Fußball

So läuft der 15. Spieltag Bayern im Casting-Rausch, die Liga verblödet

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"Nochmal langsam, Fronnnckkk."

(Foto: imago/Michael Weber)

Für den FC Bayern wird der Liga-Alltag zum großen Trainer-Casting - wer will nochmal? Der BVB will seine Ergebnisanomalie überwinden. Der 1. FC Köln lässt bei seiner intensiven Krisenforschung nichts unversucht.

Was macht der FC Bayern?

Nach der 3:1-Trauma-Monster-Vertreibung in der Champions League gegen Paris Saint-Germain sollte auch der Letzte verstanden haben, dass mit dem FC Bayern München zu rechnen ist. Oder wie Thomas Müller anmerkt: "Wir sind schon noch der FC Bayern!" Skandalös, wer etwas anderes denkt! Nun ist es so, dass die Frankfurter Eintracht wenig Anlass hat, die bajuwarische Dominanz infrage zu stellen, denn die Hessen haben seit dem Jahr 2000 in der Fußball-Bundesliga genau drei Spiele gegen den FC Bayern gewonnen. Diese Statistik lag offenbar auch Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner vor, als er feststellte: "Die Bayern sind ein übermächtiger Gegner, da treffen Welten aufeinander." Dass die aber nicht immer so weit voneinander entfernt liegen, zeigt ein Blick auf die Tabelle: 32 Zähler hat der Tabellenführer aus München eingesammelt, 22 der Liga-Achte Frankfurt.

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Geschätzter Trainer: Niko Kovac von Eintracht Frankfurt.

(Foto: dpa)

Womöglich gibt es demnächst sogar ein Bindeglied - heißer Kandidat auf den freiwerdenden Platz auf der Trainerbank des FC Bayern soll Nico Kovac sein. Der Trainer der Eintracht beteuert zwar, das auch in Zukunft bleiben zu wollen, doch es wäre nicht das erste Mal, dass sich Treuebekenntnisse am Ende der Saison als Halbwahrheiten entpuppen. Und, Jupp Heynckes, macht's der Kovac? Leider kein Kommentar. Da es bekanntermaßen kein Arbeitspapier gibt, welches die in Heynckes' Zuständigkeitsbereich fallenden Tätigkeiten genauer regelt, ist das wohl sein gutes Recht. Dass ihm die Arbeit von Kovac in Frankfurt gefällt ("laufstark, kampfstark, bissig"), daraus macht Heynckes indes kein Geheimnis. Das sei die Handschrift von Kovac: "Er macht einen richtig guten Job, unaufgeregt, fachlich, klare Analysen, also das gefällt mir schon, muss ich ganz ehrlich sagen", lobt Heynckes.

Ansonsten wird der 72-Jährige längst über wichtigeren Fragen grübeln - wie der Startelf. In Frankfurt kommt es, so Heynckes will, zum Aufeinandertreffen von Jérôme ("will nur Fußball spielen" - Lob vom "Spiegel") und Kevin-Prince ("liebt die Aufmerksamkeit" - Kritik vom "Spiegel") Boateng. Ein Brüderduell, auf das man durchaus gespannt sein darf - auch wenn die Stigmatisierung zum Duell "Musterprofi gegen Bad Boy" überholt ist. Der ältere Kevin-Prince hat sich dem Kampf gegen Rassismus verschrieben und wurde dafür jüngst mit dem Sonderpreis des Radiosenders "1Live" geehrt. Feine Sache, aber mit einem Gruß an die Statistiker tippen wir auf ein 2:0 für Bayern.

Wie geht's dem BVB?

Nun, der hat unter der Woche schon wieder verloren (bei Real Madrid). Der hat die Champions-League-Saison ohne Sieg beendet (blamabel), sich mit der Minimalausbeute von zwei Punkten aber tatsächlich in die Europaliga geschummelt (blamabel, aber immerhin) - also genau das getan, was ein hellsichtiger Kollege bereits Mitte Oktober prophezeit hatte (Bravo!). Und - Respekt - Borussia Dortmund praktiziert trotz eines mickrigen Sieges aus zwölf Spielen immer noch "echte Liebe" zum weder siegenden noch fliegenden Holländer Peter Bosz. Womöglich aus "echtem Glauben" an den gemeinsamen Turnaround (O-Töne Watzke und Zorc), wie man im Pottsprech ja sagt. Vielleicht aber auch aus Mangel an "echten Alternativen". Angeblich zählte ja, das nur als kleiner Exkurs, zu den nicht abkömmlichen Interims-Wunschkandidaten neben Ottmar Hitzfeld (Heynckes-Lösung) auch Matthias Sammer (…). Der möchte aber offenbar lieber weiter die wunderbare Warenwelt deutscher Supermärkte genießen und auf dem HSV rumtrampeln, statt den BVB zu retten. Also zelebriert der Bosz-BVB weiter etwas andere Endspielwochen und perfektioniert nebenbei seine Ergebnisanomalie: Nach der 4:4-Niederlage gegen Schalke feierte er diesmal einen 2:3-Sieg gegen Real, nach zwölf Minuten hatte es ja schließlich schon 0:2 gestanden.

Gegen Werder Bremen soll es jetzt aber doch gern mal wieder ein richtiger Sieg sein. Muss sogar, meint Nuri Sahin: "Dieses Spiel müssen wir unbedingt gewinnen. Wir hatten jetzt viel wenn, viel aber. Diese drei Punkte müssen her. Rote Karte, Gelbe Karte, es gibt keine Ausreden!" Muss sogar, sagt auch Kapitän Marcel Schmelzer: "Wir brauchen jetzt wieder einen Sieg. Das ist zwingend notwendig, damit wir wieder Selbstvertrauen und Glauben kriegen." Allerdings will sich Bremen nicht willfährig am Aufbau West beteiligen, sondern tatsächlich selbst gewinnen. Das hat zwar auswärts in dieser Saison noch gar nicht und in Dortmund seit zehn Jahren nicht geklappt. Aber, beteuert Coach Florian Kohfeldt: "Wir fahren mit dem Gedanken nach Dortmund, um dort zu gewinnen." Gute Fahrt! Tipp: 4:2 - für beide.

Was machen die Schalker?

Es gibt ja Leute, die sagen: Die Mannschaft der Stunde ist der FC Schalke 04. Und das, Obacht, sogar außerhalb von Gelsenkirchen. Tabellenplatz drei, drei Punkte mehr als Dortmund, seit acht Spielen ungeschlagen - es läuft für die Truppe von Domenico Tedesco. Selbst Dieter Hecking, der mit seinen Gladbachern die Schalker zum Topspiel empfängt, lobt: "Dass Schalke da steht, ist für mich nicht überraschend. Sie sind eine gewachsene  Mannschaft, die jetzt wieder eine Struktur hat. Ich denke, sie sind in ihrer Entwicklung sogar etwas weiter als wir." Wie weit, hat Tedesco unter der Woche selbst beziffert, es klang wie eine Drohung: "Ich würde sagen, wir stehen bei 65 bis 70 Prozent. Weil wir schon einiges gut machen, dennoch sowohl defensiv als auch offensiv noch mehr Stabilität brauchen." Auch "im Umschaltspiel" müssen wir man noch besser umschalten. Ohne jetzt Wasser ins Veltins kippen zu wollen: Gewonnen haben Tedescos Über-Schalker zuletzt zweimal nicht. Tipp: 3:3. Nach 2:0-Führung für Gladbach.

Gewinnt Köln jetzt endlich?

Die Versuchung, an dieser Stelle einfach mal mit "Ja" zu antworten, ist groß. Bislang gab es in der Geschichte der Bundesliga keinen Verein, der wirklich komplett sieglos geblieben ist. Und immerhin betreibt der 1. FC Köln die Ursachenforschung zur Krise mit vorbildlichem Engagement. Das geht nämlich über die Bundesliga-Standards weit hinaus. Da war zunächst die Entlassung von Trainer Peter Stöger - so weit, so langweilig. Aber dann! Fünf Tage vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg ist der vermeintliche Übeltäter ausgemacht: Der Rasen im Stadion ist derart geschädigt, dass er kurzerhand komplettrasiert und neuverlegt wird. So, liebe Kölner, dann sollte es jetzt aber auch wirklich klappen mit dem ersten Saisonsieg - denn ihr habt ja nicht nur einen neuen Trainer (kurzfristig) und Rasen (längerfristig), sondern mit Armin Veh auch einen neuen Sportdirektor (hoffentlich langfristig).

Und so dramatisch ist die Lage gar nicht: Die Gäste aus dem Breisgau haben zwar als Tabellen-16. mit zwölf Zählern bereits neun mehr als der FC. Sollte Dortmund am Samstag aber gegen Bremen nicht verlieren, würde Köln mit einem Sieg gegen Freiburg auf sechs Punkte an den Relegationsplatz heranrücken. Also noch mal die Schnellrechnung: Trainer + Rasen + Sportdirektor + Schützenhilfe = nur noch drei Mal siegen, wenn die Konkurrenz verliert und der Relegationsplatz ist erreicht. Derartige Rechenspiele sind uns aber eigentlich zu hoch, deswegen hören wir uns jetzt an, was Freiburgs Torjäger Nils Petersen im "Focus" sagt: "Salopp gesprochen, verblöde ich seit zehn Jahren, halte mich aber über Wasser, weil ich ganz gut kicken kann." Nun, zumindest für den Abstiegskampf ist der beste Joker der Liga-Geschichte damit bestens gerüstet. Tipp trotzdem: 1:0

Was ist sonst noch so los?

VfB Stuttgart - Bayer Leverkusen (Freitag, 20.30 Uhr): Nur ausgesetzt, nicht aufgekündigt ist das Europapokal-Abo der Leverkusener in dieser Saison. Nach Holperstart zeigt die Formkurve der Herrlich-Truppe steil nach oben. Nur: Daheim ist Aufsteiger Stuttgart eine Macht. Sieben Spiele, sechs Siege und ein Remis - die Serie wird halten. Tipp: 1:1

Hamburger SV - VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr): Nach dem Freiburg-Spiel war für den HSV vor der Häme, Matthias Sammer trampelte mal so richtig los. Hamburger Fans trösten sich damit, dass nur sechs andere Bundesliga-Trainer länger im Amt sind als Markus Gisdol. Weitaus kürzer dabei ist Remis-König Martin Schmidt - der in Hamburg siegen wird. Tipp: 1:2

RB Leipzig - FSV Mainz 05 (Samstag, 15.30 Uhr): Klatsche in Hoffenheim, Heimpleite gegen Besiktas - richtig rund lief die Woche für RB nicht. Für die Mainzer von Sandro Schwarz reicht es. Tipp: 2:0

Hannover 96 - 1899 Hoffenheim (Sonntag, 15.30 Uhr): Horst Heldt ist immer noch in Hannover und bleibt jetzt wohl auch da. Sandro Wagner ist noch in Hoffenheim und bleibt wohl nicht da. Was Sie sonst noch wissen müssen? Den Tipp: 1:1

FC Augsburg - Hertha BSC (Sonntag, 18 Uhr): Abstiegskandidat? Der FC Augsburg? Die bayerischen Schwaben klopfen an die Europapokalplätze. Und Hertha? Kämpft Europa-ernüchtert und Klinsmann-los gegen den Absturz in der Liga. Tipp: 2:1

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Wenn die Spieler zum Platz gehen, denken sie: Hoffentlich passiert mir heute nichts. Das ist natürlich Mist." Coach André Breitenreiter zum - miserablen -Zustand der Trainingsplätze in Hannover.

Quelle: ntv.de