Formel1

"Seit meiner Kindheit ..." Die kleine große Last des Mick Schumacher

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Das passt.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Ein Rennsieg ist für Mick Schumacher in seinem ersten Formel-1-Jahr so gut wie unerreichbar, selbst Punkte dürften die Ausnahme bleiben. Die Situation beim kleinen Haas-Rennstall liegt dem Aufsteiger trotzdem. Zumal er seine Aufgabe dort schon kennt.

Mick Schumacher kennt es ja gar nicht anders. Wer an Motorsport denkt, der kommt an diesem legendären Nachnamen einfach nicht vorbei. Formel 1, Benetton, Ferrari, siebenfacher Weltmeister. Wenn Michael Schumacher in seinen Rennwagen stieg, saßen die Deutschen vor dem Fernseher und bescherten RTL eine Rekordeinschaltquote nach der anderen.

Marktanteile von 50 Prozent und mehr waren damals keine Seltenheit, sondern die Regel. Und das nicht allein wegen der reinen Leistung, schließlich ist Sport ja immer auch ein bisschen Geschichte-Erzählen. Wie der Kerpener nach zwei WM-Titeln mit Benetton zu Ferrari wechselte und die tief gefallene Scuderia zurück zu altem Glanz führte. Zu einer Dominanz, die die Formel 1 noch nie zuvor gesehen hatte.

Da ist es nur logisch, dass die (öffentliche) Aufmerksamkeit riesig ist, wenn der Sohn dieser Legende in dessen Fußstapfen tritt. Schließlich steigt dieser in die Formel 1 auf, acht Jahre nach dem Karriereende seines Vaters, der am 25. November 2012 beim Großen Preis von Brasilien sein 307. und letztes Rennen auf dem siebten Platz beendete. "Es ist großartig, im selben Sport zu sein. Einem Sport, den wir beide so lieben", sagte Mick Schumacher, der früher unter dem Geburtsnamen seiner Mutter als Mick Betsch seine ersten Kartrennen bestritt: "dass es jetzt so weit ist, das ist verrückt".

Verlieren ist fast ausgeschlossen

Dass der 21-Jährige aber auf der Strecke für Aufsehen sorgt, ist unwahrscheinlich. Aus gleich mehreren Gründen. Der offensichtlichste ist, dass Mick Schumacher für Haas an den Start geht, dessen Teamchef Günther Steiner die Aussichten für 2021 jüngst so beschrieb: "Wir können nur gewinnen, weil wir praktisch nicht mehr schlechter sein können als derzeit."

Der Südtiroler plant ein Übergangsjahr, denn zur Saison 2022 hat sich die Formel 1 ein grundlegendes verändertes Reglement verordnet. Haas hofft darauf, dann nicht mehr dauerhaft jenseits der Punkteränge zu landen. Für den langjährigen RTL-Reporter Kai Ebel ist das allerdings kein Nachteil, sondern vielleicht sogar ein Vorteil, "dass er nicht direkt in einem Top-Team ist." Denn: "Da ist der Druck nicht ganz so groß."

Auch Schumacher gibt sich gewohnt bescheiden, wenn er sagt, dass es zuerst darum gehe, "wie schnell ich mich an die Formel 1 gewöhne". Denn diese Anpassungszeit ist eine Konstante im Werdegang Schumachers: In den Nachwuchsserien brauchte er meist eine Saison, um sich zurechtzufinden und fuhr dann im zweiten Jahr um den Titel mit, dem er nun auch in der Formel 2 ganz nah ist.

"Es dauert zwei, drei Jahre"

"Deswegen ist Haas die logische Entwicklung", sagt Ebel. Dort wird Schumacher wohl gleich der Nummer-eins-Fahrer sein, denn sein künftiger Teamkollege und aktueller Formel-2-Konkurrent Nikita Mazepin bringt neben seinem Talent auch reichlich Sponsorengeld mit. Dessen Vater ist Mehrheitseigentümer des russischen Chemiekonzerns Uralchem, sein Vermögen wird auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt und er gilt als großzügiger Förderer der Karriere seines Sohnes.

Weil Haas somit auf zwei Formel-1-Neulinge setzt, fehlt Schumacher allerdings ein Fixpunkt, wie es Kimi Räikkönen bei einem Wechsel zu Alfa Romeo gewesen wäre. Ein solch erfahrener Pilot hätte ihm die Eigenheiten der Motorsport-Königsklasse vermitteln können, die Schumacher sich so nun auf anderem Wege erarbeiten muss. Das wiederum gilt als Stärke des 21-Jährigen, Ralf Schumacher attestierte seinem Neffen kürzlich eine "sehr vielversprechende Lernkurve", dieser gilt als akribischer und fleißiger Arbeiter.

Ähnlich äußert sich auch Franz Tost, der Teamchef von Alpha Tauri. Der Rennstall hieß bis zur vergangenen Saison noch Toro Rosso, dort erhielten Sebastian Vettel und Max Verstappen ihre ersten Stammcockpits. Tost ist "davon überzeugt, dass Mick auch in der Formel 1 erfolgreich fahren wird". Allerdings nicht von Anfang an, sagt der Österreicher: "Bis ein neuer Fahrer weiß, wo es in der Formel 1 langgeht, braucht er zwei, drei Jahre."

Kein Vergleich mit Max Verstappen

Auch Ebel appelliert, den dritten Schumacher in der Formel 1 nicht mit großen Erwartungen zu überladen: "Lasst dem Jungen Zeit, er muss sich entwickeln." Einerseits, weil eben der Haas-Bolide zu den langsamsten im Feld gehört und andererseits, weil er eben kein Wunderkind sei wie Max Verstappen, der 2015 schon als 17-Jähriger debütierte und 2016 als 18-Jähriger zum mit Abstand jüngsten Rennsieger der Geschichte wurde.

Mit Verstappen verbindet Schumacher übrigens, dass ihre Väter - Jos und Michael - einst nicht nur gegeneinander fuhren, sondern in der Saison 1994 Teamkollegen bei Benetton waren. In einem gemeinsamen Interview im Jahr 2002 sprachen sie sogar schon darüber, wie es wäre, wenn ihre Söhne einen ähnlichen Berufswunsch wie sie selbst hätten - und Verstappen prophezeite: "Wenn sie sich fürs Rennfahren entscheiden, werden sie sicher mal gegeneinander fahren."

Während Max Verstappen allerdings schon jetzt die Karriereerfolge seines Vaters übertroffen hat, der nie über Platz zehn in der Fahrerwertung hinauskam, ist die Hürde für Mick Schumacher ungleich höher. Schließlich gewann sein Vater nicht nur sieben WM-Titel, sondern sorgte auch in Deutschland für eine ungeahnte Formel-1-Begeisterung. Kai Ebel, der diese Euphorie in den 1990ern als Boxengassen-Reporter für RTL begleitete, rät deshalb: "Man sollte ihn nicht mit seinem Vater vergleichen" und ihn stattdessen "seinen Weg gehen lassen".

Keine langweiligen Geschichten

Wobei Mick Schumacher selbst das für einen 21-Jährigen erstaunlich gelassen zur Kenntnis nimmt: "Diese Aufmerksamkeit war einfach immer normal für mich." Auch wenn sich diese Aufmerksamkeit in der Formel 1 im Vergleich zu den unteren Serien sicher noch einmal vervielfachen wird. "Es ist klar, dass ich seit meiner Kindheit im Rampenlicht stehe", sagte er, nachdem Haas seine Verpflichtung bekannt gegeben hatte. Schumacher scheint sehr genau zu wissen, wie er mit dem umzugehen hat, was um ihn herum passiert.

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Und ja, die Geschichte des Sohnes, der in die Fußstapfen seines berühmten Vaters tritt, ist eine erzählenswerte. Eine, die im Sport oft bemüht wird, allein in der Formel 1 gibt es gleich mehrere herausragende Vater-Sohn-Duos: Graham und Damon Hill, Gilles und Jacques Villeneuve, Keke und Nico Rosberg. Aber sie wirkt eben auch schnell genau das, nämlich bemüht. Dann, wenn sie zu oft wiederholt wird oder wenn es eigentlich neue Ereignisse gäbe, die viel aufregender zu berichten wären als zum x-ten Mal die alte Geschichte zu erzählen.

Aber Schumacher weiß eben, dass das dazu gehört auf dem Weg, seine eigene Geschichte zu schreiben. Allein, es in die Formel 1 zu schaffen, einen der aktuell 20 so begehrten Plätze zu bekommen, ist eine großartige Leistung. Für die sich der 21-Jährige "gut aufgestellt" fühlt "mit der Erfahrung, die ich in den vergangenen Jahren gesammelt habe". Und der selbst ohnehin viel lieber die Herausforderung annimmt, die ihm Mattia Binotto stellt, der Teamchef von Ferrari, in deren Nachwuchsprogramm Schumacher reifte: "Die Aufgabe war, sich zu steigern und Fortschritte zu machen." Das gilt jetzt auch für die Formel 1. Aber das kennt Mick Schumacher schon.

Quelle: ntv.de