Fußball

So läuft der 15. Spieltag BVB feiert Titel, FCB die Meinungsfreiheit

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Brazzo? Oder Hasan? Beim FC Bayern wird jetzt wieder geschmust.

(Foto: imago/ActionPictures)

Während der BVB die Herbstmeisterschaft kleinredet und lieber Nuri Sahin groß verabschiedet, geht's beim FC Bayern zu wie in einer guten Ehe. Trotzdem wird der Sportdirektor wieder zum Bürschchen geschrumpft. Und Mönchengladbach setzt auf Torgeilheit.

Was macht der Tabellenführer der Fußball-Bundesliga?

Warum steht der BVB in der Bundesliga-Tabelle derzeit neun Punkte über dem FC Bayern? "Man muss sagen, dass Dortmund ein großes Plus gegenüber dem FC Bayern hat, nämlich den Konkurrenzkampf. Den gibt es in dieser Form derzeit beim FC Bayern München nicht. Die Dortmunder spielen es auch mit der zweiten Mannschaft souverän runter." Sagt Lothar Matthäus - und der hat ja bekanntlich immer Recht. Tatsächlich beweisen die Dortmunder ihre B-Elf-Klasse in der Champions League gegen AS Monaco, wo die Mannschaft von Lucien Favre trotz neunfacher Brachialrotation souverän 2:0 gewinnt. Zweifelt also noch jemand ernsthaft daran, dass der BVB die Herbstmeisterschaft eintüten kann? Nun ja, Sportdirektor Michael Zorc will zumindest nicht darüber reden: "Es ist positiv überraschend, dass wir da stehen, wo wir stehen. Aber wir sind mit kleinen Schritten dahin gekommen. Fragen zur Meisterschaft oder nach dem Herbstmeistertitel bringen uns nicht weiter." Und erklärt: "Herbstmeister ist ein Titel, der kein Titel ist."

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Dann werden am Samstagabend (18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) die BVB-Fans also höchstwahrscheinlich einen Nicht-Titel bejubeln. Und zwar nach dem Spiel gegen Werder Bremen. Sollte der BVB dieses gewinnen, haben sie den imaginären Titel sicher. Bei einem Remis dürfte Gladbach nicht in Hoffenheim gewinnen - die Bayern könnten dann selbst mit einem Sieg in Hannover herbsttiteltechnisch nichts mehr verhindern. Aber Obacht, BVB: Bremens Coach Florian Kohfeldt hat in der Spielvorbereitung extra seine internen Spione befragt. Nuri Sahin spielte bis zum August in Dortmund und wird vor dem Spiel offiziell vom BVB verabschiedet. Werder-Kapitän Max Kruse "hat in Mönchengladbach zwei Jahre unter Lucien Favre gespielt". Und auch dank dieser Expertise hofft Kohfeldt, dem Tabellenführer die erste Saisonniederlage in der Liga zufügen zu können, denn: "Wir haben gesehen, dass es Möglichkeiten für den Gegner gibt, sie zu schlagen." Die Fans würden sie dafür sicherlich bejubeln - ob der Applaus dann auch aus Hamburg ertönt? Massenhaft neue Anhänger ergaunert sich der Klub ja ganz perfide mit einem Trick: In einigen Adventskalendern des Hamburger SV verstecken sich Gutscheine etwa für den Shop oder die Fan-Welt von Werder. "Wir haben bei derselben Firma wie Werder produzieren lassen", erklärt ein HSV-Sprecher. "Es tut uns für unsere Fans leid." Ach, wenn's statt Zweitliga-Fußball plötzlich das Oberhaus gibt … Tipp: 3:1, da helfen Sahins und Kruses Expertise nix.

Beim FC Bayern darf man seine Meinung sagen

Hasan Salihamidzic war nicht zufrieden. Niko Kovac schon. Während der eine (der Hasan) mit leichten Herzrhythmusstörungen nach dem wilden Champions-League-Spiel bei Ajax Amsterdam (3:3) zu kämpfen hatte, fand der andere (der Niko) seinen Frieden in der ersten ungeschlagen Gruppenphase seit zehn Jahren. Nun ist es in München aber ja so, dass sie sich mit allzu abweichenden Meinungen von der Norm (sie setzt der Verein) seit dem 19. Oktober eher schwer tun. Das gilt freilich nur mit von außen angetragenen Urteilen. In der heimeligen Herzkammer des Alphatiergeheges darf schon abweichend analysiert werden. Das hat Kovac nun vor dem Bundesliga-Duell am 15. Spieltag gegen die kriselnden Fußballer von Hannover 96 am Samstag (15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) noch einmal ausführlich dargelegt: "Wir sind nach dem 2:1 wieder gekommen, das Spiel war sehr unterhaltsam. Die Mannschaft hat Mentalität und Leidenschaft gezeigt. Das sind die Dinge, die ich angesprochen habe. Brazzo hat das nicht so Gute angesprochene und das ist auch okay, denn es gab auch bei diesem Spiel Dinge, die wir sicherlich besser können. Diejenigen, die verheiratet sind, wissen, dass es in der Ehe auch unterschiedliche Meinungen gibt." Ganz angetan vom von der Klubführung verschriebenen Profilierungsfuror seines Sportdirektors ist Präsident Uli Hoeneß. Der sagt: "Er hat jetzt Mut, wirklich sehr offensiv nach vorne zu gehen. Das gefällt mir natürlich besonders gut. Muss ja irgendeiner auch übernehmen." Hoeneß, wir erinnern uns, will das ja nicht mehr sein. Bleibt nur eine Frage: Wie wuchtig ist das Wort des Herrn Salihamidzic wirklich, wenn sie ihn intern noch immer "Brazzo", das Bürschchen, nennen?

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Arjen Robben spielt vorerst nicht mehr mit.

(Foto: imago/Sven Simon)

Sei's drum: Nun also Hannover. Die waren zuletzt am 14. Spieltag gegen den FSV Mainz 05 erst ziemlich gut und dann richtig wütend. Weil der Videobeweis einen Elfmeter nicht verhindert hatte - die Folge: der Ausgleich. An den Münchnern perlt das alles ab: "Ein Sieg ist Pflicht, das ist uns allen bewusst", sagt Kovac. Denn die Lage in Sachen Meisterschaftsverteidigung ist mit neun Punkten Rückstand auf den BVB unverändert angespannt. "Wir sind hintendran, wir wollen die Halbserie positiv gestalten. Wir müssen gewinnen, auch die nächsten drei Spiele wollen und müssen wir gewinnen, um den Druck aufrechtzuerhalten." Das muss allerdings ohne Arjen Robben passieren. Denn für den Niederländer ist auf seiner Bayern-Abschiedstournee das Fußball-Jahr 2018 wegen Problemen am Oberschenkel vorzeitig beendet. Und sonst noch so? Thiago könnte für Leon Goretzka mal wieder in die Startelf rücken, Mats Hummels eher nicht. Es herrscht ja eingeschränkte Rotation. Bleibt noch der Tipp: ein maues Münchner 2:0, ein zufriedener Hasan Salihamidzic und ein unzufriedener Niko Kovac.

Wie ist der Tabellenzweite drauf?

Das sollte den Hoffenheimern eine Warnung sein: Alassane Plea trifft am liebsten auswärts. Sieben Tore erzielte der Rekordeinkauf des Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach in dieser Saison schon in fremden Stadien. Jetzt hat er seit drei Spielen nicht getroffen - umso größer dürfte seine Motivation sein, es bei der TSG Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) wieder krachen zu lassen. Schließlich klaute er dem Kollegen Michael Lang in seiner Tornotgeilheit beim Sieg gegen Stuttgart (3:0) sogar einen Treffer - der dann wegen Abseits blöderweise nicht zählte. "Er hat Michael da im Übereifer das Tor geklaut, aber das ist kein Problem. Mir wäre das wahrscheinlich auch passiert, weil ich immer torgeil war. Als Stürmer muss man so sein", sagte Trainer Dieter Hecking nach der Partie. Aber nicht nur der Einsatz von Plea, auch die Statistik spricht für ein torreiches Spiel: In den letzten elf Duellen fielen im Schnitt mehr als vier Treffer. Noch besser: Die Gladbacher schossen in den letzten vier Gastspielen in Sinsheim satte 13 Tore.

Hecking wäre ein schnöder Sieg aber auch recht: "Es muss kein Offensivfeuerwerk werden." Allein schon, weil Hoffenheim ein "richtig guter Gegner" ist, der "alle Facetten des Fußballs beherrscht". Nun, das hat die Mannschaft von Julian Nagelsmann in der Champions League nicht beweisen können. Das Aus in der Gruppenphase besiegelte Manchester City (1:2). Nicht mal mehr für das Trostpflaster Europa League reichte es, was angesichts von null Siegen in sechs CL-Spielen nicht überrascht. Der Tabellensiebte schwankt auch in der Liga. Zuletzt drei Unentschieden (Wolfsburg, Schalke, Hertha) stellen die hohen Ansprüche der Klubführung nicht zufrieden. Gegen Gladbach wird es vermutlich schwierig, die Stimmung aufzuheitern. Tipp: 1:3 und Plea trifft, ohne im Abseits zu stehen.

Was ist sonst noch so los?

1. FC Nürnberg - VfL Wolfsburg (Freitag, 20.30 Uhr): Wolfsburg hat seit dem 11. Spieltag nicht verloren, Nürnberg im gleichen Zeitraum ein Unentschieden gegen Bayer Leverkusen erreicht. Bittere Vorzeichen für den Tabellen-15. - oder? Neun der bisherigen elf Punkte holte der FCN im heimischen Max-Morlock-Stadion. Und überhaupt, was sagt die erste Halbserie schon aus, redet man sich die Situation im Frankenland schön: "Wenn wir den Optimalfall erreichen und alle drei Spiele gewinnen, haben wir den Klassenerhalt nicht geschafft. Und wenn wir im anderen Extremfall alle drei verlieren, sind wir nicht abgestiegen", so Trainer Michael Köllner. Tipp: 1:2

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Andreas Luthe ist ein harter Kerl.

(Foto: imago/Horstmüller)

FC Augsburg - FC Schalke 04: Andreas Luthe sagt von sich selbst, dass er "ganz sicher kein Held" ist. Hart im Nehmen aber schon. Nachdem sich der Torwart des FC Augsburg im Spiel gegen Bayer Leverkusen ein Stück seiner Zunge abgebissen hatte, meldet er sich für die Partie gegen den FC Schalke 04 fit. Und nimmt nochmal seine Ärzte in Schutz, dass er die Partie am vergangenen Samstag zu Ende gespielt hat: Der Arzt habe ihm gesagt, dass er sofort runter müsse, wenn er etwas merke. "Er hat mich dann auch weiter beobachtet. So war die Absprache - und so ging es dann auch weiter. Das mit der Zunge habe ich gar nicht gemerkt", so Luthe. Gegen Schalke muss er zumindest nicht mit einem geballten Sturm-Sturmlauf rechnen, schließlich gehen den Gelsenkirchenern seit Wochen die Offensivspezialisten aus. Tipp: 1:1

Fortuna Düsseldorf - SC Freiburg: "Düsseldorf setzt ein Zeichen" - zumindest auf den Trikots. Dieser Schriftzug wird die Leibchen nämlich am Samstag zieren, um die Bürger-Stiftung zu unterstützen. In den vergangenen Jahren hat Fortuna so bereits 420.000 Euro eingespielt. Fußballerisch gilt: Ein Zeichen auf der Brust und den SC Freiburg vor der Brust. "Eine Mammutaufgabe", wie Trainer Friedhelm Funkel es ausdrückt. Allein schon wegen Nils Petersen. Dem Stürmer fehlt nur noch ein Treffer, um sich zum alleinigen Freiburger Rekord-Torschützen in der Bundesliga zu krönen. Tipp: 0:3, Petersen macht die Bude

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Nicht nur torhungrig: Pal Dardai.

(Foto: imago/Contrast)

VfB Stuttgart - Hertha BSC (alle Samstag, 15.30 Uhr): Er schwärmt von ungarischem Gulasch, lässt seinen Spielern bei der Ernährung freie Wahl und lockt jetzt mit einer Einladung zum Essen. Pal Dardai bringt für den Endspurt seiner Profis alles auf den Tisch. "Die Mannschaft hat sich selbst ein bisschen unter Druck gesetzt. Ich habe gesagt, dass vier Punkte für mich okay wären. Sie sagen sieben", erklärt der Trainer von Hertha BSC. "Dann würde ich ein Essen für die ganze Mannschaft ausgeben - das würde ich sehr gerne tun." Drei Punkte könnten die Berliner mit einem Sieg in Stuttgart schon einmal einfahren. Beim Tabellen-16. aus dem Schwabenland sollte das trotz Personalproblemen, wegen denen der 19-jährige Panzu Ernesto in den Kader rückt, möglich sein. Tipp: 0:2

RB Leipzig - FSV Mainz 05 (Sonntag, 15.30 Uhr): Schlechter hätte es am Donnerstag für RB Leipzig nicht laufen können. Trotz der Schützenhilfe des Bruderklubs aus Salzburg scheiden die Sachsen aus der Europa League aus, weil sie nicht einmal gegen das zuvor punktlose Rosenborg Trondheim gewinnen (1:1). Dabei ist es sogar ein Heimspiel - was den Leipzigern in der Bundesliga deutlich besser liegt als Partien in der Fremde. Bis Donnerstagnachmittag war es also ein gutes Omen, dass Mainz zu Besuch kommt, auch wenn die Rheinland-Pfälzer der Leipziger Angstgegner sind. Jetzt wird umgetippt auf 2:2

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Gefürchtetes Dreamteam: Sebastien Haller, Luca Jovic und Ante Rebic.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Eintracht Frankfurt - Bayer Leverkusen (Sonntag, 18 Uhr): Sechs Spiele, sechs Siege - das macht einen deutschen Rekord für die Europa-League-Gruppenphase. In Europa ist Eintracht Frankfurt weiter top. In der Bundesliga schwächelt die Mannschaft von Adi Hütter dagegen und konnte seit dem 24. November nicht punkten. Nun haben sie Bayer Leverkusen zu Gast, die im gleichen Zeitraum sieben Zähler einspielten und dennoch in der Tabelle fünf Punkte hinter dem Wochenend-Gegner stehen. Im Gegensatz zum EL-Spiel bei Lazio Rom, wo Frankfurts Erfolgscoach Hütter zwei Drittel seines "magischen Dreiecks" Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller schonte, werden alle drei gegen Leverkusen spielen. Und zwar nicht irgendwie. "Wir können nun mit breiter Brust gegen Leverkusen antreten", gibt Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner die Richtung vor. Tipp: 2:1  

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Vielleicht hilft das dem ein oder anderen, wenn er Motivation draufstehen hat, dass er da auch im Spiel daran erinnert wird." (FC Augsburgs Trainer Manuel Baum über seine Spieler Caiuby, Jonathan Schmid und Konstantinos Stafylidis, die sich jüngst haben tätowieren lassen.)

Quelle: n-tv.de

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