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BVB-Profis zeigen Emotionen "Wurden wie Tiere behandelt"

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"Werde das nie vergessen", sagt Nuri Sahin.

"Wir sind alle Menschen. Das war heute nicht schön": Nach dem Schlusspfiff brechen die Dämme bei den Dortmunder Fußballprofis, die sie vor der CL-Partie gegen Monaco um sich gebaut hatten - und einige von ihnen geben Einblicke in ihr Seelenleben.

Drei explodierende Sprengsätze, splitternde Scheiben im Mannschaftsbus und die Verletzung von Marc Bartra - das alles summierte sich zu einem Trauma für die Fußballspieler von Borussia Dortmund. Doch die Show ging umgehend weiter. Keine 24 Stunden nach dem Anschlag mussten die Fußball-Profis zu ihrem womöglich schwersten Spiel ihrer Karriere auflaufen, wohl auch, weil der teure und aufgeblähte europäische Fußballzirkus nicht stillstehen durfte.

"Nüchtern betrachtet ist dies nur dem dicht getakteten Zeitplan im Milliardengeschäft Fußball geschuldet", kommentierte der "Münchner Merkur" am Tag danach. "Von den jungen Multimillionären wird auch nach einem solchen Schock erwartet, dass sie funktionieren." Offenbar auch dann, wenn die Protagonisten in der Nacht zuvor um ihr Leben fürchten mussten.

Die Flut von Programmhöhepunkten habe eine mehrtägige Verschiebung unmöglich gemacht, begründeten die Verantwortlichen die zeitnahe Terminierung. Intern wurden die betroffenen Profis zwar angehört, aber letzten Endes dennoch vor vollendete Tatsachen gestellt. "Man hat uns keinen Gefallen getan, dieses Spiel anzusetzen, nicht mal 24 Stunden nach einem Anschlag. Ich hatte nicht eine Stunde Schlaf in der Nacht, das ist nicht die optimale Vorbereitung auf solch ein Spiel", klagte Torhüter Roman Bürki nach der 2:3-Niederlage des BVB gegen Monaco.

"Ich fühle mich wie ein Tier"

"Bis zum Anpfiff war bei mir alles im Kopf, nur kein Fußball." Nuri Sahin fand nach dem Spiel emotionale Worte. "Wir sind alle Menschen. Was gestern passiert ist, das wünsche ich niemandem", sagte der BVB-Profi. "Es war mir im ersten Moment nicht bewusst. Erst als ich gestern nach Hause kam und meine Frau und mein Sohn vor der Türe standen, da habe ich erst realisiert, wie viel Glück wir hatten. Ich weiß, dass der Fußball sehr wichtig ist, dass es um sehr viel geht, und ich weiß, dass wir hier liefern müssen. Wir wissen auch, dass wir hier heute antreten müssen. Aber man sollte auch nicht vergessen, dass wir Menschen sind. Das war nicht schön heute."

Sokratis, der sich nach dem Spiel mit Tränen in den Augen bei den Fans für die Unterstützung bedankte, wurde noch deutlicher: "Wir haben Familien mit Kindern zu Hause und wir sind keine Tiere. Ich bin froh, dass alle Spieler und Vereinsmitarbeiter am Leben sind. Ich fühle mich wie ein Tier und nicht wie ein Mensch. Wer das nicht durchgemacht hat, weiß nicht, wie schlimm das für uns war." Auch Teamkollege Julian Weigl ließ nach dem verlorenen Spiel wissen, unter welch schwierigen Umständen die Dortmunder antreten mussten. "Wir konnten nicht so frei spielen wie sonst. Die meisten haben nicht viel geschlafen, ich auch nicht."

BVB-Trainer Thomas Tuchel, der die Detonationen ebenfalls hautnah miterlebte, kritisierte jene, die die Neuansetzung zu verantworten haben: "Die Termine werden vorgegeben, und wir haben zu funktionieren. Wir hatten das Gefühl, dass wir behandelt werden als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen." Tuchel bemängelte zudem, dass man "in die Entscheidung überhaupt nicht eingebunden" gewesen sei.

Man habe den Entscheid, bereits am Mittwoch wieder anzutreten, mit einem "ohnmächtigen Gefühl zur Kenntnis nehmen müssen", kritisierte Tuchel. Nach Parolen, wie BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sie abgesetzt hatte ("Wir spielen heute nicht nur für uns. Wir wollen zeigen, dass Terror und Hass unser Handeln niemals bestimmen dürfen!"), war dem Trainer nicht zumute: "Die Sache ist nicht vergessen oder verarbeitet."

Quelle: n-tv.de, dsi

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