Fußball

Wie läuft's bei ... Rüdiger? Die glückliche Fügung mit Thomas Tuchel

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Für den FC Chelsea inzwischen unverzichtbar: Antonio Rüdiger.

(Foto: imago images/Focus Images)

So was kannte Antonio Rüdiger gar nicht: Im Herbst ist er beim FC Chelsea plötzlich außen vor, sitzt regelmäßig auf der Bank. Doch genauso überraschend steht er wieder auf dem Platz. Er nutzt seine Chance und ist beim rekordverdächtigen Lauf seines neuen Trainers nicht mehr wegzudenken.

Es ist eine schwierige Zeit, seinen Geburtstag zu feiern. Besonders, wenn man wie Antonio Rüdiger weit weg von der Heimat wohnt. Der gebürtige Berliner arbeitet seit dreieinhalb Jahren in London beim FC Chelsea. Seinen 28. Geburtstag vor knapp zwei Wochen wollte er dennoch mit anderen teilen. Und spendierte den Angestellten eines Londoner Krankenhauses ein reichliches Buffet - samt Videobotschaft. Dass es bei ihm prächtig läuft, daran wollte Rüdiger die Menschen teilhaben lassen, die in der Pandemie die härteste Arbeit leisten.

Dabei sah es kurz zuvor noch so aus, dass er seinen 28. Geburtstag gar nicht mehr in London verbringen würde. Eigentlich lief es bis zum Sommer 2020 hervorragend für den Nationalspieler. Wenn er fit war, spielte er fast immer. Doch als im Sommer Innenverteidiger Thiago Silva an die Stamford Bridge wechselte, fand Rüdiger sich regelmäßig auf der Auswechselbank wieder. Nur vier Mal spielte er von Beginn an. So eine Phase, wie im letzten Herbst, habe der 28-Jährige noch nicht erlebt, berichtet er beim britischen Bezahlsender "Sky Sport".

"Oh wow, was passiert hier?"

Nur in der Champions League kam er auf regelmäßige Einsätze, in der Premier League war er unter Trainer Frank Lampard außen vor. Dennoch beunruhigte die Situation Rüdiger nicht übermäßig. Bei Sky verriet er: "Mich hat es nicht verrückt gemacht, als ich am Anfang (der Saison, Anm. d. Red.) nicht gespielt habe. Aber wenn man nicht im Kader ist, fragt man sich schon: 'Oh wow, was passiert hier?'"

Aus dieser Zeit stammen auch die Wechselgerüchte. Rüdiger sprach öffentlich darüber, dass er ein, zwei Angebote vorliegen habe. Derweil musste er zusehen, wie Chelseas Defensive häufig wackelig auftrat und zunehmend Probleme bekam. Nur sieben Mal spielten sie in der Liga zu null. Lampard sah sich gezwungen, die Abwehr umzustellen. Rüdiger profitierte davon. "Plötzlich war ich wieder im Team und bekam einige Spiele. Von da an hatte ich die Haltung: 'Ich bleibe bei Chelsea und kämpfe um meinen Platz.'"

Ausgerechnet Thomas Tuchel

Ende Januar wurde Lampard entlassen und Thomas Tuchel übernahm an der Stamford Bridge. Ausgerechnet Tuchel - könnte man aus Rüdigers Sicht denken. Während der Innenverteidiger im Herbst auf der Chelsea-Bank schmorte, gab es Gerüchte über einen Wechsel zu Paris St. Germain. Tuchel wollte Rüdiger eigentlich nach Frankreich locken, beide hatten schon telefoniert. Dass sie sich bei Chelsea nun treffen, ist für beide eine glückliche Fügung. Die erste Aufgabe des deutschen Trainers war es, die Defensive der Londoner zu stabilisieren. Dafür stellte er das Spiel der Blues um: Mit hohem Pressing zwingt seine Mannschaft die Gegner zu langen Bällen, die die Abwehrreihe um Rüdiger leichter verteidigen kann, wie der 1,90-Meter-Mann der "Sport Bild" verriet.

Davon profitierten alle. Nach insgesamt zwölf Spielen als Verantwortlicher bei den "Blues" ist Tuchel noch immer ungeschlagen und stellte damit Chelseas Startrekord des Brasilianers Felipe Scolari ein. In zehn der Partien ließ die Mannschaft kein Gegentor zu, insgesamt sind es nur zwei. Unter Lampard waren es durchschnittlich 1,2 kassierte Treffer pro Spiel. Da stört es auch nicht, dass die hochdekorierte Offensive um Christian Pulisic und Co. noch nicht so richtig in Fahrt kommt: "Nur" 13 Tore erzielten die Londoner unter dem neuen Trainer. Die Erfolge gegen Jürgen Klopps Liverpool und José Mourinhos Tottenham sorgen jedoch dafür, dass Chelsea mit Tabellenplatz vier inzwischen wieder sehr gut dasteht im Rennen um die Champions-League-Tickets.

Auch Rüdiger leistet seinen Beitrag dazu. Denn anders als seine Nationalmannschaftskollegen fällt er mit souveränen und stabilen Leistungen auf. Offensivtalent Kai Havertz scheint noch immer nicht ganz in London angekommen zu sein. Nach einem mittelmäßigen Saisonbeginn schwanken seine Leistungen nach wie vor. Timo Werner hat seine 1000-minütige Torflaute inzwischen zwar beendet, fremdelt aber manchmal noch mit den Anweisungen seines Trainers. Rüdiger dagegen verpasste unter Tuchel nur ein einziges Spiel. Er ist fester Bestandteil von Chelseas Dreierkette, stabilisiert und ordnet sie.

Dank an "Ehrenfrauen und Ehrenmänner"

Das Ganze hat auch einen netten Nebeneffekt. Seine Führungsrolle hilft nicht nur in London weiter, auch den scheidenden Bundestrainer Joachim Löw wird es freuen. Mit seiner Konstanz und Ruhe arbeitet sich Rüdiger wieder ins Blickfeld des Nationalteams zurück. Gerade bei der Frage, ob und wie Mats Hummels und Jérôme Boateng reaktiviert werden, könnte der gute Job Rüdigers sie vielleicht sogar obsolet machen.

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Und auch abseits des Platzes sorgt Rüdiger für positive Schlagzeilen. Die Geburtstagsaktion ist nicht die einzige Maßnahme, mit der er Krankenhäuser unterstützte. Der Covid-19-Intensivstation der Berliner Charité zahlte er im April 2020 für drei Monate die Verpflegung, insgesamt 420 Menschen in deutschlandweit 13 schwer Corona-geplagten Kliniken ließ er mit Pizza beliefern und bedankte sich bei den "Ehrenfrauen und Ehrenmännern". Im "Kicker" erklärte er im März 2020, wie wichtig seine eigene Reichweite in der Bekämpfung der Pandemie sei. Mit seiner Stiftung kaufte er in Sierra Leone 60.000 Masken, wie er bei "Sky Sport" erzählt.

Und bei Chelsea? Statt des Abschieds soll ihm nun ein neues Arbeitspapier winken. "Die Sache ist, ich kann mir nicht selbst einen neuen Vertrag geben", sagt er gegenüber Sky. Die Vereinsführung müsse aktiv werden. Sein aktueller Kontrakt gilt noch bis Sommer 2022. Aber wie schon im vergangenen Herbst macht Rüdiger sich nicht verrückt.

Quelle: ntv.de

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