Formel1

Medizin setzt auf Stärken der F1 Mercedes-Team entwickelt Beatmungsgerät

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Weil der Rennbetrieb ruht, haben die Teams Kapazitäten frei.

(Foto: imago images/HochZwei)

In nur 100 Stunden vom Auftrag bis zur Fertigstellung: Sieben Formel-1-Teams helfen im Kampf gegen die Coronavirus-Krise. Mercedes stellt jetzt ein Beatmungsgerät vor. Die Medizin macht sich damit die Stärken der Rennställe zunutze.

Die Formel 1 steht still und niemand weiß, wann die Saison 2020 starten könnte. Doch statt sich in der Motorsport-freien Zeit zurückzulehnen, bringen sich die sieben in Großbritannien ansässigen Rennställe ein, um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie zu bekämpfen. Mercedes, Red Bull Racing, McLaren, Williams, Renault, Haas und Racing Point haben das "Project Pitlane" initiiert, um den britischen Behörden bei der Eindämmung der Pandemie und ihrer Folgen zu helfen.

Der erste Erfolg dieser Kooperation ist laut offizieller Mitteilung der Formel 1 bereits im Einsatz: Das Mercedes-Team hat ein Beatmungsgerät entwickelt, das an Covid-19 erkrankten Menschen eine intensiv-medizinische Behandlung ersparen soll. Der National Health Service, die britische Gesundheitsbehörde, hat die Maschine inzwischen genehmigt. Schnellstmöglich sollen klinische Tests erfolgen, um das dringend benötigte, weil derzeit in zu geringer Menge verfügbare, Gerät anschließend in größerer Stückzahl zu fertigen und landesweit nutzen zu können.

Wenige Tage statt mehrere Jahre

"Vom ersten Treffen bis zur Produktion des ersten Gerätes sind weniger als 100 Stunden vergangen", schrieb das University College London (UCL), mit dem Mercedes zusammenarbeitet, in einer Mitteilung. Ingenieure der Mercedes-Motorenabteilung, des College sowie Ärzte des zum College gehörenden Krankenhauses sei es gelungen, eine Maschine zu entwickeln, die es Patienten mit Lungenerkrankung ermöglicht, durch eine Maske zu atmen, ohne dass dafür Röhren durch den Mund oder die Haut verlegt werden müssten.

Dafür sei eine bestehende, in China und Italien eingesetzte, in Großbritannien bislang aber nicht zugelassene Technik per "reverse engineering" in kürzester Zeit analysiert, rekonstruiert und verbessert worden. Normalerweise dauere ein solcher Vorgang mehrere Jahre, wie UCL-Ingenieur Tim Baker sagte: "Angesichts der großen Nachfrage sind wir dankbar dafür, diesen Prozess auf wenige Tage verkürzen zu können." Mithilfe von Computer-Simulationen sei es laut Baker gelungen, eine moderne Maschine zu bauen, "die für die Massenfertigung geeignet ist".

Für die Geschwindigkeit war dabei eines von besonderem Nutzen, so Baker: "Wir konnten uns die Fähigkeiten der Formel 1 zunutze machen." Denn die Teams sind es aus dem Motorsport gewohnt, innerhalb kürzester Zeit Probleme zu erkennen, Lösungen zu entwickeln und in der Praxis zu testen. Diese Expertise soll das "Project Pitlane" nutzbar machen, das eine Antwort auf eine Bitte der Regierung nach Unterstützung im Kampf gegen das Coronavirus ist. Zahlreiche Unternehmen bringen sich dort ein, um Beatmungsgeräte so schnell wie möglich verfügbar zu machen.

Quelle: ntv.de