Fußball

Nagelsmann reagiert arg gereizt Der FC Bayern steht unter Beobachtung

Julian Nagelsmann bekommt seine erste Meisterschale überreicht – aber vorher muss sein FC Bayern noch eine wichtige Aufgabe erledigen. Er muss sich im Abstiegskampf beweisen. Gegen den VfB Stuttgart stehen die Münchner unter besonderer Beobachtung – nicht nur von Felix Magath.

Als es um Mangos, Maracujas und Kurkuma ging, da hatte Julian Nagelsmann Spaß. Und er offenbarte bei seinem Mini-Referat am Freitagvormittag überraschende Kenntnisse über die Kraft von Obstsorten. Die Mango etwa, die sei die energiereichste Frucht des Planeten. So habe er mal gelesen. Die Lage beim FC Bayern kann also nicht so dramatisch sein, wenn der Trainer vor dem so wichtigen Spiel gegen den VfB Stuttgart Zeit und Muße hat, so ausführlich Auskunft über seinen "Zaubertrank" zu geben. Nun ist die Lage ja bekanntlich auch: Den Münchnern könnte rein sportlich ziemlich egal sein, was sich am Sonntagnachmittag in der heimischen Arena abspielt. Denn die Meisterschale ist bereits sicher eingefahren und ebenso sicher wird sie dem Rekordmeister verliehen werden.

Aber so einfach ist sie eben nicht, die Lage: Der FC Bayern hat in dieser Saison nämlich noch eine sehr wichtige Aufgabe zu erledigen. Weil man sich im Rest des Landes nach der jüngsten 1:3-Pleite beim FSV Mainz 05, sie wurde von Experten als peinlich eingestuft, nicht sicher war, ob man in München darum weiß, hatte Felix Magath das nationale Megafon bemüht und die Dringlichkeit dieser Aufgabe nochmal ausgerufen. Es geht darum, dass die Mannschaft von Nagelsmann bitte bis zur letzten Sekunde (letzter Spieltag) voll durchzieht - Magath wäre vermutlich auch zufrieden, wenn es bis zur vorletzten Sekunde (vorletzter Spieltag) seine Arbeit verrichtet. Sollten die Münchner die Dinge so regeln, wie es die Kraft der Klubs vorhersagt, wäre Hertha BSC, sprich der Klub von Magath, gerettet. Und könnte ein Lächeln hinter den Saison-Horror setzen.

In München haben sie die Botschaft vernommen und waren nicht erfreut darüber. Aber sie finden auch, dass zu den Themen Wettbewerbsverzerrung (schwaches Spiel gegen Mainz) und "Ibiza-"Affäre" (Reise der Mannschaft nach dem schwachen Spiel) alles gesagt sei. Doch es gibt gegenläufige Meinungen zu dieser Auffassung. Manch ein Medienvertreter wollte vom Trainer an diesem Freitagvormittag doch gerne noch ein paar klare Sätze zum Balearen-Ausflug der Stars hören. Nagelsmann lieferte höflich, von der Situation aber durchaus genervt. Er sei seiner Verantwortung als Trainer gerecht geworden und habe den Spielern wegen Belastungssteuerung zwei Tage freigegeben. Diese seien mündig. Und er nicht der Papa. Wie sie ihre Freizeit gestalten, das sei ihre Sache. Punkt. Eine Reaktion erwarte er nicht. Nochmal Punkt. Was er nicht beeinflussen kann: Seine Mannschaft steht unter Beobachtung.

Dafür kann der FC Bayern nichts

Wobei, eine Sache noch: In München habe man nur eine "Verantwortung gegenüber uns selbst." Der FC Bayern könne ja schließlich nichts dafür, "wenn ein anderer Klub im Abstiegskampf steckt". Es ist dann der endgültige Schlussstrich unter den Schlussstrich. Den hatten die Münchner mit einer offiziellen Mitteilung zum Thema Spontantrip der Stars gezogen. Dachten sie jedenfalls. Nun soll es aber tatsächlich genug sein. Eine gute Leistung gegen den VfB wäre sicher das beste Argument, um die letzten lodernden Glutnester auszutreten. Um Charakter- und Mentalitätsdebatten nicht zu befeuern (wie nervig und zermürbend kann man bei Borussia Dortmund erfragen). In Stuttgart gefällt ihnen das nicht, in Berlin schon.

Nicht mitwirken - oder nur kurz - wird bei der letzten Mission der Münchner Niklas Süle. Der Abwehrspieler wird den Klub bekanntermaßen verlassen und zum BVB wechseln. Beim Rekordmeister ist man ihm dankbar für seine sehr wertvolle Arbeit. Aber es ist eben so: "Wir müssen nicht zwingend auf Spieler setzen, die uns verlassen.", sagt der Coach. Süle habe sein "Zuckerl" gegen Mainz (Service-Hinweis: Süle gehörte nicht zur Reisegruppe Ibiza) bereits bekommen. Aber: "Vielleicht bekommt er noch einmal Minuten, aber starten wird er wohl nicht.

So richtig gut ist die Laune in München vor der bevorstehenden Schalen-Premiere von Nagelsmann nicht. Zu viele Nebengeräusche hatte seine erste Saison in München begleitet und sie wollen nicht verklingen. Die "Ibiza-Affäre" und die Art, wie das Team den Bossen gegenüber damit umgegangen seien soll (Vollendete Tatsachen ist das Stichwort), hallen an der Säbener Straße nach. Dort ist die Geräuschkulisse ohnehin schon nervtötend laut. Es geht um Robert Lewandowski und wie es für den Stürmer in München weitergeht (oder nicht). Es geht um Serge Gnabry und auch um dessen Zukunft. Und überhaupt um den Kader, ob der nach dem Viertelfinal-K.o. in der Champions League gegen den FC Villarreal noch taugt, um die großen Ambitionen des Vereins zu stemmen.

Extrem turbulent für Nagelsmann

Es sind die Schlusspointen auf eine Spielzeit mit Corona-Sorgen, mit Impfverweigerungen (mittlerweile abgehandelt), mit einer Katar-Frage, die den Klub spaltete und mit einer Führung um Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić, die in der gewaltigen Erb-Lücke von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge verzweifelt nach Halt und Haltung sucht. Und in der Nagelsmann immer und immer wieder als Kommunikator gefragt war. Er nahm die Rolle an, füllte sie aus - war aber zunehmend genervt, dass es keine Exit-Strategie für sein Multifunktionsdasein beim Rekordmeister gab. Die aber hat er nun für die neue Saison eingefordert. Dann soll es für ihn wieder nur noch um Fußball gehen, um Spaß und um Titel.

Für das Duell gegen den VfB Stuttgart nimmt er seine Spieler nochmal in die Pflicht. Aber eben nicht als Reaktion auf Ibiza, sondern als "gebührenden Rahmen" für die Meisterehrung. Seine erste. Für Thomas Müller dagegen ist es die elfte. Für beide soll es nicht die letzte sein. Der "Bub aus Bayern" hat diese Woche bis 2024 verlängert. Das sei, befand Nagelsmann, "sehr wertvoll für uns. Das ist ein Signal nach außen und innen. Das kann auch andere mitziehen." Das kann einen Schub geben, neue Energie. So wie Mangos.

Quelle: ntv.de, tno

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