Fußball

Tristesse beim roten Riesen Der FC Bayern hat's vermasselt

ec6e128e74197b39b3fe5cb4c907f576.jpg

Das Gesicht von Thomas Müller steht sinnbildlich für den aktuellen Gemütszustand des FC Bayern. Auch wenn der erst spät eingewechselte Bayern-Angreifer noch am wenigsten für die Niederlage gegen den BVB konnte.

(Foto: imago/ActionPictures)

Der FC Bayern hat ein Fußballspiel verloren. Gegen den BVB, im Halbfinale des DFB-Pokals. Ist das so dramatisch? Das hängt davon ab, woran es sich bemisst. Nimmt man die Ansprüche der Münchner, brennt dort jetzt der Baum.

Carlo Ancelotti wirkte angeschlagen. Und Lust zu plaudern hat der Trainer des FC Bayern eh sehr selten. Was sollte er auch sagen, nachdem seine Fußballer am Mittwochabend das Halbfinale des DFB-Pokals mit 2:3 (2:1) gegen die Dortmunder Borussia verloren hatten? Was sollte er sagen, nachdem die Münchner ja auch schon im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid ausgeschieden waren? Er sagte: "Es ist zu früh, um über die Saison zu sprechen. Wir müssen die Bundesliga gewinnen. Wir müssen versuchen, das so früh wie möglich zu tun." Aber auch er weiß, wo er im Sommer vergangenen Jahres angeheuert hat. Und er weiß, welche Ansprüche die Mia-san-mia-Münchner haben. Da ist ein Titel zu wenig.

Das sieht auch Philipp Lahm so. Der Kapitän geht im Sommer von Bord. Vor der Partie hatte er gesagt, gegen den BVB entscheide es sich, ob es für die Bayern eine sehr gute Saison mit der Aussicht auf zwei Titel werde - oder nur eine gute. Hinterher konstatierte er: "Ich denke, man hat gesehen, dass wir unbedingt ins Finale wollten. Leider hat das nicht funktioniert." Nun müssten er und seine Kollegen "diesen Rückschlag erst einmal verdauen". Dass er es war, der mit einem Ballverlust das 3:2 des Dortmunders Ousmane Dembélé einleitete, räumte er tapfer ein: "Ich habe den entscheidenden Fehler gemacht."

Aber natürlich lag es nicht nur allein an ihm, der in seiner Karriere so gut wie nie etwas falsch macht. Arg unglücklich stellten sich seine Kollegen Thiago Alcántara, Robert Lewandowski und Arjen Robben beim Stand von 2:1 an, als sie nach einer gute Stunde den Ball nicht in des Gegners Tor unterbrachten, obwohl Dortmunds Torhüter Roman Bürki sie sehr freundlich, wenn auch unfreiwillig, dazu eingeladen hatte. David Alaba, Lahms Pendant am linken Ende der Viererkette, formulierte das so: ""Wir hatten genug Chancen, um den Sack zuzumachen. Wenn man die Chancen liegen lässt, wird das bestraft. Dortmund hat das cool gemacht und seine Chancen genutzt." Sie haben es gemeinsam vermasselt.

Ancelotti, der Schlaufuchs

Auch Ancelotti monierte sichtlich angesäuert: "Wir hatten die Gelegenheit, 3:1 in Führung zu gehen. Aber wir haben unsere Chancen nicht genutzt, das ist unser Fehler." Und Sven Ulreich, der den verletzten Nationaltorhüter Manuel Neuer bis zum Ende dieser Spielzeit vertritt, sagte: "Wir haben unsere eindeutigen Chancen nicht genutzt und Dortmund zurückkommen lassen. Das ist sehr bitter. Es ist keine optimale Saison jetzt, weil wir in beiden Pokalwettbewerben ausgeschieden sind." Keine optimale Saison? Im Grunde hat er das prima formuliert. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schnell sich in der Parallelwelt des Fußballs das Blatt wendet. Tempus fugit.

Noch vor zwei Wochen galt der FC Bayern als bestens aufgestellt, als Anwärter auf das Triple aus Champions League, DFB-Pokal und Deutscher Meisterschaft, das ihm zum einzigen und bisher letzten Mal 2013 unter Jupp Heynckes gelang. Noch vor zwei Wochen war Ancelotti der Schlaufuchs, der aus seinen Best Agern um Lahm, Neuer, Xabi Alonso, Arjen Robben, Franck Ribéry ein Team formt, das erfahren und gleichzeitig erfolgshungrig genug ist, um den ganz großen Wurf zu schaffen. Nun aber wissen alle, dass die Mannschaft überaltert und der Trainer keiner ist, der sich um Talente wie Joshua Kimmich, Kingsley Coman und Renato Sanches kümmert.

Andererseits: Ancelotti, das war klar, wird daran gemessen, wie sich seine Mannschaft in den entscheidenden Wochen dieser Saison präsentiert. Dass sie nun die entscheidenden Duelle verloren hat, dürfte ihm das Leben in München nicht leichter machen. Hieß es nicht, dass die Bayern in den drei Jahren unter Josep Guardiola im Endspurt zu schwach waren und deshalb Jahr für Jahr im Halbfinale der Königsklasse ausschieden? Hatte nicht der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge Ende Februar noch getönt: "Die Zeit, die jetzt ansteht, in der es anfängt zu grünen und zu blühen - das ist die Ancelotti-Jahreszeit."

Dafür sahen die Bayern am Mittwochabend allerdings ziemlich welk aus. Im Reich des roten Riesen regiert die Tristesse. Und gemessen an den selbstbewussten Ansprüchen der Münchner dürfte dort jetzt der Baum brennen. Dass es eines Umbruchs bedarf, dürften sie selbst am besten wissen. Bleibt die Frage, wer ihn moderiert.

Quelle: ntv.de