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Vielfalt verkommt zu PR-Aktion Diversität und DFB? Nicht glaubwürdig!

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Der DFB will ein Zeichen setzen für Vielfalt, aber lebt die Werte selbst nicht vor.

(Foto: imago images / regios24)

Vor der DFB-Zentrale weht eine Regenbogenfahne, man will ein Zeichen für Vielfalt setzen. Der wichtige Schritt verkommt zu einer billigen PR-Aktion, weil der Verband Diversität nicht vorlebt. Özil-Affäre, ungleiche Behandlung von Fußballerinnen: Der DFB agiert scheinheilig.

Vor der DFB-Zentrale in Frankfurt weht seit gestern im Rahmen der CSD-Feierlichkeiten, die bis zum 11. August dauern, nicht das bekannte, grüne Banner, sondern das Verbandslogo in Regenbogenfarben. Der DFB will damit Stellung beziehen im Kampf für Diversität und homophoben, sexistischen, transphoben und rassistischen Weltbildern klar entgegentreten. Doch leider verkommt die Regenbogenfahne vorm DFB-Vereinsheim zu hohler Symbolpolitik.

Gewiss: Der Schritt des Deutschen Fußball Bundes (DFB), ein deutliches Zeichen für Vielfalt zu setzen, ist ein essenzieller. Fußball bedeutet Vielfalt und Respekt - in den heutigen Zeiten kann dieses Zeichen weder oft noch laut genug propagiert werden. Aber der Schritt ist auch ein überfälliger und kommt reichlich spät. Und das Problem ist: Wird er vom DFB gemacht, ist er schlichtweg nicht glaubwürdig.

Rassismus? Doch nicht beim DFB!

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Ein Jahr her ist es, als Ex-Nationalspieler Mesut Özil als Sündenbock für die WM-Pleite dargestellt, seine Rassismus-Kritik an Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel einfach weggewischt und rassistische Anfeindungen von "Fans" gegen den Top-Torvorbereiter nicht konsequent entgegengetreten wurde. Der DFB schwieg und auch der größte Teil der Nationalmannschaft - und zwar jener, der aufgrund seiner Hautfarbe keine diskriminierenden Erfahrungen machen muss.

Dass der DFB nicht groß dazu gelernt hatte, war unschwer erkennbar, als im März Zuschauer beim Nationalmannschaftsspiel in Wolfsburg deutsche Spieler rassistisch beleidigten - und ein lautes, promptes und rigoroses "Nein, so was darf nicht passieren" und konkrete Konsequenzen seitens des DFB nicht folgten.

Bezeichnenderweise hat nun DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg rückblickend Fehler des Verbands im Umgang mit dem Weltmeister von 2014 eingeräumt. Das aber nur, um seine Aussage direkt wieder zu relativieren: "Ich kenne keine Organisation und keinen Menschen, der mit dieser heiklen und durchaus schwierigen Situation komplett fehlerfrei umgegangen wäre." Gehlenborg bedient sich hier der billigen Rhetorikform, die Whataboutism genannt wird. Er lenkt vom eigenen Fehlverhalten ab, indem er es in Relation zu anderen setzt, die die Fehler bestimmt auch begangen hätten. Dadurch wirkt die Vielfaltsaktion mächtig scheinheilig.

Gleiche Bezahlung? Fehlanzeige!

Ebenso unglaubwürdig ist der Einsatz des DFB gegen Sexismus. Denn die Realität sieht so aus, dass Frauen weder Macht im Verein bekommen, noch als Spielerinnen gleich bezahlt oder gefördert werden. Weltweit kämpfen Sportlerinnen - am sichtbarsten Megan Rapinoe und die US-Weltmeisterinnen - um gleiche Prämien. DFB-Interimspräsident Rainer Koch hat dazu seine ganz eigene Meinung: "Man kann nur Gleiches gleich behandeln." Frauen sind demzufolge für ihn Männern nicht gleichwertig und ihre Erfolgszahlungen dürften aufgrund unterschiedlicher Erlöse ruhig gering ausfallen. Wie der DFB ungleiche, geschlechtsbasierende Prämien mit seiner Gemeinnützigkeit vereinbart, bleibt ein Geheimnis. Auch in die Förderung des Frauenfußballs fließt längst nicht so viel Geld wie in den Männerfußball und Frauen werden in der Ansetzung von (End-)Spielen immer wieder benachteiligt.

Auch beim Thema Homosexualität hält sich der DFB gerne zurück - was man schon daran sieht, dass die Regenbogenfahnen-Aktion erst im Jahr 2019 passiert. Schwule Fußballspieler, die Angst haben, sich zu outen, vielleicht sogar Angst vor einem Karriereende, fürchten sich auch, dass der Verband sie allein im Shitstorm-Regen stehen lassen würde, anstatt sich bedingungslos, unmissverständlich und zügig hinter sie zu stellen.

DFB lebt keine Vielfalt vor

Das wichtige Zeichen für Vielfalt verkommt aufgrund der Inkonsequenz des DFB zu einer billigen PR-Aktion. Der Verband lebt die Werte der Diversität nicht vor. Noch schlimmer: Jetzt denken die alten Herren beim DFB, sie hätten es dem Sexismus, dem Rassismus und der Homophobie so richtig gezeigt und klopfen sich gegenseitig auf die Schultern. Damit bleiben die Probleme liegen und offensichtliche Missstände werden nicht wirklich angegangen.

Daran wird sich nichts ändern, solange die DFB-Führungsetage weder die Vielfaltsaussagen noch die deutsche Gesellschaft repräsentiert, sondern fast ausschließlich so aussieht: weiß, alt, heterosexuell, männlich.

Quelle: n-tv.de

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