Fußball

Zorc kontert Mourinho-Gerücht Blutleerer BVB verrät eigene Ansprüche

Bei Borussia Dortmund müssen sie sich nach der Niederlage gegen Inter Mailand nicht nur mit einer überaus schwachen Vorstellung in der Champions League beschäftigen. Auch Gerüchte um Startrainer José Mourinho, der Lucien Favre beerben könnte, machen die Runde.

Wer das Stadion Giuseppe Meazza im Mailänder Stadtteil San Siro betritt, stellt sich unwillkürlich folgende Frage: Warum um Himmels Willen soll einer der imposantesten und traditionsreichsten Prachtbauten des Fußballs in absehbarer Zeit dem Erdboden gleichgemacht werden, um einem noch eindrucksvolleren Neubau zu weichen? Noch wird allerdings im italienischen Fußballtempel gekickt, Borussia Dortmund hat schon manch lohnenswerten Betriebsausflug in die Lombardei unternommen. Das jüngste Gastspiel bei Inter Mailand gehört mit Sicherheit nicht dazu. Der Auftritt der Schwarz-Gelben war viel zu schwach, um bleibenden Erinnerungswert zu generieren.

Inter Mailand - Borussia Dortmund 2:0 (1:0)

Mailand: Handanovic - Godin, de Vrij, Skriniar - Brozovic - Candreva, Barella, Gagliardini, Asamoah (80. Biraghi) - Lukaku (62. Esposito), Martinez (90. Valero). Trainer: Conte
Dortmund: Bürki - Akanji (74. Bruun Larsen), Weigl, Hummels - Hakimi, Delaney (65. Dahoud), Witsel, Schulz - Sancho, Brandt, Hazard (84. Guerreiro). Trainer: Favre
Tore: 1:0 Martinez (22.), 2:0 Candreva (89.)
Bes. Vorkommnis: Bürki hält Foulelfmeter von Martinez (82.)
Gelbe Karten: Brozovic, Barella (2), Godin, Candreva - Weigl, Hummels
Schiedsrichter: Taylor (England)
Zuschauer: 60.000

Der BVB verlor völlig zu Recht mit 0:2 (0:1) und agierte dabei merkwürdig blutleer und uninspiriert. Bis zur 45. Minute gab es nur einen ernsthaften Dortmunder Versuch, Torgefahr heraufzubeschwören. Doch der Schuss von Axel Witsel landete weit über dem Querbalken. Dann war es kurz vor dem Halbzeitpfiff Jadon Sancho, der Inters Keeper Samir Handanovic mit einem Flachschuss forderte. In der zweiten Halbzeit wurde es zwar ein wenig besser, wirklich überzeugend war der Dortmunder Auftritt allerdings zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil: Es war reichlich wenig für eine Mannschaft, die für sich in der Königsklasse gehobene internationale Ansprüche geltend macht.

"Deutlich zu wenig Chancen kreiert"

Entsprechend schlecht war die Stimmung, nur der Trainer war mit sich und seiner zaudernden Mannschaft im Reinen: Die Mannschaft habe gut gespielt, "es war klar, dass wir nicht zehn Großchancen gegen Inter haben werden", sagte Trainer Lucien Favre. "Gegen so eine Mannschaft musst du Geduld haben." Das konnte man durchaus auch anders beurteilen, wie zum Beispiel Michael Zorc. Der Sportdirektor konstatierte, "dass du so ein Spiel nicht verlieren musst. Das ist sehr ärgerlich, wir hätten deutlich konsequenter und zielstrebiger agieren müssen". Und Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung ergänzte: "Wir waren am Ende nicht torgefährlich genug. Wir haben es ihnen zu einfach gemacht."

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Dortmund erspielte sich im ersten Durchgang zwar 55 Prozent Ballbesitz, doch was nutzt das, wenn das Spielgerät nur um die gefährliche Zone herumzirkuliert? Er tue sich "ein bisschen schwer, dieses Spiel zu greifen", sagte Manndecker Mats Hummels: "Das sieht ganz gut aus, aber im letzten Drittel ist das nicht genug. Wir haben deutlich zu wenig Chancen kreiert."

Brandt, Hazard, Sancho, Hakimi - der BVB hatte einige Offensivkräfte auf dem Rasen, die durchaus Torgefahr entwickeln können. Ein gelernter Stürmer war nicht darunter, weil Paco Alcácer weiterhin mit Problemen an der Achillessehne ausfällt und sich zudem auch noch Kapitän Marco Reus mit einem grippalen Infekt abmeldete. Die beiden mit Abstand torgefährlichsten Akteure waren nicht dabei, "und dann hat jede Mannschaft ein Problem", konstatierte Zorc. Das kann man so stehen lassen, doch auf der anderen Seiten sehen sich Favre und die Dortmunder Kaderplaner mit dem Vorwurf konfrontiert, bei der Zusammenstellung des Kaders auf die Verpflichtung eines weiteren Stürmers verzichtet zu haben. Das Spiel in Mailand zeigte überdeutlich, wie wichtig es gewesen wäre, einen Backup für den spanischen Torjäger zu haben.

Kommt José Mourinho?

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Gesprächsbedarf: Achraf Hakimi, Julian Brandt und Mats Hummels (v.l.) diskutieren nach dem Abpfiff.

(Foto: imago images/Revierfoto)

So blieben die Dortmunder ohne Erfolgserlebnis, womit die Atempause für Favre nach dem Sieg gegen Mönchengladbach gerade Mal vier Tage dauerte. Nun könnten die Debatten um den kapriziösen Schweizer wieder an Dringlichkeit zunehmen. Wie die "Sport Bild" jüngst berichtete, soll sich José Mourinho beim deutschen Vizemeister auf der Kandidatenliste befinden. Es heißt, BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und Mourinho verbinde eine mehr als kollegiale Beziehung. "Wir sind schon lange befreundet und haben immer Kontakt", wird Dortmunds Geschäftsführer zitiert.

Zuletzt hatte Mourinho erklärt, dass er sich einen Wechsel in die Bundesliga vorstellen könne. "Ich finde die Bundesliga wirklich interessant", sagte der 56-Jährige. Er schwärmte dabei ausdrücklich auch von Borussia Dortmund: "Ich bewundere die Arbeit des BVB und seinen Versuch, mit einem Giganten wie Bayern zu konkurrieren." Zudem lerne der Mann, der als Übersetzer tätig war, bevor er seine Weltkarriere als Trainer startete, bereits seit längerer Zeit Deutsch.

In Mailand widersprach Zorc den Meldungen, die Borussia beschäftige sich mit dem charismatischen Portugiesen. "Wir führen keine Trainerdiskussion. Wir sind froh, dass wir Lucien Favre haben." Doch solche Aussagen könnten ziemlich schnell von der Realität eingeholt werden. Am Samstag spielt der BVB beim stets brisanten Revierderby auf Schalke vor. Noch so eine enttäuschende Vorstellung wie in Mailand - und die Luft könnte für Favre wirklich dünn werden.

Quelle: ntv.de