26 Jahre und in der Form seines Lebens war. Dabei war Zinedine Zidane mit 18 Jahren auch noch nicht so weit."

Heute ist Enzo, so heißt der Sohn des dreimaligen Weltfußballers, 21 Jahre alt. Bei seinem Profidebüt für Real Madrid gelang ihm sein erstes Tor. Spätestens seit jenem 30. November steht Zidanes Sohn im Fokus. Die Familie hat ihn so lange wie möglich davor geschützt. In der Jugend lief er unter dem Nachnamen seiner Mutter Veronique Fernandez auf. Es war ein Versuch, den Vergleichen mit dem Vater aus dem Wege zu gehen. Noch heute meidet er seinen Nachnamen. Auf der Rückseite des Trikots prangt lediglich der Vorname: Enzo.

Mick Schumacher: Interviewanfragen zwecklos

In Deutschland ist so etwas nicht typisch. Ansonsten wäre Mick Schumacher vielleicht auf die gleiche Idee gekommen. Der Sohn von Michael Schumacher fuhr im vergangenen Jahr in der Formel 4. Eine Rennklasse, von der die Medien normalerweise keine Notiz nehmen. Mit Mick Schumacher änderte sich das schlagartig. Norman Fischer von "Motorsport Total" sagt: "Zum einen öffnet ihm sein Name natürlich viele Türen und bietet ihm Möglichkeiten, die andere vielleicht nicht haben. Auf der anderen Seite ist es für viele Fahrer mit berühmtem Namen auch eine Bürde. Man darf nicht zu viel erwarten, Mick ist kein Michael."

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"Talent für die Formel 1 besitzt Mick zweifellos"

(Foto: imago/Action Plus)

Erfolgreiche Rennfahrer-Söhne gab es schon einige. Jacques Villeneuve, Damon Hill und Nico Rosberg sind Paradebeispiele. Mick Schumacher, 17 Jahre alt, wird ebenfalls der Sprung in Königsklasse des Motorsports zugetraut. In dieser Saison fährt er erst einmal für das italienische Prema Powerteam in der Formel 3 - n-tv wird alle Rennen übertragen, los geht’s am Wochenende vom 14. bis zum 16. April im englischen Silverstone.

"Talent für die Formel 1 besitzt Mick zweifellos", sagt Fischer. Bis dahin wird er von den Medien weitestgehend ferngehalten. Managerin Sabine Kehm blockt Interviewanfragen kategorisch ab. Lediglich die übertragenden Fernsehsender und die "Bild"-Zeitung durften mit ihm sprechen. Fragen zu Vater Michael waren natürlich tabu. Der Sportpsychologe Loch versteht die mediale Zurückhaltung vieler Sportlersöhne: "Wenn man ständig in der Zeitung von sich liest, entsteht ein Fremdbild über die eigene Person. Irgendwann glaubt man das Geschriebene. Plötzlich ist man derjenige, der im Wettkampf immer scheitert oder einen Angstgegner hat." Das betreffe zwar alle Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. "Aber bei den Kindern eines bekannten Sportlers geschieht das bereits in jungen Jahren. Dann ist es besonders schwierig, das richtig einzuschätzen."

Alle berichten: Beckhams Sohn scheitert bei Arsenal

Besonders bitter ist es, in den Medien als Verlierer abgestempelt zu werden. Schlimm genug, in der Nachwuchsabteilung eines Profivereins aussortiert zu werden, weil das Talent nicht ausreicht. Jedes Jahr gibt es tausende Jugendliche, denen das passiert. Normalerweise nimmt die Öffentlichkeit davon wenig Notiz. Wer interessiert sich schon für gescheiterte Talente? Wenn man aber Brooklyn Beckham heißt und der älteste Sohn von Weltstar David Beckham ist, berichtet fast jede englische Tageszeitung davon. Dies geschah im Februar 2015 beim FC Arsenal. Der kleine Beckham hätte die Möglichkeit gehabt, bei einem anderen Verein sein Glück zu versuchen. Manchester United und der FC Chelsea waren interessiert.

Doch er war clever genug um zu erkennen, dass er nicht das Talent seines Vaters hat. Brooklyn fürchtete die ewigen Vergleiche, hörte mit dem Fußball daher lieber ganz auf. Ob ein Sportler mit der Bürde des bekannten Nachnamens zurechtkommt, ist eine Frage des Selbstvertrauens. "Normalerweise sollte ein Wettkampf eine tolle Herausforderung sein. Man spürt das Kribbeln, hat richtig Bock darauf", erzählt Loch.

Doch der Spaß vergeht, wenn die Erwartungen von außen zu hoch sind. "Zweifele ich daran, den Ansprüchen gerecht zu werden, die aufgrund meines bekannten Nachnamens entstehen, empfinde ich das als eine Bedrohung. Es entsteht ein Gefühl von Angst, die Konzentration lässt nach, die Muskeln verspannen, der Spaß bleibt auf der Strecke." Möglicherweise hat Brooklyn Beckham genau dies empfunden. Heute ist er nicht nur Schüler, sondern auch Model, Fotograf und ein Star bei Instagram. Im Schatten seines Vaters steht er trotzdem. Vor zwei Jahren verkündete Brooklyn stolz, eine Million Follower zu haben. Der lustig gemeinte Kommentar seines Vaters: "Ich habe 52 (Millionen)."

Quelle: n-tv.de

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