Formel1

Neuer Vertrag für Saison 2021 Hülkenberg winkt einmalige Topteam-Chance

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Hülkenberg sucht noch ein Cockpit für 2021.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Als Aushilfsfahrer brilliert Nico Hülkenberg beim Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring. Für die kommende Saison ist er zwar noch ohne Vertrag, doch ntv-Motorsportexperte Felix Görner ist sicher, dass der Deutsche 2021 ein Cockpit bekommt. Womöglich sogar eines bei einem Topteam.

Auch wenn die 60 Runden auf dem anspruchsvollen Nürburgring ihm einiges abverlangt hatten, für eine schlagfertige Antwort reicht die Kraft bei Nico Hülkenberg fast immer. "Gar nicht so schlecht für einen Halbtagsarbeiter", erklärte der Formel-1-Pilot am RTL-Mikrofon in der für ihn typischen humorvollen und zugleich selbstironischen Art und Weise. Beim Großen Preis der Eifel setzte Racing Point ihn zum dritten Mal in diesem Jahr als Ersatzfahrer ein, und der 33-Jährige überzeugte von Startposition 20 aus mit einer eindrucksvollen Aufholjagd bis auf Platz acht und damit in die Punkteränge.

Wesentlich verhaltener, wenn auch zuversichtlich, klang dann Hülkenbergs Antwort auf die Frage, was seine starke Leistung für die Saison 2021 bedeutet. "Es gibt weiterhin Gespräche" darüber, ob er wieder als Vollzeit-Fahrer in die Königsklasse zurückkehrt, aber "es wird noch eine Weile dauern", bis es eine finale Entscheidung gebe. Denn die Cockpits in der Formel 1 sind schwer umkämpft.

Dabei gilt Hülkenberg nicht erst seit seiner spontanen Berufung am Nürburgring als einer der besten Fahrer, die für 2021 noch ohne Vertrag sind. Erst kurz vor dem Qualifying hatte Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer den Deutschen rekrutiert, der dann ohne einzige Trainingsrunde zwar auf dem letzten Startplatz landete, sich im Rennen aber nach vorne arbeitete und anschließend von den Fans zum "Fahrer des Tages" gewählt wurde. "Das ist eine großartige Leistung auf einer sehr schwierigen Strecke", resümierte daher ntv-Motorsportexperte Felix Görner: "Das kann man gar nicht hoch genug bewerten."

"Beste Option ist sicherlich Haas"

Für Görner ist die Frage daher nicht, ob Hülkenberg in der kommenden Saison wieder in der Formel 1 antritt, sondern für welches Team. Wie der Rheinländer "ohne Training ein Auto am Limit bewegen kann", beeindruckte Görner. Ohne Training einerseits, weil Hülkenberg im Qualifying seine ersten Runden im pink lackierten RP20 drehte. Und andererseits, weil er "nicht top austrainiert ist", so der ntv-Experte. Was nicht daran liegt, dass Hülkenberg sich privat nicht fit hält, sondern daran, dass die Belastung im Rennauto schlicht nicht vollständig trainiert werden kann.

Das berichtete auch der Aushilfspilot selbst: "In der Hälfte des Rennens ist mit der Nacken eingebrochen." Die Fliehkräfte besonders in den schnellen Kurven sind so groß, selbst die beste Vorbereitung verhindert diese Erschöpfung nicht. "Physisch hat es nicht gereicht", so Hülkenberg, um in der Schlussphase den vor ihm fahrenden Ferrari von Charles Leclerc noch zu attackieren.

Dass er sich aber überhaupt in diese Position gebracht hat, sei "gute Werbung für meine Personalie", wie Hülkenberg sagte. Die kann er gebrauchen, weil die freien Stellen im F1-Fahrerfeld immer weniger werden, er eine solche aber gerne besetzen würde. "Die beste Option ist sicherlich bei Haas", sagt Görner, denn "Teamchef Günther Steiner hält große Stücke auf Nico Hülkenberg." Schon vor dieser Saison gab es Gerüchte um ein Engagement des Deutschen beim amerikanischen Rennstall, dessen Piloten Kevin Magnussen und Romain Grosjean zuletzt nur selten überzeugten.

Sucht Red Bull wieder eine Nummer zwei?

Ein Engagement bei Alfa Romeo erscheint zwar möglich, da auch die Schweizer noch kein Cockpit für 2021 vergeben haben. Aber sehr vieles deutet darauf hin, dass Mick Schumacher an der Seite des erfahrenen Kimi Räikkönen in die Formel 1 aufsteigen wird. Allerdings bringt Görner noch eine andere Option ins Spiel, eine, die Hülkenberg erstmals ein siegfähiges Auto verschaffen würde: Red Bull.

Max Verstappen ist dort unumstritten, schließlich ist der Niederländer alleinverantwortlich dafür, dass die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas nicht jeden Sieg unter sich ausmachen. Sein Teamkollege Alexander Albon dagegen erfüllt die großen Hoffnungen bislang noch nicht, die mit seiner Beförderung von Toro Rosso (inzwischen Alpha Tauri) verbunden waren. Während Verstappen in der laufenden Saison achtmal aufs Podium fuhr - und damit immer, wenn er das Ziel erreichte -, landete Albon nur ein einziges Mal in den Top Drei. In der Fahrerwertung liegt der Thailänder hinter Sergio Pérez im schwächer eingeschätzten Racing Point, obwohl Pérez wegen seiner Corona-Infektion sogar zwei Rennen verpasste.

Daher scheint es nicht ausgeschlossen, dass Red Bull zur kommenden Saison seine Nummer zwei auswechselt. Denn Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko betonte mit Blick auf den großen Abstand zwischen seinen Piloten in den vergangenen Wochen wieder und wieder: "Albon muss performen, dann bleibt er." Auf dem Nürburgring gelang ihm das nicht, weil er sich erst wegen Verursachens einer Kollision eine Zeitstrafe einhandelte und kurz darauf das Rennen vorzeitig aufgeben musste.

"Nico macht keinen Mist"

Görner geht deshalb davon aus: "Wenn Albons Formkurve gegen Saisonende nach unten geht, dann steigen die Chancen für Nico Hülkenberg." Es wäre eine ungewöhnliche Verpflichtung für Red Bull, schließlich bilden die Österreicher ihren Nachwuchs eigentlich beim Schwesterteam Alpha Tauri, vormals Toro Rosso, aus. Im Vergleich mit dem neunfachen Rennsieger Verstappen scheiterten an diesem Schritt zuletzt allerdings Daniel Kwjat und Pierre Gasly. Sollte Albon ebenfalls für nicht gut genug befunden werden, könnte Hülkenbergs Chance darin liegen, dass Red Bull womöglich niemandem aus dem eigenen Nachwuchsprogramm zutraut, Verstappen herauszufordern.

"Was für Hülkenberg spricht, sind seine Erfahrung und sein Biss", sagt Görner. Dazu habe der 33-Jährige einen "sehr guten Draht" zum zehn Jahre jüngeren Verstappen, "die beiden verstehen sich, sprechen Niederländisch miteinander." Ein solches gegenseitiges Verständnis ist nicht zu unterschätzen, wie Red Bull gleich doppelt feststellen musste: 2010 kollidierten Sebastian Vettel und Mark Webber in der Türkei, 2018 in Aserbaidschan krachte es zwischen Verstappen und Daniel Ricciardo.

So sehr Formel-1-Teams sich wünschen, dass ihrer Fahrer sich gegenseitig zu Höchstleistungen antreiben, so sehr verabscheuen sie es, wenn dieser Konflikt in kaputten Frontflügeln und aufgeschlitzten Reifen endet. Vielleicht nimmt sich Red Bull daher ein Beispiel an Mercedes, das nach dem überraschenden Karriereende von Nico Rosberg auf einen zweiten Fahrer setzte, der Lewis Hamilton zwar herausfordern kann und soll, im Zweifel aber zurücksteckt. Denn die harten Zweikämpfe zwischen Rosberg und Hamilton mündeten gleich mehrfach in konsternierten Gesichtern am Kommandostand - oder wie in Spanien 2016 mit zwei kaputten Boliden im Kiesbett.

Ein Szenario, das Görner bei der potenziellen Paarung Verstappen/Hülkenberg für ausgeschlossen hält: "Nico ist einer, der sein Auto unter Kontrolle hat und keinen Mist macht." Dem Deutschen könnte eine ähnliche Rolle zukommen wie Valtteri Bottas, dem Rosberg-Nachfolger bei Mercedes. Denn auch wenn der Seriensieger es nicht offen kommuniziert, ist der Finne hinter Hamilton die klare Nummer zwei: nah dran, ohne ernsthaft gefährlich zu werden. Eine solche Nummer zwei hinter Verstappen sucht Red Bull seit Jahren, die Lücke könnte der Rheinländer füllen. Ob aus dem Gedankenspiel Realität wird, das sagte Hülkenberg ja ohnehin zur Entscheidung über seine Zukunft, wird allerdings "noch eine Weile dauern".

Quelle: ntv.de