Formel1

Schumacher-Rekord unerreichbar Lewis Hamilton gibt nach Demütigung Saisonziel auf

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Bislang gewann Hamilton in jeder seiner 15. Formel-1-Saisons mindestens ein Rennen - hält diese Serie auch im 16. Jahr?

(Foto: IMAGO/Motorsport Images)

Platz 13 in der Quali, Platz 14 im Sprint, Platz 13 im Rennen - das Wochenende in Imola ist für Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton ein Tiefpunkt. Entsprechend niedergeschlagen verabschiedet sich der Mercedes-Pilot von seinem großen Ziel für 2022 - und bleibt dennoch zuversichtlich.

Schon die großflächige Einblendung in Runde 39 machte deutlich, wie miserabel es derzeit für Lewis Hamilton läuft. Die internationale Formel-1-Regie entschied sich zu diesem Zeitpunkt, den Abstand zwischen dem Rekordweltmeister im Mercedes und Max Verstappen, dem amtierenden Champion, einzublenden. Immerhin lagen die Boliden der beiden Ausnahmepiloten ja nah beieinander auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola. Allerdings nur, weil sich Verstappen schon nach rund zwei Dritteln des Großen Preises der Emilia-Romagna anschickte, Hamilton zu überrunden.

Mehr als 77 Sekunden lag dieser zurück, bei Rundenzeiten von rund 80 Sekunden. Wenig später schwenkten die Streckenposten blaue Flaggen für den Briten: bitte ausweichen und schnelleres Auto vorbeilassen. In Runde 41 folgte die Demütigung, als Hamilton auf der Start-Ziel-Geraden sichtbar das Gaspedal lupfte, um in Verstappen den herausragenden Mann der drei Imola-Tage vorbeiziehen zu lassen. Während er selbst letztlich als 13. gewertet wurde und mit den Eindrücken des vierten Rennwochenendes der Saison resümierte: "Mit der WM habe ich dieses Jahr nichts zu tun, das steht fest."

Der WM-Stand nach dem 4. von 23 Rennen

1. Charles Leclerc - Ferrari - 86 Punkte
2. Max Verstappen - Red Bull - 59
3. Sergio Perez - Red Bull - 54
4. George Russell - Mercedes - 49
5. Carlos Sainz - Ferrari - 38
6. Lando Norris - McLaren - 35
7. Lewis Hamilton - Mercedes - 28
8. Valtteri Bottas - Alfa Romeo - 24
...
14. Sebastian Vettel - Aston Martin - 4
19. Mick Schumacher - Haas - 0
20. Nico Hülkenberg - Aston Martin - 0

Auch wenn Hamilton damit nur ausformulierte, was die interessierte Öffentlichkeit und ziemlich sicher auch er selbst längst wussten: Es dürfte ein schmerzhaftes Eingeständnis gewesen sein. Es stehe überhaupt nicht zur Debatte, sagte der 37-Jährige, dass er dem WM-Führenden Charles Leclerc noch gefährlich werden könne. Das hatte der Grand Prix auf der 4,909 Kilometer langen Traditionsstrecke im Norden Italiens einmal mehr schonungslos offenbart. Teamchef Toto Wolff bat seinen Piloten über Funk sogar um Entschuldigung, bezeichnete den Mercedes als "unfahrbar" und das Rennen als "schrecklich".

Das Problem lässt sich nur an der Strecke lösen

Interne Schuldzuweisungen gebe es aber nicht, sagte Wolff am Wochenende im Gespräch mit RTL/ntv. "Was es gibt, ist 'Tough Love', wir greifen massiv mit dem Finger rein, wo es wehtut. Wir analysieren auch gnadenlos, wenn wir etwas falsch gemacht haben", so der Österreicher. Eine Szene, in der er und Hamilton in der Mercedes-Box nach dem Qualifying augenscheinlich aneinandergerieten, dürfte daher eher Ausdruck der Frustration sein, nach Jahren des einzigartigen Erfolges und acht Konstrukteurstiteln in Serie vorerst abgestürzt zu sein. Der im Zuge der Regeländerungen vollständig neu konzipierte W13 ist aktuell bestenfalls Mittelmaß, der Rückstand auf Ferrari und Red Bull gewaltig.

In Imola fehlte Hamilton einmal mehr der Topspeed, über 40 Runden gelang es nicht, Pierre Gasly im Alpha Tauri zu überholen. "Ein Wochenende zum Vergessen" resümierte der siebenfache Weltmeister, nachdem er sich mit den Plätzen 13 (Qualifying), 14 (Sprint) und 13 (Rennen) jeweils am Ende des Mittelfelds wiedergefunden hatte. Kein Auto hüpft infolge des abreißenden Luftstroms am Unterboden so erkennbar stark wie der Mercedes - George Russell berichtete in Imola von Schmerzen im Oberkörper, die das harte Auf und Ab verursache. Wolff sagte RTL/ntv sogar, das Hüpfen sei so heftig, "dass die Fahrer einen Osteopathen brauchen, um alles wieder richtig zu ordnen".

Zur Spitze fehlt pro Runde deutlich mehr als eine Sekunde - und die Problemlösung scheint kompliziert. Das "ist viel schwieriger zu beheben, als wir es uns hätten vorstellen können", sagte Hamilton. Erschwerend komme hinzu, dass dieses so grundlegende Problem des Autos im Windkanal nicht reproduzierbar sei. Mercedes bleibt daher nur, mit Lösungsansätzen zu den Rennwochenenden zu reisen und in den Trainings zu testen, ob die erhoffte Besserung eintritt. Die im Vorjahr eingeführte Budgetobergrenze schränkt zudem dahingehend ein, dass jede Investition wohlüberlegt sein muss, da sonst die Mittel an anderer Stelle fehlen.

"Schmerzhaft", aber erfolgreich?

Für Hamilton bedeutet das zunächst, dass er auch nach dieser Saison den Titel des Rekordweltmeisters mit Michael Schumacher teilen wird. Eigentlich wollte der 37-Jährige nach dem achten Triumph greifen, der ihn statistisch endgültig zum erfolgreichsten Piloten der Königsklasse des Motorsports machen würde. Es ist die letzte große Bestmarke des einstigen Ferrari-Helden, die Hamilton noch nicht übertroffen hatte. Siege, Pole Positions, Podiumsplätze, überall führt der Brite die Ranglisten an. Sein Vertrag bei Mercedes gilt noch bis 2023, Gerüchten über einen vorzeitigen Abschied trat Hamilton entschieden entgegen.

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"Nur weil wir es derzeit nicht einfach haben, schmeiße ich doch nicht alles hin", sagte der Brite, der bislang in jeder seiner 15 Formel-1-Saisons mindestens einen Sieg gefeiert hat, ebenfalls Rekord. Dass er im 16. Jahr erfolglos bleibt, ist für ihn trotz der schon abgeschriebenen Chance auf den achten WM-Titel keine Option. Zu sehr dürfte außerdem immer noch die skandalumwitterte Niederlage im Saisonfinale 2021 nachwirken, als Verstappen in der letzten Runde des letzten Rennens vorbeigezogen war.

Eine Niederlage, die Hamilton nicht auf sich sitzen lassen möchte. Entsprechend gering ist die Chance, dass der sonst so erfolgreiche Brite vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigt. Auch wenn die aktuelle Situation "schmerzhaft" sei - und der Weg zurück an die Spitze große Anstrengungen und viel Geduld erfordern dürfte.

Quelle: ntv.de

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