Fußball

Die Lehren des siebten Spieltags Der FC Bayern braucht Hilfe

Geht es nach Thomas Müller, ist gar nicht der Trainer für die Misere der Münchner verantwortlich - die Spieler stehen in der Pflicht. Derweil schwingt sich der BVB zur besten Mannschaft der Fußball-Bundesliga auf. Aber was heißt das schon?

1. Was will der FC Bayern?

Wie denn seiner Meinung nach die Chancen stünden, dass er den immer noch amtierenden deutschen Fußballmeister nun länger als nur für diese eine Partie trainieren dürfe, wurde Willy Sagnol am Sonntagabend nach dem 2:2 seines FC Bayern in Berlin gefragt. Und der Franzose, der den Job nach der Entlassung Carlo Ancelottis übergangsweise übernommen hat, antwortete: "Die Frage ist nicht, ob ich die Hoffnung oder den Wunsch habe, die Frage ist, was der Vorstand will." Das ist der Tat richtig - jetzt müssen Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende, und Uli Hoeneß, der Präsident, nur noch sagen, was - oder besser: wen - sie wollen. Und ob das, was sie wollen, auch dasselbe ist. Oder ob es da etwa unterschiedliche Meinungen gibt. Dass sie jemanden brauchen, ist nach dem siebten Spieltag der Bundesliga jedenfalls klar. Und am besten wäre es, der Mann könnte zaubern.

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Applaus, Applaus? Willy Sagnol.

(Foto: imago/Bernd König)

Da sich so jemand aber eher schwer finden lässt, sollten sie es in München zumindest mit jemandem versuchen, der die Mannschaft so weit bringt, dass sie nicht ständig einen 2:0-Vorsprung verspielt - wie just bei der Hertha und vor einer Woche gegen Wolfsburg. Und wenn dieser jemand es dann auch noch schafft, aus dieser Ansammlung sehr guter bis sehr, sehr guter Fußballspieler wieder eine ordentliche Mannschaft zu formen, wäre dem FC Bayern schon sehr geholfen. Ein kleines Problem dürfte sein, dass so früh in der Saison meist alle Trainer, die überhaupt in Betracht kommen, beim Branchenprimus arbeiten zu dürfen, bei anderen Klubs einen Job haben. Deshalb läuft, wie man hört, alles darauf hinaus, dass es der derzeit arbeitslose Thomas Tuchel ist, der für die Münchner bis zum 14. Oktober und dem Heimspiel gegen den SC Freiburg währenden Länderspielpause den Zuschlag bekommt. Das wird, wir sagen das ganz neutral, bestimmt eine interessante Sache. Die Chancen für Sagnol scheinen da eher schlecht zu stehen. Wie verfahren die ganze Sache ist, das deutete Thomas Müller nach dem Abpfiff im Olympiastadion an: "Bei der Qualität, die wir im Kader haben, kann die Schuld nicht an einem Trainer liegen. Wir Spieler müssen eine harte Analyse bei uns selbst machen." Der FC Bayern braucht wirklich Hilfe.

2. Fußball ist ja so ungerecht

Da erkämpfen sich wackere Herthaner ein verdientes Unentschieden und holen dabei gar zwei Tore auf - und alle sprechen nur darüber, wie schlecht der FC Bayern in der zweiten Halbzeit war. Das geht ja nun auch wieder nicht. Also: Gut gemacht, Berliner! Noch besser wäre es gewesen, wenn ihnen gar der erste Sieg gegen die Münchner seit achteinhalb Jahren gelungen wäre. "Wir haben gespürt, dass Bayern heute zu schlagen ist. Wenn überhaupt, dann heute", sagte Herthas Trainer Pal Dardai. In der Tat waren sie davon gar nicht so weit weg. Verteidiger Karim Rekik hatte völlig richtig erkannt: "Als wir ein bisschen mehr gepresst haben, haben sie Probleme bekommen. Dann hat man gemerkt: Auch sie sind nur Menschen." Apropos: Willy Sagnol, Sie wissen schon, der bajuwarische Aushilfstrainer, hat noch etwas gesagt - und das war ganz interessant. Erst hatte er doziert, dass es seinen Spielern im Olympiastadion nach dem 2:0 durch Robert Lewandowski an Konzentration und Disziplin gemangelt habe. Und dann sprach er: "Wir sind nun nicht mehr die stärkste Mannschaft in Deutschland." Herrje, jetzt schreiben wir ja schon wieder über den FC Bayern - Fußball ist so ungerecht.

3. Der BVB ist jetzt das beste Team

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"Wenn du so spielst und gewinnst, dann ist es groß": Sokratis.

(Foto: dpa)

Womit wir nahezu übergangslos bei der Dortmunder Borussia sind. Die steht nicht erst nach dem 2:1 beim FC Augsburg an der Spitze der Tabelle, und das mit nun fünf Punkten vor dem bajuwarischen Patienten. Der hat mit dem einen Pünktchen aus Berlin immerhin noch eine Mannschaft namens Hoffenheim in der Tabelle überholt und steht nun auf Platz zwei. Und da die Münchner ja, der Interimstrainer hat's gesagt, zumindest interimsweise auf den Status des besten Teams des Landes verzichten, bleibt nur Dortmund. Was in Ordnung ist, doch war Peter Bosz mit seiner Mannschaft gar nicht zufrieden: "Das war das schlechteste Spiel, seit ich Trainer vom BVB bin." Der Grieche Sokratis hingegen, also nicht der Philosoph, sondern der Innenverteidiger, befand: "Wenn du so spielst und gewinnst, dann ist es groß." Er hat das dann auch noch erläutert und gar nicht so unrecht: "In den letzten zwei, drei Jahren haben wir jedes dieser Spiele verloren oder unentschieden gespielt." Und in der Tat hat der BVB jetzt sechs Punkte mehr auf dem Konto als nach dem siebten Spieltag in der vergangenen Spielzeit. Und hatten wir erwähnt, dass der Abonnementsmeister aus München den schlechtesten Start seit sieben Jahren hingelegt hat? Es deutet viel darauf hin, dass der Kampf um die Meisterschaft in dieser Saison wirklich einer werden könnte.

4. Aber was heißt das schon?

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die beste Mannschaft im Land? Was soll die Frage, hatten wir doch eben geklärt. Die Frage ist nur, was das überhaupt noch wert ist. Sie haben es wahrscheinlich mitbekommen: In der vergangenen Woche verloren alle sechs im internationalen Geschäft vertretenen deutschen Klubs ihre Spiele. Das kann vorkommen, hatte es allerdings zuletzt im Oktober 1981 gegeben. Nun lässt sich einwenden, dass es kein Drama ist, wenn die Dortmunder gegen Real Madrid verlieren. Und auch Paris Saint-Germain ist ja keine ganz schlechte Mannschaft, beim FC Bayern wissen sie das jetzt.

Aber es gab ja auch Niederlagen in der schwedischen Provinz, dort patzte die eben noch so gelobte Hertha, und in Nordostbulgarien, dort traf es die Hoffenheimer. Die haben zwar just auch in Freiburg verloren, stehen in der Tabelle der Bundesliga aber auf Platz drei, beschäftigen mit Julian Nagelsmann einen Trainer, der gerne in München arbeiten würde - und haben in dieser Saison schon den FC Bayern geschlagen. Aber was heißt das schon?

5. Dem 1. FC Köln geht’s noch schlechter

Geht´s eigentlich irgendjemandem in dieser Liga schlechter als den geplagten Münchnern? Willkommen in Köln. Dort sind sie so verzweifelt, dass sie vor diesem siebten Spieltag den 38 Jahre alte Claudio Pizarro aus der Rente geholt haben, auf dass der Peruaner den arg gebeutelten Klub mit seinen Toren aus der Krise schieße. Gegen die Rasenballsportler hat das am Sonntag jedoch nicht geklappt. Allerdings wechselte Trainer Peter Stöger seinen neuen Angreifer auch erst nach 54 Minuten ein, das stand's schon 1:0 für Leipzig. Am Ende eines kurzweiligen und schnellen Spiels stand es dann 2:1 für RB - und die Kölner haben nun sechs von sieben Ligaspielen verloren - und zwei in der Europaliga. Dabei hatten sie sich so gefreut, nach 25 langen Jahren endlich wieder international zu spielen. Und nun geht alles den Bach runter beim fast schon abgeschlagenen Tabellenletzten. Einen Grund zum Feiern gibt es aber doch, am Dienstag ist es so weit. Nein, es geht nicht um den Tag der Deutschen Einheit. Ein Geburtstag steht an: Claudio Pizarro wird 39 Jahre alt.

Quelle: ntv.de