Formel1

Hülkenberg stark in Silverstone Verstappen düpiert Mercedes, Vettel wütet

Im fünften Rennen der Formel-1-Saison steht erstmals kein Mercedes auf Platz eins: Max Verstappen durchbricht die Dominanz, trotzdem holt Lewis Hamilton Michael Schumacher ein. Aushilfspilot Nico Hülkenberg fährt lange um Platz vier, während Sebastian Vettel seinem Ferrari-Team Vorwürfe macht.

Verstappen vernascht Mercedes, Hülkenberg verpasst sein Premieren-Podest, Vettel schimpft sich nur noch durchs Formel-1-Mittelfeld: Red-Bull-Pilot Max Verstappen hat im Reifenpoker von Silverstone die Mercedes-Siegesserie im fünften Saisonrennen durchbrochen. Corona-Ersatzmann Nico Hülkenberg kämpfte im skandalumwitterten Racing Point lange um sein erstes Podium im 178. Anlauf, wurde aber letztlich wegen eines Sicherheits-Boxenstopps Siebter.

Sebastian Vettel hingegen haderte mal wieder mit seinem Auto und den Ferrari-Strategen - und kam auch wegen eines Drehers nicht über den enttäuschenden zwölften Rang hinaus. "Durch meinen frühen Boxenstopp war die Strategie für den Eimer, wir hätten viel mehr Boden gutmachen können", sagte Vettel bei RTL: "Aber ab dem Moment war das Rennen Quark."

Der junge wilde Niederländer Verstappen düpierte bei seinem neunten Formel-1-Sieg die scheinbar unschlagbaren Mercedes mit einer mutigen Reifenstrategie und viel Gefühl im Fuß. Weltmeister Lewis Hamilton wurde zumindest Zweiter vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas. In der WM hat er nun 30 Punkte Vorsprung auf den neuen Zweiten Verstappen.

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"Bisher hatten wir nicht die Gelegenheit, richtig Druck auf Mercedes zu machen, heute war das anders", sagte Verstappen: "Das hatte ich so nicht erwartet. Wir hatten einen großartigen Tag, eine tolle Strategie." Hamilton haderte über das gesamte Rennen mit seinen Pneus, "wenn man deren Reifen sieht, hatten sie nicht die gleichen Probleme wie wir", sagte er später: "Mit dieser Blasenbildung habe ich nicht gerechnet." Dennoch egalisierte Hamilton auf seiner Heimstrecke, auf der er siebenmal gewann, mit seinem 155. Podestplatz einen weiteren Formel-1-Rekord von Michael Schumacher. Weiterhin trennen den 35-Jährigen nur vier Rennsiege und ein WM-Titel vom Kerpener.

Hülkenberg verlor am Start seinen dritten Platz an Verstappen und fuhr lange auf Kurs Platz vier. Dass der Emmericher in der kommenden Woche in Barcelona noch einmal für den an Covid-19 erkrankten Mexikaner Sergio Perez starten wird, schloss Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer vor dem Rennen quasi aus. In der Vorwoche verhinderte ein defekter Getriebebolzen Hülkenbergs Renncomeback nach gut acht Monaten.

"Ihr habt es vermasselt"

Der im Dauerkrisenmodus befindliche Ex-Weltmeister Vettel verlor im Ferrari sein Rennen an einem wieder mal verlorenen Wochenende bereits in der ersten Kurve, als er mit einem Reifen kurz aufs Gras kam, sich ohne Gegnerkontakt drehte und sich vom letzten Platz mühsam nach vorne kämpfen musste.

An der Spitze konnten sich Bottas und Hamilton überraschend nicht von Verstappen absetzen. Die Medium-Reifen der Mercedes-Piloten bauten schnell ab, der auf der härteren Mischung gestartete Verstappen übernahm so nach dem ersten Reifenwechsel der nachtschwarzen Silberpfeile nach 15 Runden die Führung. Auch mit dem härtesten Reifensatz hatte vor allem Hamilton erhebliche Probleme.

Vettel wurde nach 23 Runden von Ferrari an die Box beordert - äußert widerwillig, wie man dem Boxenfunk entnehmen konnte. Der Deutsche war der Ansicht, dass seine Walzen noch gut in Schuss waren. "Ich gebe weiter mein Bestes. Aber ihr wisst, dass ihr es vermasselt habt", wetterte Vettel wenig später, als er auf Rang 13 hinter einem Trio festhing.

Protest verlängert das Wochendende

Verstappen wechselte in Runde 27, kam nach einem fehlerhaften Stopp seiner Red-Bull-Crew knapp hinter Bottas auf die Strecke, jagte dem Finnen aber schon nach wenigen Kurven die Führung wieder ab - und erhielt vom Team freie Fahrt. Anders als in der Vorwoche, als in der Schlussphase bei Hamilton, Bottas und McLaren-Pilot Carlos Sainz die Reifen platzten, setzten die meisten Piloten dieses Mal auf zwei Stopps, die denkwürdigen Bilder wiederholten sich nicht.

In Silverstone ging es dafür auf sportpolitischem Parkett rund: Fünf der zehn Rennställe haben ihre Absicht bekundet, gegen das Urteil in der Kopier-Affäre um Racing Point in Berufung zu gehen. Dies sind Ferrari, McLaren, Williams, Renault und auch Racing Point selbst.

Sie haben bis Mittwoch Zeit, diese Absicht zu bestätigen. Der Fall, in dessen Zentrum bislang der illegale Designprozess technisch legaler Bremsbelüftungen steht, würde vor dem internationalen Berufungsgericht der Fia verhandelt. Dies würde Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.

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Racing Point wurde am Freitag mit einer Geldstrafe von 400.000 Euro und dem Abzug von 15 WM-Punkten in der Konstrukteurswertung belegt. Das Team fühlt sich zu Unrecht bestraft. Den weiteren beteiligten Parteien geht die Strafe nicht weit genug, zumal Racing Point die fraglichen Bremsbelüftungen, die unerlaubterweise dem Design von Mercedes entsprechen, weiterhin einsetzen darf.

Quelle: ntv.de, Jean-Louis Doublet und Marco Heibel, sid