55 Jahre Bundesliga

Redelings über die Saison 14/15 Dortmunds Klopp rät, Bayern-Fan zu werden

IMG_ALT
imago16469488h.jpg

Klopp geht nach sechs Jahren Dortmunder Fußballrausch freiwillig.

(Foto: imago/Uwe Kraft)

Die Saison kostet Borussia Dortmund Nerven - und den Trainer. Jürgen Klopp hört nach einer Spielzeit am Rande des Abstiegs auf. Ein Kollege enthüllt derweil, warum Guardiola eine Glatze hat und der HSV rettet sich in letzter Sekunde mit einem flotten Spruch.

Was ist das nur für eine gruselige erste Halbserie für den BVB gewesen? Und auch nach dem 19. Spieltag Anfang Februar und einer 0:1-Heimpleite gegen den FC Augsburg stehen die Dortmunder noch immer auf dem letzten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga - mit nur 16 Punkten. Ein ungewohntes Bild. Einen solchen Saisonverlauf hatte sich nach sechs Jahren im Fußballrausch unter Klopp niemand vorstellen können - auch der Trainer selbst nicht.

Noch im Dezember kontert er Fragen zur Lage der Borussia gewohnt launig: "Wer nur Erfolg haben will, hat nur eine Chance: Bayern-Fan werden." Doch dann spitzt sich die Lage um den BVB immer mehr zu. Ein harter Abstiegskampf scheint bevorzustehen. Das zehrt an den Nerven der Fans und zunehmend auch an denen der Offiziellen. Bereits zu diesem noch frühen Zeitpunkt in der Saison reift in Jürgen Klopp eine Entscheidung heran, die er am 15. April auf einer viel beachteten Pressekonferenz verkünden wird: Zum Ende der Spielzeit wird er seinen Posten als Cheftrainer von Borussia Dortmund zur Verfügung stellen!

An der Spitze herrscht Langeweile

ANZEIGE
55 Jahre Bundesliga - das Jubiläumsalbum: Unvergessliche Bilder, Fakten, Anekdoten
EUR 19,90
*Datenschutz

Dass die Saison für den BVB keine gute werden könnte, war nach neun Sekunden des ersten Spieltags zu erahnen. In diesem Augenblick schießt Leverkusens Karim Bellarabi seine Mannschaft im Westfalenstadion so schnell in Führung, wie es zuvor noch kein Akteur in der Liga-Geschichte getan hatte. Am Ende siegt Bayer mit 2:0, und der Fehlstart der Borussia ist perfekt.

An der Tabellenspitze macht sich schnell die gewohnte Langeweile breit. Der FC Bayern überbietet seine Bestmarke aus der Vorsaison und bleibt unglaubliche 22 Mal ohne Gegentor. Damit fällt auch ein Rekord aus der Saison 2001/2002. Mit seinen 20 Spielen zu null löst Manuel Neuer den ehemaligen Nationalkeeper Oliver Kahn in dieser Statistik ab. Der Ballbesitz-Fußball der Bayern gipfelt am sechsten Spieltag gegen den 1. FC Köln in einer weiteren Bestmarke: Xabi Alonso ist in dieser Partie 206 Mal am runden Leder.

imago25365739h.jpg

Freunde fürs Leben: José Mourinho lästert über seinen Münchner Kollegen Josep Guardiola.

(Foto: imago/Sportimage)

Die Dominanz des Rekordmeisters drückt der Werder-Profi Sebastian Prödl so aus: "München ist wie ein Zahnarztbesuch. Muss jeder mal hin. Kann ziemlich weh tun. Kann aber auch glimpflich ausgehen." Die 0:6-Niederlage der Bremer fällt wohl eher in die Rubrik: ziemlich schmerzhafter Zahnarztbesuch. Der zunehmend klinisch reine Fußball, der unter dem Katalanen Josep Guardiola in München fast zur Perfektion gereift ist, begeistert immer weniger Zuschauer. Zu offensichtlich, zu vorhersagbar sind die Ergebnisse. Auch der Erzfeind des Bayern-Trainers, José Mourinho, lästert: "Wenn einer genießt, was er macht, verliert man seine Haare nicht. Er hat eine Glatze bekommen. Guardiola genießt den Fußball nicht." Da freut sich der unparteiische Fußballzuschauer umso mehr, wenn Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge mal wieder ein sprachliches Bonmot liefert. Anlässlich des 100. Tores von Franck Ribéry gratuliert Rummenigge mit den Worten: "Ich ziehe meinen Hut und sage Champs-Élysées."

"Tomorrow, my friend, tomorrow"

Aufsteiger Paderborn muss nach einer ereignisreichen Saison sofort wieder den Gang in die zweite Liga antreten. Übungsleiter André Breitenreiter verzweifelt schon früh an den Trainingsbedingungen in Ostwestfalen: "Hier laufen Kinder auf den Platz, hier fahren Fahrräder und Hunde pinkeln in die Ecke!" Zwei Rekorde werden die Erinnerung an den SC dennoch länger wachhalten. Am vierten Spieltag schießt Moritz Stoppelkamp beim Heimspiel gegen Hannover 96 den Ball in der 93. Minute aus einer Distanz von 82,3 Metern zum Endstand von 2:0 ins leere Gästetor. Und am 19. Spieltag foult der Paderborner Patrick Ziegler den Hamburger Marcell Jansen so unglücklich im Strafraum des SC, dass der HSV einen Elfmeter zugesprochen bekommt. Gespielt sind zu diesem Zeitpunkt gerade einmal acht Sekunden.

Mit Bruno Labbadia retten sich die Hamburger spektakulär erst in allerletzter Sekunde im Relegationsrückspiel in Karlsruhe. Mit einem direkt verwandelten Freistoß in der Nachspielzeit erzwingt Marcelo Diaz die Verlängerung, die der HSV am Ende mit 2:1 für sich entscheidet. So wenig amüsante Augenblicke die Saison für die Hamburger bietet, so unterhaltsam ist die Story dieses Freistoßes. Denn eigentlich will ihn der etatmäßige Schütze Rafael van der Vaart schießen. Er hatte sich den Ball auch schon zurechtgelegt. Als er den herbeigeeilten Diaz zur Seite schiebt und sagt, "Ich schieße", schnappt sich der Chilene die Kugel vom Niederländer, nickt diesem abgeklärt zu und meint: "Ja, ja. Tomorrow, my friend, tomorrow." Was dann folgt, ist Geschichte.

Das Buch unseres Kolumnisten Ben Redelings: "55 Jahre Bundesliga - das Jubiläumsalbum" bei Amazon bestellen. Live ist er deutschlandweit mit seinen Programmen unterwegs: Infos und Tickets zur Tour.

Quelle: n-tv.de