Fußball

Aufmerksame Entourage Die Männer hinter dem Fußballer Özil

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Mesut Özil wird unter anderem von seinem Bruder unterstützt.

(Foto: imago/DeFodi)

Mesut Özil tritt mit einem Knall aus dem DFB-Team zurück. Lautstark, wie es sonst nicht die Art des ruhigen und schüchternen Fußballers ist. Das könnte an den Beratern liegen, die der 29-Jährige um sich geschart hat.

Mesut Özil spiele einen "Dreck". "Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist". Mit diesen Worten tritt gestern Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern, gegen Özil nach. Der Konter ließ nicht lange auf sich warten: Özils Berater Erkut Sögüt sagt dem Portal Goal: "Die Kommentare von Herrn Hoeneß verfehlen den eigentlichen Sinn komplett. Er versucht die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema, dem Rassismus und der Diskriminierung in Deutschland, abzulenken." Und weiter: "Außerdem kann er seine dummen Aussagen, die komplett übertrieben sind, nicht belegen."

Ein Vorwurf, der schon unmittelbar nach Hoeneß Aussagen laut wird. Schließlich sind sich Experten einig, dass Özil bei der miesen Weltmeisterschaft der deutschen Nationalmannschaft noch einer der besseren Spieler war. Auch Sögüt verweist nun auf die 63 Torbeteiligungen Özils während seiner Karriere für den DFB, sowie darauf, dass Özil fünfmal zum Nationalspieler des Jahres gekürt wurde.

"Herr Hoeneß, wir werden keine weitere Zeit und Energie aufbringen, um mit Ihnen über ein Thema zu reden, von dem Sie keine Ahnung haben. Sie sind nicht nur eine Schande für sich selbst, sondern vor allem für Bayern München und die Leute in Deutschland", so Sögüt weiter. Außerdem lag der "Fokus von Mesuts Aussagen nicht unbedingt auf dem Fußball. Vielmehr ging es darum, auf das Wiederaufleben des Rassismus aufmerksam zu machen. Er hat den Mut und die Tapferkeit gezeigt, sich für all jene einzusetzen, die in Deutschland unfair behandelt werden: Einwanderer, Muslime und viele mehr", meint der Berater.

Löw wusste von nichts

Aber wer ist eigentlich der Mann, der Özil so vehement gegen Hoeneß verteidigt? Erkut Sögüt ist Rechtsanwalt, Doktor der Sportjuristerei, hat Wirtschaftsrecht studiert und ist lizenzierter Spielerberater. Seit 2012 kümmert er sich um Özil. Gemeinsam mit Harun Arslan, der zugleich Berater von Bundestrainer Joachim Löw ist, sowie Özils Bruder Mutlu arbeitet er laut transfermarkt.de bei der Beraterfirma "Family & Football". Zu ihren Klienten gehören demnach auch die Nationalspieler Ilkay Gündogan und Shkodran Mustafi sowie die Stuttgarter Trainer Tayfun Korkut und Steven Cherundolo. Auch Gündogans Onkel und Mustafis Vater sind in die Firma eingebunden.

Sögüt arbeitet zudem im Team UK für Arslans Firma Arp-Sportmarketing, deren bekanntester Klient eben Löw ist. Bei diesem Beziehungsgeflecht der Beraterfirmen ist verwunderlich, dass selbst Bundestrainer Löw nichts vom Rücktritt Özils wusste. Doch Arslan sagt der "Bild"-Zeitung: "Weder der Bundestrainer noch ich waren vorab informiert." Als Berater hatte Sögüt den DFB lediglich informiert, dass es am Sonntag eine Stellungnahme geben werde.

Sögüt sowie Özils Bruder sind zudem in der Firma "Özil Marketing" mit Sitz in Ratingen beschäftigt. Das Unternehmen, dessen Geschäftsführer Mutlu Özil ist, wurde eigens für den Fußballer gegründet, über diese Schiene sollen die Werbeverträge laufen, berichtet die "FAZ". Die Özil-Brüder kickten in ihrer Kindheit gemeinsam. Mesut Özil sagte gegenüber "11 Freunde": "Wir haben uns damals auf dem Bolzplatz geschworen: Wenn es einer von uns ganz nach oben schafft, nimmt er den anderen mit." So ist es gekommen.

"Spieler zu beraten, ist wie eine Gehirnoperation"

Neben dessen Bruder gilt Sögüt laut der "Stuttgarter Zeitung" als engster Berater Özils. Er lebt wie der 29-Jährige in London und betreut ihn dort. Sögüt handelte auch den Vertrag mit Özils jetzigem Klub FC Arsenal aus, bei dem der Fußballer in vier Jahren etwa 80 Millionen Euro verdienen soll. Der gebürtige Hannoveraner ist Sohn türkischer Einwanderer, er hat sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet, soll der "Stuttgarter Zeitung" zufolge zur Finanzierung seines Studiums gekellnert, Flyer verteilt, bei H&M gejobbt sowie an einer Dönerbude gearbeitet haben. Über Arslan, dessen Mitarbeiter er einst war, hat er es demnach in Özils Umfeld geschafft. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Sögüt, dass er sich bei seinen Kunden "um nahezu alles" kümmere. Und: "Ich sage immer, Spieler zu beraten ist wie eine Gehirnoperation, jede Operation ist anders. Ich mache das jetzt seit knapp sechs Jahren hauptberuflich, und jeder Tag in meinem Leben ist anders."

Dabei ist Sögüt offenbar nicht ganz unschuldig an dem Chaos und soll am Anfang der Affäre mitgewirkt haben, wie die "FAZ" aus Kreisen des Veranstalters des Treffens in London erfuhr: dem Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Anders als Emre Can sagten die beiden den Termin schließlich nicht ab. Auch an Özils Statement bei dessen Rücktritt am Sonntag soll Kennern zufolge Sögüt beteiligt gewesen sein. So lautet etwa das "Kicker"-Urteil: "Der ganze Vorgang ist offenbar in Absprache mit seinem Berater Dr. Erkut Sögüt erfolgt."

Quelle: n-tv.de

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