Fußball

Kimmich, der Umtriebige Der FC Bayern wundert sich über Schalke

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Glanzlose, aber glückliche Bayern: Thomas Müller und Joshua Kimmich freuen sich über den Einzug ins Pokal-Halbfinale.

(Foto: dpa)

Der FC Bayern kann's auch routiniert und ohne das ganz große Spektakel. Dank Joshua Kimmich stehen die Münchner im Halbfinale des DFB-Pokals. Der Trainer ist stolz, die Spieler sind zufrieden. Sie wundern sich aber auch über die Taktik von Gegner Schalke 04.

Eigentlich ist Joshua Kimmich Innenverteidiger. Also zumindest in diesem Pokalspiel seines FC Bayern beim FC Schalke 04. Aber die starre Positionstreue ist nicht unbedingt das Ding des 25-Jährigen. Also treibt er sich in Müller'scher Manier über das Feld. Mal diagonalisiert er in verletzungsbedingter Abwesenheit von Jérôme Boateng die Bälle kreuz und quer durch die Arena, mal zieht es ihn im Gegenpressing aus der Viererkette ins Mittelfeld. Dort ersetzt Kimmich, ähmm ... ja, ähmm ... Kimmich. Und mal zieht er per Vollspann von der Kante des Strafraums ab, tunnelt zwei Gegenspieler, überrascht Torwart Markus Schubert und schießt seine Münchner damit, mit dem 1:0 (1:0), ins Halbfinale des DFB-Pokals.

"In dem Moment hältst du einfach drauf und hoffst, dass er reingeht", sagte Kimmich über seinen spektakulären Treffer. Und auch wenn Schubert, den Schalkes Trainer David Wagner nach mehreren Unsicherheiten von Alexander Nübel nun zur Nummer eins erklärte, nicht reagierte, darf der Treffer auf dem Stapel "unhaltbare Bälle" abgelegt werden. Die Sicht war dem 21-Jährigen versperrt. Einen Vorwurf wollte ihm dann auch eben niemand machen. "Er hat alles sicher gehalten, daran gab es gar nichts auszusetzen", lobte Wagner sogar.

Schalke 04 - FC Bayern 0:1 (0:1)

Tor: 0:1 Kimmich (40.)
Schalke: Schubert - Kenny, Becker (87. Gregoritsch), Todibo, Nastasic, Oczipka - McKennie, Schöpf - Matondo (83. Kutucu), Boujellab (64. Raman) - Burgstaller; Trainer: Wagner.
München: Neuer - Pavard, Kimmich, Alaba, Davies - Tolisso (85. Zirkzee), Thiago - Goretzka - Gnabry, Müller, Coutinho; Trainer: Flick.
Schiedsrichter: Stieler (Hamburg)
Zuschauer: 62.271 (ausverkauft)

Und nicht nur mit dem Torwart war der Coach zufrieden. Die Leistung der gesamten Mannschaft stimmte ihn nach zuletzt sehr schwachen Auftritten versöhnlich. "Wir haben nie den Mut verloren. Die Jungs haben sich super gewehrt und den Bayern einen echten Fight geboten. Wir hatten unsere zwei, drei richtig guten Momente, haben diese aber nicht genutzt." Dass die Münchner verdient gewonnen hätten, das war ihm indes auch noch ganz wichtig zu betonen. Aber tatsächlich hatten die Schalker ihre Momente. In der ersten Halbzeit knallte Kapitän Guido Burgstaller beispielsweise einen artistischen Abschluss an die Latte. In der zweiten Hälfte scheiterte Benito Raman kläglich an Manuel Neuer.

"Es lag viel an der Taktik der Schalker"

Wie gewohnt musste der Kapitän der Münchner gellende Pfiffe über sich ergehen lassen. Wie immer seit seinem Wechsel im Sommer 2011 (!) von Gelsenkirchen nach München. Auch vereinzelte Schmähgesänge gab's gegen den Torwart (und auch gegen den DFB). Zu Unterbrechungen des Spiels führten sie nicht. Eine eigenartige Doppelmoral nach den angekündigten Konsequenzen aus den Diffamierungen gegen den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp am vergangenen Wochenende.

Die Münchner machten das aber nicht groß zum Thema. Vielmehr wunderten sich die Spieler des FC Bayern über die dauerhaft defensive Ausrichtung der Gastgeber. "Es lag heute viel an der Taktik der Schalker: Stumpfer Rasen, lange Bälle, hinten reinstellen. Fußball zelebrieren konnte man heute auf dem Platz nicht", befand Neuer. "Wir hatten gute Chancen, über 80 Prozent Ballbesitz, totale Spielkontrolle. Wir sind verdient weitergekommen." Und auch Kimmich war erstaunt: "Ich war überrascht, wie die Schalker aufgetreten sind. Sie haben ihr kompaktes 5-4-1-System durchgezogen. Ich habe gedacht, dass sie in der zweiten Halbzeit mehr aufmachen. Aber sie haben es nicht getan."

Sei's drum: "Wir sind jetzt im Halbfinale und damit zufrieden", resümierte Kimmich, der von Sportdirektor Hasan Salihamidzic noch ein wuchtiges Kompliment hinterhergerufen bekam: "Er kann einfach alles. Er hat sich in den letzten Jahren zu einem Führungsspieler und zu einer Persönlichkeit entwickelt. Für mich ist er einer der besten Spieler in Europa."

Quelle: ntv.de