Fußball

"Fantastische Erinnerungen" Der DFB schreibt Mesut Özil einen Brief

imago16995968h.jpg

Mesut Özil im WM-Finale 2014 gegen Argentinien.

(Foto: imago/MIS)

Das Tischtuch zwischen Mesut Özil und dem DFB schien zerschnitten. Jetzt wird ein Versuch von Fritz Keller öffentlich, das Verhältnis zu kitten: Der Präsident schreibt Özil einen Brief und gibt sich als neutraler Vermittler. Der Rio-Weltmeister schwärmt daraufhin von seiner Zeit im deutschen Trikot.

Mesut Özil hatte den Schalke-Fans schon ihre Illusionen von einer Rettermission genommen und von seiner Jugendliebe Fenerbahce geschwärmt, als ihm plötzlich eine vermeintlich unangenehme Frage vorgelegt wurde. Ob er es denn inzwischen bereue, für die deutsche Nationalmannschaft gespielt zu haben? Doch statt die Vorlage für eine weitere Spitze in Richtung des Deutschen Fußball-Bundes zu nutzen, ging der Rio-Weltmeister auf Kuschelkurs - ganz im Sinne von Fritz Keller.

Der DFB-Präsident hatte Özil nach SID-Informationen im vergangenen Oktober im zeitlichen Umfeld des Länderspiels gegen die Türkei (3:3) in der Hoffnung auf Wiederannäherung einen Brief geschrieben. Damit nimmt er die Rolle des "neutralen" Vermittlers zwischen dem Verband und Özil ein. Schließlich, so seine Idee, war er bei dessen geräuschvollem Rückzug aus dem DFB-Team im Zuge des historischen WM-Desasters 2018 mit der unrühmlichen Erdogan-Affäre noch nicht im Amt. Und Özil sei ein zu verdienter (ehemaliger) Nationalspieler, um die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Özil: "Es wurde viel geredet"

Kellers diplomatische Mission hatte offenbar Erfolg. Özil schwärmte am Montagabend bei Twitter geradezu von seinen "vielen fantastischen Erinnerungen" an die Zeit im deutschen Trikot, vom WM-Triumph 2014 und "einer großen Ära des deutschen Fußballs. Ich würde nie sagen, dass ich es bereut habe, für Deutschland zu spielen." Keine Rede mehr von den Rassismus-Vorwürfen, die er im Zuge seines Abschieds erhoben hatte.

Klar, über das unrühmliche Ende seiner DFB-Karriere nach 92 Länderspielen (23 Tore) sei "viel geredet" worden, bekannte Özil, aber: "Im Leben geht es weiter und ich bin dankbar, dass ich vor Kurzem einen schönen persönlichen Brief des DFB-Präsidenten Fritz Keller bekommen habe, der all die Themen von damals aufgreift."

Keller, so ist zu hören, habe mit seinem Schreiben keineswegs Bundestrainer Joachim Löw und Direktor Oliver Bierhoff in die Parade fahren wollen. Deren Versuche, das Verhältnis zu Özil zu kitten, waren einst gescheitert. Vielmehr sei es dem Präsidenten darum gegangen, dass der Verband in Sachen Özil über seinen Schatten springe. Überraschenderweise ganz im Sinne seines ihm in offener Abneigung gegenüberstehenden Generalsekretär Friedrich Curtius, der im vergangenen Herbst DFB-"Fehler" im Umgang mit der Causa eingeräumt hatte.

Fener wie Real Madrid?

Özil zieht es dieser Tage nach Istanbul. Seit Tagen sucht sein Management nach Wegen, den bis Sommer laufenden Vertrag des Mittelfeldspielers beim FC Arsenal zu aller Zufriedenheit zu lösen. Özil befeuert die Hoffnung der begeisterungsfähigen Fener-Fans mit verschiedenen Beiträgen im Netz wie jenem, dass er schon als Kind für die "Wellensittiche" geschwärmt habe. "Es gibt zwei Länder, in denen ich noch Fußball spielen will, bevor ich aufhöre: Die Türkei und USA. Wenn ich in die Türkei gehe, dann nur zu Fenerbahce", schrieb er.

DC United aus Washington ist ebenfalls eine Option, aber erst für Sommer. Am liebsten ginge Özil ohnehin zu Fenerbahce, einem Verein "wie Real Madrid in Spanien. Der größte Klub des Landes." Dabei heißt der türkische Rekordmeister: Galatasaray. Der Stadtrivale kommt auf 22 Titel und 18 Pokalsiege, Fener auf "nur" 19 Meisterschaften (zuletzt 2014) und sechs Cupsiege.

Quelle: ntv.de, dbe/sid

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.