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"Offenheit, Vielfalt, Toleranz" Can und Gündogan? Dem DFB-Team gefällt's

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Sportlich war Ilkay Gündogan in Estland kein Vorwurf zu machen. Der Mittelfeldspieler traf selbst doppelt und bereitete das dritte deutsche Tor für Timo Werner vor.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Ilkay Gündogan und Emre Can betonen: Der Instagram-Like ist keine politische Botschaft gewesen. Bundestrainer Löw und DFB-Direktor Bierhoff stützen ihre Spieler, die Teamkollegen auch. Doppelpacker Gündogan wundert sich über Zeitpunkt und Motive der Veröffentlichung.

Vor der Abreise aus Tallinn setzte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit Ilkay Gündogan und Emre Can in ihrer Mitte noch einmal ein unmissverständliches Zeichen. "Gemeinsam für Offenheit, Vielfalt und Toleranz. Gegen jede Form von Gewalt und Diskriminierung", stand über einem Teamfoto aus dem Hotel, das die DFB-Auswahl über die Sozialen Medien verbreitete. Im Zentrum des Bildes: Kapitän Manuel Neuer, der seine langen Torwartarme um die Schultern von Gündogan und Can gelegt hat. Es bekam binnen einer Stunde über 13.000 Likes - auch von Can.

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Matchwinner Gündogan schien seinen Frieden mit diesem turbulenten Tag schon gemacht zu haben, als er nach dem 3:0 (0:0) in der EM-Qualifikation gegen Estland gegen halb eins zu Unglücksrabe Can in den deutschen Teambus stieg. "Wurden mir beide Tore zugesprochen?", fragte der 28-Jährige die Reporter. Als die Medienvertreter bejahten, huschte ein Lächeln über sein Gesicht. "Das ist schön, beide waren abgefälscht, da fragt man sich schon ...".

Schon wieder Erdogan

Gündogans erster Doppelpack (51./57.) im Nationaltrikot gab einem für den England-Legionär und Can intensiven Tag ein unwahrscheinliches Happy End. Wegen der Likes eines Instagram-Beitrags ihres Freundes Cenk Tosun war ihnen unterstellt worden, die Politik des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu unterstützen. Dessen Militäroffensive in Nordsyrien hält die Politik und Kanzlerin Angela Merkel in Atem. Schon wieder Erdogan! Vor der WM 2018 hatten Gündogan und Mesut Özil mit Erdogan-Fotos für Unruhe gesorgt. "Nix gelernt!", lauteten daher die Kommentare.

Und dann sah Can wegen einer Notbremse noch die früheste Rote Karte in der deutschen Länderspielhistorie (14.). "Das ist leider bitter gelaufen", sagte er zerknirscht. Die Mannschaft geriet durch den Platzverweis außer Tritt, erst Gündogans Tore erlösten sie. Beim Jubel klopfte er sich auf das DFB-Wappen auf seiner Brust. Neuer schwärmte: "Als Sechser ist er Gold wert gewesen für unser Spiel. Er war der Taktgeber und für mich der wichtigste Spieler der Mannschaft."

"Bete jeden Tag für Frieden auf der Welt"

Der Wirbel habe ihn sehr beschäftigt, sagte Gündogan. "Es ist krass, was heutzutage für Geschichten geschrieben werden. Ich dachte, ich like ein Foto eines sehr guten Freundes." Wie Can wies er Vermutungen zurück, sie verbänden mit ihrem "Gefällt mir" eine politische Botschaft. "Emre und ich sind absolut gegen jeglichen Terror und Krieg - egal, wo auf der Welt er stattfindet", sagte Gündogan. Can betonte: "Ich bete jeden Tag dafür, dass auf der Welt Frieden herrscht."

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Von Löw und DFB-Direktor Oliver Bierhoff erfuhren sie Unterstützung. Mit der Erklärung des Duos sei die Sache für ihn erledigt, meinte der Bundestrainer. Bierhoff sprach von einer "schwierigen Situation" für beide und forderte nach einem Kabinengespräch mit ihnen Solidarität: "Es wäre an der Zeit, ihnen mehr Vertrauen zu schenken - und daraus nicht solche Geschichten zu machen."

Dennoch forderte Bierhoff auf dfb.de einen bewussten Auftritt seiner Nationalspieler in den Sozialen Medien. "Sie sind Vorbilder, Tausende eifern ihnen nach und folgen ihnen auf ihren Social-Media-Kanälen. Sie müssen sich der großen Verantwortung und der Wirkung bewusst sein, die jede ihrer Aussagen und Aktionen nach sich ziehen können", wird er dort zitiert. Der neue DFB-Präsident Fritz Keller schweigt bislang öffentlich zu diesem Thema.

Gündogan vermutete hinter dem Wirbel politische Motive. Dass die Sache kurz vor dem Spiel hochkochte, obwohl das Foto von Freitag stammte, "fühlt sich nicht unbedingt wie ein Zufall an". Dies gelte auch für die Tatsache, dass aus über 200.000 Likes, darunter Dutzende von bekannten Profis, "gerade wir zwei rausgepickt werden. Man interpretiert es, wie man will. Gerade eine bestimmte Partei macht das des Öfteren ...".

Quelle: n-tv.de, Marco Mader und Oliver Mucha, sid

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