Fußball

"In der Kürze der Zeit ..." Aogo nennt Lehmann-Rauswurf "Überreaktion"

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Dennis Aogo hat zuletzt am eigenen Leib erfahren, wie wichtig es ist, auf eine angemessene Sprache zu achten. (Archivbild)

(Foto: imago images/Joachim Sielski)

Dass die Veröffentlichung einer Whatsapp-Nachricht so schnelle Konsequenzen nach sich zieht, hat Dennis Aogo nicht erwartet. Der Ex-Fußballprofi spricht von einer "Überreaktion" in Bezug auf den Rauswurf von Jens Lehmann bei Hertha BSC. Er selbst sieht sich gerade massivem Hass ausgesetzt.

Der frühere Fußballnationalspieler Dennis Aogo hält es nach eigener Aussage für falsch, dass Jens Lehmann unmittelbar nach seiner Kritik an dessen rassistischer Äußerung seinen Posten im Aufsichtsrat von Hertha BSC verlor. "Dass Hertha ihn so schnell von allen Ämtern ausschließt, hätte ich nicht erwartet. Das empfinde ich auch in der Kürze der Zeit als Überreaktion", sagte der 34-Jährige dem "Spiegel".

Er wünsche sich, "dass man in solchen Fällen in den Dialog geht und sich austauscht - und damit meine ich nicht, mal kurz dazu telefonieren, sondern dass sich jede Seite Zeit dafür nimmt, die jeweilige Angelegenheit objektiv und intensiv zu betrachten." Danach könne man immer noch darüber nachdenken, ob eine Zusammenarbeit noch möglich sei oder nicht.

Aogo und seine Frau wurden demnach in den vergangenen Tagen selbst massiv beschimpft. "Es ist extrem. Es gab Morddrohungen und äußerst rassistische Beleidigungen gegen mich und meine Frau. Unterste Schublade." In einem Fall erstattete Aogo Strafanzeige: Auf Aogos Facebook-Seite hatte jemand behauptet, Aogo habe das N-Wort in Zusammenhang mit einer obszönen Anmache selbst gebraucht. "Für die Behauptung gab es keine Grundlage, es war sogar ein Fake-Profil. Das ist eine Gefahr", sagte Aogo im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte den Post aufgegriffen und laut eigener Aussage ironisch verwendet. Dazu sagte Aogo: "Ironie in der Politik ist immer etwas schwierig. Inhaltlich habe ich nichts gegen seine Aktion, denn er richtet sich ja auch gegen die Cancel Culture." Er empfinde nur die sprachliche Ebene als problematisch. "Wenn ich das im Kontext betrachte, kann ich die Ironie aber natürlich erkennen. Für mich ist das Thema damit durch."

Spruch kostet Aogo seinen Job

Der frühere Fußballprofi musste in den vergangenen Tagen selbst wegen einer verbalen Entgleisung Konsequenzen ziehen. Er tritt vorerst nicht mehr als Experte bei dem TV-Sender Sky auf. Der 34-Jährige hatte im Rahmen der Übertragung vom Champions-League-Halbfinalspiel Manchester City gegen Paris Saint-Germain in der vergangenen Woche den Ausdruck "Trainieren bis zum Vergasen" gebraucht.

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Der "Bild"-Zeitung sagte Aogo dazu: "Dieses Wort darf man selbstverständlich in überhaupt keinem Zusammenhang verwenden. Das war ein großer Fehler, ich kann mich dafür nur aufrichtig entschuldigen." Die Nationalsozialisten hatten während ihrer Herrschaft in Konzentrationslagern systematisch Millionen von Menschen in Gaskammern ermordet. Zuvor war Giftgas bereits im Ersten Weltkrieg eingesetzt worden.

Einen Tag vor seinem eigenen Fehltritt hatte Aogo die Whatsapp-Nachricht von Lehmann veröffentlicht, in der der ehemalige Nationaltorwart fragte: "Ist Dennis eigentlich euer Quotenschwarzer?" Versehen war der Satz mit einem Lach-Smiley vor dem Fragezeichen. Lehmann hatte daraufhin am Mittwoch seinen Aufsichtsratsposten beim Bundesligisten Hertha BSC verloren. Sky und Sport1 kündigten an, den 51-Jährigen nicht mehr als Gast in ihre Fernsehsendungen einladen zu wollen. Lehmann selbst entschuldigte sich öffentlich bei Aogo.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa

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