Fußball

CL-Auftakt in Warschau Den BVB erwartet bei Legia "die Hölle"

imago25181348h.jpg

Die Fans von Legia Warschau haben eine innige Beziehung zur Pyrotechnik.

(Foto: imago/Newspix)

Zum ersten Mal seit 20 Jahren spielt mit Legia Warschau wieder ein polnischer Verein in der Champions League. Zum Auftakt kommt Borussia Dortmund in die Hauptstadt. Viele BVB-Fans merken wohl erst spät, mit wem sie es dort zu tun haben.

Die Fans von Borussia Dortmund sind gewarnt. Vor der heutigen Partie in der Fußball-Champions League bei Legia Warschau (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) wandte sich der BVB eindringlich an seine Anhänger, die das Team von Thomas Tuchel in die polnische Hauptstadt begleiten werden: "Die aktive Fanszene von Legia Warschau ist leider dafür bekannt, sowohl bei Heim- als auch bei Auswärtsspielen ein höheres Gewaltpotenzial zu zeigen als andere Fanszenen." Nach Hinweisen von Legia-Vertretern sowie der polnischen Polizei müsse man den eigenen Anhängern "leider dazu raten, keine Kleidung mit BVB-Bezug in der Stadt zu tragen und sich unauffällig und am besten nur in kleinen Gruppen dort aufzuhalten."

*Datenschutz

Diese Warnung mag zunächst übertrieben und nach Bevormundung klingen. Doch sie ist durchaus angebracht, möglicherweise kam sie sogar zu spät. Viele Fans dürften im Voraus nicht gewusst haben, auf welch abenteuerliche Reise sie sich eingelassen haben. Sobald die Oder oder die Neiße überquert ist, empfiehlt der BVB, Rastplätze möglichst zu meiden: "Erfahrungen aus der Vergangenheit haben leider gezeigt, dass selbst viele Kilometer vor Warschau bereits gewaltsuchende Legia-Anhänger auf Gästefans warten könnten." Willkommen in Polen.

In der Tat gibt es in der polnischen Fußball-Fanszene ein Gewaltproblem. Insbesondere die Anhänger von Legia Warszawa sind keine Kinder von Traurigkeit. Bei Spielen des Meisters der Ekstraklasa kommt es immer wieder zu Ausschreitungen, die dem Rekordpokalsieger im Jahr 2007 sogar einen zweijährigen Ausschluss von europäischen Wettbewerben brachten. Zuvor waren Legia-Fans bei einem UI-Cup-Spiel in Vilnius unter anderem mit Eisenstangen auf gegnerische Fans losgegangen und hatten diese teilweise schwer verletzt.

Die "Rasierklinge" liebt Pyrotechnik

imago21893730h.jpg

Auf der Tribüne "Żyleta", der "Rasierklinge", sind die Legia-Ultras beheimatet.

(Foto: imago/Newspix)

Nach der Sperre erfuhr die Fanszene von Legia einen bemerkenswerten Zulauf, der sich mitunter in beeindruckenden Choreographien und einer ohrenbetäubenden Stimmung manifestierte. Das massenhafte Abbrennen von Pyrotechnik gehört dabei dazu wie das Amen in der katholischen Kirche. Der Verein lässt seine Anhänger die innige Pyro-Liebe für gewöhnlich zelebrieren - und nimmt dafür regelmäßige Strafzahlungen in Kauf.

Auch beim Heimspiel gegen Dortmund ist auf der "Żyleta" ein imposantes Gesamtbild zu erwarten, die Choreo gegen den BVB wird sicherlich zu den sehenswertesten dieser Champions-League-Saison zählen. "Żyleta", das ist die "Rasierklinge" - die Tribüne, auf der die Legia-Ultras beheimatet sind. Stimmungstechnisch steht die Nordkurve des Stadion Wojska Polskiego der "Gelben Wand" in Dortmund auf den ersten Blick in nichts nach.

"Willkommen in der Hölle"

imago17331919h.jpg

Was die Legia-Anhänger von der Uefa halten, machten sie in der vergangenen Saison deutlich.

(Foto: imago/Newspix)

Schaut und hört man jedoch genau hin, was die "Legionäre" von sich geben, so offenbart sich deren engstirnige Weltanschauung. Regelmäßig propagieren sie im Stadion des ehemaligen Armeesportklubs unverhohlen rassistische und antisemitische Parolen, viele der Legia-Fans rekrutieren sich aus dem Warschauer Neonazi-Spektrum.

Als Legia im September des vergangenen Jahres Zagłębiem Lubin zum Punktspiel empfing, prangte auf einem über zehn Meter breiten Banner: "Ganz Legia schreit laut: Nein zu islamischen Wilden!" Auf einem anderen Transparent stand: "Herumirrende Schafe: Willkommen in der Hölle". In der darauffolgenden Europa-League-Partie gegen den FC Midtjylland aus Dänemark präsentierten Legia-Anhänger ein Banner, dass die Flüchtlingspolitik der EU anprangerte: "Europe Wake Up" war darauf zu lesen.

Zudem sind viele Legia-Fans offen antisemitisch. Das krasseste Beispiel dafür lieferten sie im Herbst 2011 beim Heimspiel in der Europa League gegen Hapoel Tel Aviv. Auf einer "Żyleta"-übergreifenden Blockfahne stand "Jihad Legia" - eine symbolische Kriegserklärung an die jüdischen Gäste aus Israel. Nicht selten bricht sich der Hass unter den zahlreichen Legia-Hooligans schließlich Bahn.

Euphorie in Warschau

Rassistische und antisemitische Gesänge und Banner sowie Gewaltexzesse haben Legia schon oft Tausende Euro gekostet, im vergangenen Jahr musste der Klub sogar zwei Europa-League-Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten. Das Verhältnis zur Uefa hat sich dadurch nicht wirklich verbessert. Nach den Geisterspielen präsentierte die "Żyleta" eine Blockfahne, auf der ein Uefa-Funktionär als Schwein dargestellt war. Der Verband wiederum sanktionierte diese Provokation mit einer Geldstrafe von 80.000 Euro.

Durch die erstmalige Qualifikation zur Champions League seit 1995 nimmt Legia mindestens 13 Millionen Euro ein. Gut möglich, dass ein Teil davon noch in dieser Saison in Form von Strafzahlungen zurück in die Kasse der Uefa wandert. Doch nicht nur das dringend benötigte Geld sorgt für Euphorie. Zum ersten Mal seit 20 Jahren überhaupt spielt wieder ein polnischer Verein in der Königsklasse. Die 31.103 Plätze im Stadion in der Warschauer Innenstadt sind für alle Gruppenpartien ausverkauft.

Sportlich dürfte die Auftaktpartie gegen Dortmund wenig überraschend verlaufen. Der BVB geht trotz der Bundesliga-Niederlage in Leipzig als Favorit ins Spiel. Weitaus schlechter als bei der Borussia läuft es bei Legia. Nach der Auswärtsniederlage beim Dorfverein Termalica Bruk-Bet Nieciecza rutschte der Hauptstadtklub nach acht Spieltagen auf Tabellenplatz 13 ab. Dennoch ist man beim BVB gewarnt. Dem "Kicker" sagte Sebastian Rode, dass er eine "sehr laute, womöglich sogar aggressive Stimmung" erwarte. André Schürrle versprach: "Wir werden vorbereitet sein." Das gilt hoffentlich auch für die knapp 1800 Dortmunder Fans.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema